Strafverfahren
Ex-Rewe-Chef Berninghaus drohen zehn Jahre Haft

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Handelskonzerns Rewe, Ernst Dieter Berninghaus, muss sich einem Strafverfahren wegen des Vorwurfs der Untreue in einem besonders schweren Fall stellen. Zivilrechtlich hat er schon klein beigegeben.

HB KÖLN. Die Staatsanwaltschaft habe Anklage erhoben, sagte der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft, Ulrich Boden, am Dienstag. Es gehe um eine gegenüber Rewe veruntreute Summe im zweistelligen Millionenbereich. Berninghaus soll verdeckt Anteile an der Schweizer Internetfirma Nexum erworben und Provisionen eingestrichen haben. Berninghaus droht bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Der Prozess wird nach Angaben des Sprechers des Kölner Landgerichts Hubertus Nolte wahrscheinlich Anfang kommenden Jahres starten.

Berninghaus soll das Nexum-Geschäft laut Rewe mit seinem Studienfreund, dem Metro-Manager Ralf Bender, eingefädelt haben. "Das Verfahren gegen Herrn Bender wegen Beihilfevorwürfe kann gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt werden, wenn das Gericht dem zustimmt", sagte Boden.

Nach nur knapp sechs Monaten als Vorstandschef war Berninghaus im Oktober 2004 völlig überraschend als Rewe-Vorstandssprecher aus "gesundheitlichen Gründen" zurückgetreten. Kurze Zeit später reichte Rewe eine Schadenersatzklage ein und stellte Anfang 2005 Strafanzeige gegen Berninghaus und andere möglicherweise Beteiligte.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist durch die Nexum-Transaktion "ein erheblicher Vermögensschaden entstanden". In Juni hatte der Kölner Handelskonzern schon in einem Zivilverfahren 27 Mill. Euro Schadenersatz vom einstigen Hoffnungsträger Berninghaus gefordert. Der damalige Vorwurf der Rewe-Rechtsanwälte: Berninghaus habe "langfristig und mit Strategie und Druck" während des Internetbooms die Schweizer Internetfirma an die Rewe verkauft und den Konzern "über den Tisch gezogen". Berninghaus soll Provisionen in Höhe von mehr als 6,5 Mill. Euro kassiert haben.

Zwei Monate nach dem Start des juristischen Pokers einigten sich Berninghaus und Rewe Anfang August in einem gerichtlichen Vergleich. Berninghaus zahlte an Rewe 6,5 Millionen Euro und verzichtete darüber hinaus auf alle Leistungen aus der Aufhebungsvereinbarung als Vorstandschef und verlor alle Pensionsrechte. Damals hatte Berninghaus seine Vermögensverhältnisse offen gelegt. Außerdem hatte er sich verpflichtet, alle Informationen über strafrechtliche Verfehlungen anderer an die Anklagebehörde weiterzuleiten.

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