Strategie: Reine Kostenbremser bleiben auf der Strecke

Strategie
Reine Kostenbremser bleiben auf der Strecke

Der koreanische Autobauer Hyundai macht derzeit vor, wie auch von der Krise stark gebeutelte Unternehmen wachsen können. Kosten senken allein reicht dabei jedoch nicht aus. Mindestens ebenso wichtig ist die Stärkung von Wachstumsfeldern. Dies hat auch die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland erkannt und bearbeitet intensiv ihre bisherigen Märkte.



DÜSSELDORF. Ganz Amerika wird von der Autokrise gebeutelt. Ganz Amerika? Nein, der koreanische Autobauer Hyundai macht vor, wie sich Absatz und Marktanteil in den USA erhöhen lassen – ganz ohne Abwrackprämie oder neuartige Technik. Das Geheimnis des Erfolgs? Ein simpler Marketingtrick, der genau den Nerv der verunsicherten amerikanischen Verbraucher trifft.

Wer einen Hyundai least oder auf Kredit kauft und innerhalb eines Jahres unverschuldet seinen Job verliert, der kann den Wagen einfach wieder abgeben und vom Vertrag zurücktreten. Ab April bekommt ein gekündigter Hyundai-Fahrer sogar bis zu 90 Tage lang seine Raten erstattet, wenn er in dieser Zeit wieder eine neue Stelle findet.

Die Strategie zeigt Wirkung: Im Januar stieg der Umsatz von Hyundai um mehr als 14 Prozent zum Vorjahresmonat, während der Autoabsatz in den USA insgesamt um 37 Prozent einbrach. Ihren Marktanteil konnten die Koreaner zuletzt auf 4,4 Prozent erhöhen – ein Jahr zuvor waren es noch 2,6 Prozent. Der Verkaufserfolg der Koreaner hat selbst die Marketingstrategen des insolvenzbedrohten Autoriesen GM auf den Plan gerufen. Mark LaNeve, GM-Vizepräsident für Sales, Service und Marketing in Nordamerika: „Wir haben uns Hyundais Programm ausgiebig angeschaut.“

Dieser Fall zeigt: Selbst in Wirtschaftszweigen mit dramatischem Nachfrageeinbruch ist es möglich, gegen den Trend zu wachsen. Christoph Nöcker, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Droege & Comp., betont: „Gerade die besonders gebeutelten Branchen müssen auch ihre Wachstumsfelder stärken und den Blick in die Zukunft richten. Kostensenken alleine reicht nicht aus.“

Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland hat dies erkannt und will in der Rezession Wachstumsfelder intensiv beackern. Dies lässt sich aus dem aktuellen Handelsblatt Business-Monitor ablesen, einer Umfrage unter 779 Führungskräften deutscher Unternehmen. Die Befragung wurde vom Handelsblatt und der Unternehmensberatung Droege & Comp. in Auftrag gegeben.

Lediglich für 30 Prozent der befragten Manager sind derzeit Kostensenkungen wichtiger als die Stärkung von Wachstumsfeldern. Für 38 Prozent sind beide Strategien gleich wichtig. 31 Prozent der Manager konzentrieren sich eher darauf, Wachstumsfelder zu stärken, als Kosten zu senken.

„Es ist eine ganz natürliche Reaktion, in Zeiten, in denen Aufträge wegbrechen, auf die Kostenbremse zu treten. Klar: Firmen müssen die Finanzierung ihrer bestehenden Geschäfte absichern. Doch wer langfristig bestehen will, muss wachsen“, unterstreicht Harald Hungenberg, Professor für Unternehmensführung an der Universität Erlangen/Nürnberg.

Auch Strategieexperte Nöcker warnt: „Die Geschäftsaktivitäten auf Sparmodus herunterzufahren in der Hoffnung, so durch die Krise kommen zu können, ist ein gefährlicher Irrglaube.“ Einem Drittel der Unternehmen in Deutschland gehe es noch immer sehr gut. Diese sollten jetzt ihre Chance nutzen zu investieren und ihr Unternehmen auf Markt und Wachstum auszurichten. Besonders in einer Zeit, in der sich viele ihrer Wettbewerber nur mit sich selbst beschäftigten, sagt Nöcker.

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