
New YorkDas große Problem, weiß Sheryl Sandberg, zeigt sich oft in den kleinen, unbewussten Dingen. Da treffen sich zum Beispiel 15 Top-Manager aus dem Silicon Valley, allesamt Männer, zu einer Diskussionsrunde zur Lage der US-Wirtschaft. Geladen ist auch der Finanzminister mitsamt Experten-Delegation, bestehend aus vier Frauen.
Was passiert? Als das Buffet eröffnet wird, lassen die Frauen wie selbstverständlich die Männer vor. Nach dem Mittagessen dann quetschen sie sich – ganz freiwillig – wie Zuschauer an den Rand des Konferenzraums, während die Männer in der Mitte Platz nehmen.
Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.
In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. 2010 erreichte das Plus 606 Millionen Dollar, 2011 eine Milliarde Dollar. Der Umsatz stieg auf 3,7 Milliarden Dollar. Das Geschäftsjahr 2012 ist noch nicht abgeschlossen. Im vierten Quartal machte Facebook 1,6 Milliarden Dollar Umsatz, schrieb aber einen Verlust von 64 Millionen Dollar – vor allem wegen hoher Kosten für Personal und Infrastruktur.
Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei knapp unter 90 Prozent. Der Rest resultiert daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Mit Titel wie „Farmville“ oder „Cityville“ spielt hier Zynga eine wichtige Rolle.
Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Mehr als eine Milliarde Nutzer sind in dem Sozialen Netzwerk aktiv. Ende 2011 waren es noch 845 Millionen.
Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.
Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.
Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des IT-Analyse-Unternehmens Social Bakers hat Facebook hierzulande mehr als 25 Millionen aktive Mitglieder.
Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.
Diese Anekdote aus der Facebook-Zentrale ist für Sandberg, Nummer zwei des Internet-Konzerns, eine Schlüsselszene. „Das war ein Moment, in dem ich Zeuge wurde, wie interne Barrieren das Verhalten von Frauen verändern können“, schreibt die 43-Jährige in ihrem umstrittenen Buch „Lean in“ – und sieht eine ihrer zentralen Thesen bewiesen: „Ständig unterschätzen wir uns selbst“.
„Lean in“ (zu Deutsch: „Häng` Dich rein“) ist an diesem Montag in den USA auf den Markt gekommen, und es schlägt ein wie wohl selten ein Sachbuch über die Rolle der Frau: Zeitungen, Online-Seiten und TV-Sender berichten seit Wochen darüber, und noch vor Erscheinen schoss das Werk beim Online-Händler Amazon auf Platz eins der US-Bestsellerliste. In Deutschland soll es am 19. April erscheinen.
Sandberg ist auch nicht irgendwer: Mutter zweier Kinder, Harvard-Absolventin, Weltbank-Expertin, mit Ende 20 Stabschefin des damaligen Finanzministers Larry Summers, dann Top-Managerin bei Google und schließlich Mark Zuckerbergs rechte Hand bei Facebook. Und nun schickt sie sich an, Anführerin einer neuen feministischen Bewegung zu werden.

Wow, ich lese gerade die Kommentare zu diesem Artikel und bin otal erchüttert. Ich hätte den Handelsblatt Lesern wirklich mehr Niveau zugetraut. Hat hier auch jemand kostruktive Kritik anzubringen oder das Buch sogar gelesen? An einem ernsthaften Austausch zum Thema wäre ich nämlich sehr interessiert.
Eine kurze Einschätzung des Buches von meiner Seite (hab es am Wochenende gelesen). Empfehlenswert für Leser, die sich bisher nicht allzu intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Insbesondere für Frauen in Deutschland, die bisher allzu oft den vermeintlich "leichteren" Weg des beruflichen Rückzugs oder gar Ausstiegs wählen, wenn die Luft dünner wird. Aber auch für alle Vorgesetzten, die Frauen im Job das Leben - bewuss oder unbewusst - jeden Tag ein bisschen schwerer machen. Ich unterstütze Sandbergs Herangehensweise "Die Frauen müssen sich reinhängen" wünsche mir aber gleichzeitig, dass die Unternehmen dies auch zulassen. Leide ist bisher insbesondere bei jüngeren Frauen, die noch die "Gefahr" bergen Kinder zu bekommen, eher das Gegenteil zu beobachten. So sagt es die Sttisktik undso erlebe ich es selbst im Beruf und im Freundeskreis.

Danke!
Jeder für sich ist sehr nett, da will ich echt mal ein Kompliment auspacken.
Aber in der Gruppe ist das nicht zu aushalten.

@Milvus
"Ich befinde mich in einem Team mit 90% Damen"
Mein aufrichtiges Beileid.
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