Strategie

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Exportland Deutschland: Das deutsche Erfolgsrezept heißt Fleiß und Langeweile

Deutschland gilt nicht als besonders innovationsfreudig und die Old Economy wird oft belächelt. Aber trotz Wirtschaftskrise und Turbulenzen an den Finanzmärkten geht es den Firmen gut. Was ist die deutsche Erfolgsformel?

Exportorientierte Industriekonzerne wie Thyssen-Krupp profitieren von einer stabilen und stetig wachsenden Nachfrage aus den Schwellenländern in Südamerika, Osteuropa und Asien. Quelle: dpa
Exportorientierte Industriekonzerne wie Thyssen-Krupp profitieren von einer stabilen und stetig wachsenden Nachfrage aus den Schwellenländern in Südamerika, Osteuropa und Asien. Quelle: dpa

DüsseldorfWas zu viel ist, ist zu viel - Mon Dieu! Die angesehene Pariser Tageszeitung "Le Figaro" beklagte kürzlich, dass Franzosen inzwischen alles vergötterten, was aus Deutschland komme - vom Autobauer BMW bis zu zeitgenössischen Künstlern. Denn ausgerechnet die Kunstmetropole Paris zeigt in diesem Herbst, was in der Szene des deutschen Nachbarlandes Rang und Namen hat - die Werke von Baselitz, Lüpertz und Richter.

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Der "Figaro" appellierte an die Kraft der Franzosen - doch der Ruf verhallte. Denn die Argumente sind dünn. Der Außenhandelsüberschuss Deutschlands ist doppelt so groß wie Frankreichs Defizit im Handel mit anderen Ländern, die Arbeitslosenquote ist deutlich niedriger. Geradezu beschämend fällt der Vergleich in der Autoproduktion aus: Frankreich produziert zwei Millionen Fahrzeuge, Deutschland 5,3 Millionen.

Die Briten versuchen, das Geheimnis der Deutschen zu erkunden. Das Wirtschaftsmagazin "Economist" titelte bereits vor Monaten "Angela in Wunderland". Zwei Gründe machten die Autoren aus: Der Erfolg sei vor allem exportgetrieben. Und: Deutsche Unternehmen besetzten "unglamorous but profitable niches". Damit meinen sie: Deutschlands Erfolg beruht auf grauen Werkzeugmaschinen, unverständlicher Elektrotechnik und langweiligen Chemieprodukten.

Das klingt zwar nicht sehr modern und spannend, ist aber sehr profitabel. Zwei Jahre nach der tiefsten Rezession seit Jahrzehnten sind die deutschen Firmen so erfolgreich wie noch nie. Es scheint, als gelänge ihnen schlichtweg alles: Die Reanimierung des Heimatmarktes, die Eroberung des boomenden chinesischen Marktes und die Verteidigung der alten Märkte in Europa und Amerika. Das Exportvolumen hat längst die magische 1000-Milliarden-Euro-Grenze hinter sich gelassen.

Der Erfolg ist inzwischen der Garant für weiteren Erfolg. Nach einer gerade veröffentlichten Studie des Reputation Instituts ist Deutschland um fünf Plätze auf Rang elf unter den Top-50-Nationen aufgestiegen. Wachsende Exporte steigern die Reputation - zunehmende Reputation steigert die Chance auf weitere Exporte. "Das kleine Wirtschaftswunder", sagt Institutsgründer Charles Fombrun, bewirke schon jetzt steigende Anerkennung im Ausland. Profitiert habe Deutschland aber auch vom Bild eines politisch und regulatorisch stabilen Landes. Deutschland werde als verlässlich wahrgenommen. Das lässt sich in diesen Tagen nicht von allen Nationen behaupten.

  • 06.12.2011, 21:22 UhrDutyfree

    Nach meinen Erfahrungen eine sehr zutreffende Darstellung. Nach langjähriger Arbeitserfahrung im Ausland, v.a.in Frankreich, bleibt m. E. anzumerken, dass dort oftmals der politische Wille nicht so ausgeprägt ist "langweilige" Aspekte wie Produktqualität, Kontinuität, Haltbarkeit oder Zuverlässigkeit wirklich ernst zu nehmen.Natürlich gibt es hier Ausnahmen mit namhaften Weltkonzernen wie z.B. Michelin, Air Liquide, L'Oréal, Danone, Saint Gobain,Hermès u.a. Warum aber ist es so z.B. in Frankreich verboten, dass ein Hersteller, dessen Produkt "gut" bei neutralen Warentests (z.B. UFC QUE CHOISIR) beurteilt wurde, damit auf seinen Verpackungen werben darf und er für gute Qualität belohnt wird? Die von der Bundesregierung vor vielen Jahrzehnten ins Leben gerufene Stiftung Warentest ist sicher ein besserer Weg breites Qualitätsbewusstsein zu fördern wo es für den Kunden nicht einfach nachzuvollziehen ist. Nicht aber in Frankreich, warum also mehr machen als das Minimum? Schade, denn pfiffig und einfallsreich sind die unsere Freunde "Outre Rhin" sicher, und wenn sie wollen, können sie auch exzellente Arbeit leisten. Dass Franzosen inzwischen eine bessere Geschwindigkeitsdisziplin auf den Strassen haben als wir Deutsche ist schliesslich auch nicht erstaunlich, denn hier bestand der politische Wille,und die "Motivation" der Menschen erfolgte durch die inzwischen sehr zahlreichen festinstallierten Radargeräte. Eigentlich könnte man sich in Deutschland freuen, denn hier boomt der Export. Allerdings sitzen wir alle im selben Boot "Euroland", und damit werden die Probleme unserer Nachbarn auch die unseren.

  • 17.10.2011, 17:28 UhrAlex

    Der Fairnis halber darf man vielleicht ein Detail hinzufügen: Die (verspätet durchgestartete) deutsche Wirtschaft befand sich zu Beginn der Krise gerade im Höhepunkt des Konjunktur. In diesem Stadium ist es geradezu phänotypisch, sorgsam mit dem das Geld umzugehen, es zusammenzuhalten und Schulden abzubauen und (noch) nicht auf Gedeih und Verderben Marktanteile zusammenzukaufen. Nach der langen und tiefen Krise war die deutsche Industrie größtenteils vorsichtig - zum Glück. Der Rest Europas und Nordamerikas hingegen lebte schon seit langem in einem Aufschwung, der nicht zu enden schien (siehe einige Äußerungen Greenspans) und zeigte damit die typischen Erscheinungen einer Branche im Herbst eines Konjunkturzyklus: Träge, teuer geworden, Marktanteile werden für viel Geld hinzugekauft, Verschuldung wird hochgefahren. Bei einem solchen Stadium trifft eine so harte Rezession natürlich viel empfindlicher.
    Die (jetzt glückliche) Rolle des für Deutschland arg verschobenen Konjunkturzyklus (man erinnere sich an den "kranken Mann", als wir kränkelten, während der Rest Europas boomte), hat nichts, aber auch rein gar nichts mit deutschen Tugenden zu tun hat, wird m.E. aber viel zu sehr übersehen.
    Man sollte solche Zufälle aber nie unterschätzen und untebewerten, wenn man sich an einen grundlegenden Systemvergleich.

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