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Buchungskniffe: Wie Konzerne bei den Zahlen tricksen

exklusiv Etliche Dax-Konzerne wie SAP, Deutsche Telekom und Siemens zeigen sich im eigenen Zahlenwerk höchst kreativ und hübschen ihre Bilanzen zuweilen ein wenig auf. Ihre Methoden sind legal, beschönigen aber die wahre Geschäftslage. Aktionärsschützer drängen auf Abhilfe.

Zuweilen werden Konzerne und ihre Vorstände kreativ, wenn es darum geht die Bilanzen zu verschönern. Quelle: Foto Begsteiger / Michaela Begsteiger
Zuweilen werden Konzerne und ihre Vorstände kreativ, wenn es darum geht die Bilanzen zu verschönern. Quelle: Foto Begsteiger / Michaela Begsteiger

DÜSSELDORF. Wenn über Nacht aus roten Zahlen schwarze werden, kann das entweder daran liegen, dass ein Unternehmen wirklich prosperiert. Oder es liegt daran, dass der Finanzvorstand eine besondere Kreativität entfaltet hat - wie etwa beim Tourismuskonzern Tui.

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Der hatte zuletzt nicht genug Reisen verkauft, um den Ausweis eines Verlustes zu vermeiden. Daher stand im vergangenen Quartal ein Minus vor Steuern und Abschreibungen (Ebita) von 65 Mio. Euro. Eigentlich. Denn unter Berücksichtigung diverser Sondereffekte entstand daraus - fast wie von Zauberhand - ein "bereinigtes Ebita" von 105 Mio. Euro. Dickster Korrekturposten waren mit 153 Mio. Euro sogenannte "Einzelsachverhalte". Dazu zählten etwa die Kosten, die durch den Ausbruch des isländischen Vulkans im Reisegeschäft entstanden waren. Normales Geschäftsrisiko, sagen Kritiker. Sonderbelastung, sagt Tui.

Deutschlands Konzerne zeigen sich im eigenen Zahlenwerk höchst kreativ und hübschen ihre Bilanzen zuweilen ein wenig auf. Gern "bereinigen" und "adjustieren" die Finanzvorstände ihre Ergebniszahlen etwa um angebliche Sondereinflüsse. Dann wird so lange herumgerechnet, dass Investoren und Privatanleger Probleme haben, die Zahlen nachzuvollziehen.

Beispiel Telekom: Das Unternehmen bereinigt regelmäßig Milliardenbeträge aus der Sanierung von Geschäftsbereichen, dabei fallen die Kosten weitgehend in ein und denselben Sparten an. 2009 wurde das operative Ergebnis etwa um Aufwendungen für Personalmaßnahmen und Restrukturierungen in Deutschland bereinigt. Bereits im Jahr 2008 wies die Telekom aber außerordentliche Aufwendungen in denselben Bereichen auf.

Beispiel Siemens: Der Industriekonzern rechnet so lange an seinem Verschuldungsstatus herum, bis die Aussagekraft der bereinigten Zahl Zweifel aufkommen lässt. Alles wird so verklausuliert, dass der normale Anleger Probleme hat, zu verstehen, was überhaupt gemeint ist.

Die Beispiele ließen sich beliebig fortführen. Belastende, aber auch unerwünschte positive Effekte rechnen die Unternehmen aus dem Gewinn heraus - belastende, um an der Börse nicht einzubrechen, positive, um etwa keine hohe Dividende zahlen zu müssen. Der Vorwurf, die Finanzchefs betrieben bewusste Irreführung, wird immer lauter.

Ob Bayer, Thyssen-Krupp, Eon, RWE oder Siemens - sie alle agieren mit gefärbten Werten. Doch was sie machen, ist legal. Die internationale Bilanzierungsnorm IFRS, die alle großen Aktiengesellschaften inzwischen anwenden, schreibt natürlich vor, dass Abschreibungen und Sonderaufwendungen in jeder Bilanz gebucht werden müssen. Doch insgesamt gibt das Regelwerk den Unternehmen großen Spielraum.

"Die Unternehmen machen inzwischen, was sie wollen", klagt Ralf Frank, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Verband arbeitet mit den Wirtschaftsprüfern von Pricewaterhouse Coopers und dem Hamburger Wissenschaftler Alexander Bassen darum an neuen Standards. Im Frühjahr will die DVFA Kriterien vorlegen, was und wie bereinigt werden kann. Für den Wormser Wirtschaftsprofessor Kurt Göllert ist das die einzig richtige Lösung. "Wenn neutrale Fachleute eine standardisierte Form der Ergebnisermittlung vorgeben, wäre die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen wieder gewährleistet."

  • 01.11.2010, 16:43 UhrAnonymer Benutzer: martinsgarten

    ich finden in dem beitrag garnicht mein Lieblingsspielcasino - die deutsche bank.
    banken können doch richtig bei der bilanz "zaubern".
    Schließlich gibt es ja den fair value Ansatz.
    Müßten die Damen und Herren nach HGb bilanzieren, wäre sie schon alle mausetot.
    Da gab es noch den begriffe Niederstwertprinzip.
    Würden die banken das anwenden - na dann gute Nacht.

  • 01.11.2010, 15:55 UhrAnonymer Benutzer: Udo

    Wo ist das Problem? Nicht zu m ersten Mal in den letzten Monaten wird vom Hb etwas thematisiert, was nach näherer betrachtung nicht die Schlagzeile Wert ist. bilanzkennzahlen waren und sind immer „Kennzahlen“ die zu interpretieren sind. Solange dass Ergebnis nach Steuern und Abschreibungen ok ist, bleibt es dem geneigten Analysten und Leser überlassen sich in den „Zahlendschungel“ einer bilanz einzuarbeiten und daraus die nötigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Noch ein letzter Hinweis bezogen auf Telekom. Die Aussage „das Restrukturierungsaufwendungen zweimal erfasst wurden“, ist fachlicher Unsinn. Da eine GuV immer und ausschließlich jahresbezogen ist, können ein- und die selben Aufwendungen gar nicht zweimal erfasst werden.

  • 01.11.2010, 14:49 UhrAnonymer Benutzer: Stefan Uhlig

    Dass die Unternehmen ihr Ergebnis um a.o. Effekte bereinigen, ist völlig o.k. Natürlich kann man streiten, was a.o. ist und was nicht.
    Nur können die noch soviel tricksen wie sie wollen, das endgültige bilanzielle Ergebnis bleibt davon unverändert. Und jeder versierte Analyst schaut sich immer beide Ergebnisse an: das operative und das endgültige. Es bleibt dann dem bilanzleser überlassen (z.b. eine bank) ob die hohen Abschreibungen z.b. von EON in Südeuropa operativ sind oder a.o.
    insofern verstehe ich die von ihnen geschilderte Problematik nicht. Wenn ein Mensch sich kosmetisch "verschönert", mag er besser aussehen. Er bleibt aber nach wie vor der gleiche Mensch. Das gilt i.d.S. auch für Unternehmen.

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