
Selbst jetzt sind die Lehren des Katastrophenjahres nicht vergessen. Allein die 100 größten börsennotierten Konzerne werden in diesem Jahr nach jetzigem Stand netto mehr als 80 Milliarden Euro verdienen. Das ist so viel wie noch nie. Sie haben Bargeldreserven in Rekordhöhe von 170 Milliarden Euro angehäuft. Das sind 80 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.
Der Softwareriese SAP hat 3,8 Milliarden Euro in der Kasse, die Lufthansa 4,6 Milliarden Euro und Siemens sogar 13,4 Milliarden Euro. Ein Drittel der Unternehmen hat sogar ein Luxusproblem: Zusätzlich zu ihrem Eigenkapital haben die Firmen mehr liquide Mittel und Barbestände als Schulden. Doch anstatt ihre Anleger mit dem Geld zu beglücken, halten die deutschen Unternehmen weiter ihr Geld beisammen. Man weiß ja nie, was kommt.
Für 1,5 Milliarden Euro haben die 100 größten deutschen Firmen in diesem Jahr eigene Aktien zurückgekauft, um so das Angebot zu verknappen, den Gewinn je Aktie zu erhöhen und den Kurs zu beflügeln. "Der Abbau der akquisitionsbedingten Schulden hat zurzeit Vorrang", sagt beispielsweise ein BASF-Sprecher. Der Boom verleitet nicht zu Euphorie.
In den USA, wo die Unternehmen ebenfalls viel Cash angehäuft haben, erwarben die 100 größten US-Firmen auf Drängen ihrer Aktionäre dagegen in diesem Jahr Aktien im Wert von 150 Milliarden Euro - allein der Ölriese Exxon für acht Milliarden Euro und der Computerkonzern IBM für 5,7 Milliarden Euro. Auch bei dem von Investmentbankern gefeierten Wachstumsgeschäft mit Übernahmen setzen die Deutschen weiter auf das Prinzip Vorsicht.
Große Deals mit deutschen Angreifern gibt es in diesem Boomjahr bislang nicht. Hingegen nähern sich in den USA die Übernahmevolumen wieder dem Rekordniveau aus den besten Zeiten 2007 an. Allein im dritten Quartal kauften US-Konzerne andere Firmen im Wert von rund 180 Milliarden Euro. Fusionen und Übernahmen sorgen zwar für Umsatzsprünge.
Doch Berechnungen belegen, dass sich die meisten Übernahmen weder für den Aktionär noch für das Unternehmen rechnen: Die Mehrzahl der fusionierten Unternehmen wirtschaftet nach einem Milliardendeal weniger profitabel als vorher, und auch der Aktienkurs entwickelt sich schlechter als vor der Übernahme.
Wie erfolgreich deutsche Unternehmenstugenden sind, zeigt ein Blick ins Ausland.
Nach meinen Erfahrungen eine sehr zutreffende Darstellung. Nach langjähriger Arbeitserfahrung im Ausland, v.a.in Frankreich, bleibt m. E. anzumerken, dass dort oftmals der politische Wille nicht so ausgeprägt ist "langweilige" Aspekte wie Produktqualität, Kontinuität, Haltbarkeit oder Zuverlässigkeit wirklich ernst zu nehmen.Natürlich gibt es hier Ausnahmen mit namhaften Weltkonzernen wie z.B. Michelin, Air Liquide, L'Oréal, Danone, Saint Gobain,Hermès u.a. Warum aber ist es so z.B. in Frankreich verboten, dass ein Hersteller, dessen Produkt "gut" bei neutralen Warentests (z.B. UFC QUE CHOISIR) beurteilt wurde, damit auf seinen Verpackungen werben darf und er für gute Qualität belohnt wird? Die von der Bundesregierung vor vielen Jahrzehnten ins Leben gerufene Stiftung Warentest ist sicher ein besserer Weg breites Qualitätsbewusstsein zu fördern wo es für den Kunden nicht einfach nachzuvollziehen ist. Nicht aber in Frankreich, warum also mehr machen als das Minimum? Schade, denn pfiffig und einfallsreich sind die unsere Freunde "Outre Rhin" sicher, und wenn sie wollen, können sie auch exzellente Arbeit leisten. Dass Franzosen inzwischen eine bessere Geschwindigkeitsdisziplin auf den Strassen haben als wir Deutsche ist schliesslich auch nicht erstaunlich, denn hier bestand der politische Wille,und die "Motivation" der Menschen erfolgte durch die inzwischen sehr zahlreichen festinstallierten Radargeräte. Eigentlich könnte man sich in Deutschland freuen, denn hier boomt der Export. Allerdings sitzen wir alle im selben Boot "Euroland", und damit werden die Probleme unserer Nachbarn auch die unseren.
Der Fairnis halber darf man vielleicht ein Detail hinzufügen: Die (verspätet durchgestartete) deutsche Wirtschaft befand sich zu Beginn der Krise gerade im Höhepunkt des Konjunktur. In diesem Stadium ist es geradezu phänotypisch, sorgsam mit dem das Geld umzugehen, es zusammenzuhalten und Schulden abzubauen und (noch) nicht auf Gedeih und Verderben Marktanteile zusammenzukaufen. Nach der langen und tiefen Krise war die deutsche Industrie größtenteils vorsichtig - zum Glück. Der Rest Europas und Nordamerikas hingegen lebte schon seit langem in einem Aufschwung, der nicht zu enden schien (siehe einige Äußerungen Greenspans) und zeigte damit die typischen Erscheinungen einer Branche im Herbst eines Konjunkturzyklus: Träge, teuer geworden, Marktanteile werden für viel Geld hinzugekauft, Verschuldung wird hochgefahren. Bei einem solchen Stadium trifft eine so harte Rezession natürlich viel empfindlicher.
Die (jetzt glückliche) Rolle des für Deutschland arg verschobenen Konjunkturzyklus (man erinnere sich an den "kranken Mann", als wir kränkelten, während der Rest Europas boomte), hat nichts, aber auch rein gar nichts mit deutschen Tugenden zu tun hat, wird m.E. aber viel zu sehr übersehen.
Man sollte solche Zufälle aber nie unterschätzen und untebewerten, wenn man sich an einen grundlegenden Systemvergleich.
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