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Fair-Value-Prinzip: Finanzanalysten sehen gelockerte Bilanzvorschriften kritisch

Finanzanalysten und Investment-Experten haben die gelockerten Bilanzierungsvorschriften für Banken kritisiert. Der Berufsverband CFA plädiert dafür, an dem Fair-Value-Prinzip festzuhalten, also weiterhin Finanzanlagen nach aktuellen Marktpreisen zu bewerten.

FRANKFURT. „Für Investoren ist es sehr schwierig, die Ergebniszahlen der Banken richtig einzuschätzen, wenn von Quartal zu Quartal die Bilanzierungsregeln geändert werden“, sagte der geschäftsführende Direktor des Londoner CFA-Instituts, Nitin Mehta, dem Handelsblatt. Das CFA vertritt in Europa rund 12 000 Finanzexperten.

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Die Europäische Union hat die Bilanzierungsregeln jüngst erleichtert, um die Banken in der Finanzkrise zu unterstützen. Die Geldhäuser dürfen bestimmte Papiere aus den Handelsbüchern in das Bankbuch nehmen. Die Banken bewerten die Papiere dann nicht mehr zu aktuellen Marktpreisen, sondern bilanzieren sie zu fortgeführten Anschaffungskosten. Die Banken können so ein besseres Ergebnis ausweisen, da in der Krise viele Finanzanlagen deutlich an Wert verloren.

Mehta betonte, dass die Anschaffungskosten für Investoren wenig aussagekräftig seien. „Gute Informationen sind aber das Lebensblut der Kapitalmärkte“, sagte Mehta. Er räumte ein, dass die Ermittlung der wahren Werte gerade in der aktuellen Krise schwierig sei. „Dennoch gibt es zum Fair Value keine bessere Alternative“, sagte der CFA-Direktor. Mehta wies darauf hin, dass der Fair Value nicht immer der aktuelle Marktpreis sei. Bei zusammengebrochenen Märkten könnten Preise auf Basis von wissenschaftlichen Modellen geschätzt werden, sagte der Experte.

Mehta erinnerte an die schwere Wirtschaftskrise in Japan in den 90er Jahren. Die Banken versteckten jahrelang ihre faulen Kredite, am Ende gingen dennoch Institute pleite. „In Krisenzeiten versuchen Banken immer wieder die Politik zu bearbeiten, um Bilanzierungsregeln aufzuweichen“, sagte Mehta.

Mit dem strikten Festhalten an dem Fair-Value-Prinzip stellt sich das CFA gegen die Meinung vieler anderer Experten. Norbert Breker, Rechnungslegungsexperte beim Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW), hält etwa „sachgerechte Anpassungen“ der Rechnungslegungsstandards für richtig. „Wir sehen so etwas nicht als eine Lockerung an, sondern als eine notwendige Änderung“, sagte Breker. Die Banken hätten viele Wertpapiere im Portfolio, die in der jetzigen Krise nicht mehr gehandelt werden könnten. Die Umklassifizierung in das Bankbuch sei dann gerechtfertigt. „Man muss respektieren, wenn der Bilanzierende sagt, ich habe aufgrund fehlender Möglichkeiten keine Handelsabsicht mehr, sondern muss die Wertpapiere bis zur Fälligkeit halten“, sagte Breker. Zudem müsse die Umklassifizierung im Anhang erläutert werden.

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