
1981 sorgte ein gewisser Jack Welch, damals neuer Chef des Konglomerats General Electric (GE) mit einer Rede für Aufsehen. Er kündigte an, Geschäftsbereiche mit niedrigen Gewinnspannen gnadenlos zu entfernen. Diese Ankündigung gilt als Geburtsstunde der Shareholder-Value-Bewegung.
Mehr als zwei Jahrzehnte beherrschte die Ideologie, den Aktionär und seine Rendite ins Zentrum des Handelns zu stellen, amerikanische Unternehmer. Viele kopierten Welchs Managementmantra: Entweder die Nummer eins oder zwei in einem Geschäftsfeld werden oder aussteigen. Zehn Prozent der schlechtesten Manager jedes Jahr hinauszuwerfen und die besten 20 Prozent mit Aktien und Optionen zu belohnen.
Die Folgen waren gravierend. GE war vor Welch ein Unternehmen, das für seine Produkte wie Lokomotiven, Motoren oder Glühbirnen bekannt war. Unter Welch wandelte es sich in eine gigantische Finanzholding, die noch heute knapp die Hälfte ihrer Gewinne mit GE Capital erzielt - also mit Hypotheken, Kreditkarten oder dem Leasing von Flugzeugen oder Containern. Gleichzeitig reduzierte Welch die Forschungs- und Entwicklungsausgaben kontinuierlich.
Der Abschied von Produkten rächte sich in der Finanzkrise und drängte GE 2008 und 2009 fast in den Abgrund. "Offensichtlich ist Shareholder Value die dümmste Idee der Welt", bereute Welch 2009 seine Philosophie. Aber so ist das in Amerika: Da wird alle paar Jahre mit einem neuen Managementmantra eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Die Begeisterung ist groß, aber das Resultat ähnelt sich immer: Es wird nicht langfristig gedacht, sondern der kurzfristige Vorteil gesucht. Das kann zu heftigen Verwerfungen und großen Reibungsverlusten führen.
Noch heute rotieren etwa GE-Manager nach Welchs Vorgabe alle paar Jahre durch die verschiedenen Geschäftsbereiche, um neue Einblicke zu gewinnen. Aber dabei geht wertvolles Fachwissen verloren, das in technisch komplexen Bereichen wie der Windenergie entscheidend sein kann. "Siemens ist uns in den USA um einiges voraus", gibt ein führender GE-Manager aus dem Bereich unumwunden zu. "Weil sie sich besser auskennen."
Eine große Ausnahme bildet High Tech. An der Westküste entstehen oft und in Windeseile riesige Konzerne wie Google oder Facebook. Möglich wird das durch ausreichendes Risikokapital, das in den USA zur Verfügung steht sowie Spitzenuniversitäten wie Berkeley oder Stanford, die als Brutstätte von Ideen dienen.
Nach meinen Erfahrungen eine sehr zutreffende Darstellung. Nach langjähriger Arbeitserfahrung im Ausland, v.a.in Frankreich, bleibt m. E. anzumerken, dass dort oftmals der politische Wille nicht so ausgeprägt ist "langweilige" Aspekte wie Produktqualität, Kontinuität, Haltbarkeit oder Zuverlässigkeit wirklich ernst zu nehmen.Natürlich gibt es hier Ausnahmen mit namhaften Weltkonzernen wie z.B. Michelin, Air Liquide, L'Oréal, Danone, Saint Gobain,Hermès u.a. Warum aber ist es so z.B. in Frankreich verboten, dass ein Hersteller, dessen Produkt "gut" bei neutralen Warentests (z.B. UFC QUE CHOISIR) beurteilt wurde, damit auf seinen Verpackungen werben darf und er für gute Qualität belohnt wird? Die von der Bundesregierung vor vielen Jahrzehnten ins Leben gerufene Stiftung Warentest ist sicher ein besserer Weg breites Qualitätsbewusstsein zu fördern wo es für den Kunden nicht einfach nachzuvollziehen ist. Nicht aber in Frankreich, warum also mehr machen als das Minimum? Schade, denn pfiffig und einfallsreich sind die unsere Freunde "Outre Rhin" sicher, und wenn sie wollen, können sie auch exzellente Arbeit leisten. Dass Franzosen inzwischen eine bessere Geschwindigkeitsdisziplin auf den Strassen haben als wir Deutsche ist schliesslich auch nicht erstaunlich, denn hier bestand der politische Wille,und die "Motivation" der Menschen erfolgte durch die inzwischen sehr zahlreichen festinstallierten Radargeräte. Eigentlich könnte man sich in Deutschland freuen, denn hier boomt der Export. Allerdings sitzen wir alle im selben Boot "Euroland", und damit werden die Probleme unserer Nachbarn auch die unseren.
Der Fairnis halber darf man vielleicht ein Detail hinzufügen: Die (verspätet durchgestartete) deutsche Wirtschaft befand sich zu Beginn der Krise gerade im Höhepunkt des Konjunktur. In diesem Stadium ist es geradezu phänotypisch, sorgsam mit dem das Geld umzugehen, es zusammenzuhalten und Schulden abzubauen und (noch) nicht auf Gedeih und Verderben Marktanteile zusammenzukaufen. Nach der langen und tiefen Krise war die deutsche Industrie größtenteils vorsichtig - zum Glück. Der Rest Europas und Nordamerikas hingegen lebte schon seit langem in einem Aufschwung, der nicht zu enden schien (siehe einige Äußerungen Greenspans) und zeigte damit die typischen Erscheinungen einer Branche im Herbst eines Konjunkturzyklus: Träge, teuer geworden, Marktanteile werden für viel Geld hinzugekauft, Verschuldung wird hochgefahren. Bei einem solchen Stadium trifft eine so harte Rezession natürlich viel empfindlicher.
Die (jetzt glückliche) Rolle des für Deutschland arg verschobenen Konjunkturzyklus (man erinnere sich an den "kranken Mann", als wir kränkelten, während der Rest Europas boomte), hat nichts, aber auch rein gar nichts mit deutschen Tugenden zu tun hat, wird m.E. aber viel zu sehr übersehen.
Man sollte solche Zufälle aber nie unterschätzen und untebewerten, wenn man sich an einen grundlegenden Systemvergleich.
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