Strategie

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Familie am Arbeitsplatz: Warum Unternehmen in Kinder investieren

Früher lockten die Firmen mit Aktienpaketen, heute ziehen Edel-Kitas Mitarbeiter an. Die Kindertagesstätten großer Konzerne setzen mit perfekter Ausstattung und Flexibilität Maßstäbe. Kann der Staat da mithalten?

Aus Folien geschnittene Kinderhände hängen mit den jeweiligen Namen an der Eingangstür einer Kindergruppe der Tagesstätte „Pusteblume“ in Berlin. Quelle: dpa
Aus Folien geschnittene Kinderhände hängen mit den jeweiligen Namen an der Eingangstür einer Kindergruppe der Tagesstätte „Pusteblume“ in Berlin. Quelle: dpa

In einem Alter, in dem andere ins Berufsleben starten, schien das von Ilona Kiesenbauer schon zu Ende zu sein. Mit 19 brach sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester ab und brachte Zwillinge zur Welt. Ihre Beziehung ging in die Brüche. Jung, ledig, alleinerziehend, ungelernt - in Deutschland bedeutet das oft Hartz IV. Ein Leben ohne Perspektive.

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Doch Ilona Kiesenbauer bekam eine Chance. Heute, mit 24 Jahren, sitzt sie auf einem zu kleinen Stuhl, die Möbel im Betriebskindergarten des fränkischen Spiegelherstellers Mekra Lang sind auf kurze Beine ausgerichtet. Nebenan spielen die vierjährigen Zwillinge. Kiesenbauer erzählt von ihrer Felisha, die im Kindergarten inzwischen Gemüse esse, und von Elias, der sich, anders als zu Hause, nicht gegen das Frühstück auflehne. „Meine Kinder kennen mehr Käferarten als ich“, sagt Kiesenbauer. Das lernen sie in der Natur, mittwochs ist in der Kita Waldtag.

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Auch Ilona Kiesenbauer lernt jetzt wieder. Sie macht eine Ausbildung zur Industriekauffrau. „Ich bin unendlich dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe“, sagt sie. Mekra Lang erlaubte Kiesenbauer, die Ausbildung in Teilzeit zu machen, und bot ihr, das war entscheidend, zwei Betreuungsplätze für die damals knapp zweijährigen Zwillinge an.

Der Kindergarten hat von morgens um halb sechs bis abends um sechs geöffnet, damit auch Schichtarbeiter ihre Kinder bringen können. Selbst in den Ferien gibt es eine Betreuung, notfalls sogar am Wochenende. „Ohne dieses Angebot würde ich es nicht schaffen“, sagt Kiesenbauer. „Wo sollte ich denn hin mit den Kleinen?“

Fallstricke: Staatliche Förderung für Kinder

  • Lebenshaltungskosten

    Gerade beim ersten Kind ist der Bruch von vertrauten Gewohnheiten besonders groß. Hinzu kommen häufig existenzielle Ängste, steigen doch die Ausgaben, während die Einnahmen deutlich weniger werden. Eine Aufstellung der bisherigen Lebenshaltungskosten und der entsprechenden Einnahmen in der Zeit vor dem Kind und eine ebensolche fiktive Aufstellung für die Zeit mit dem Nachwuchs hilft, die neuen Lebensumstände entsprechend einzuschätzen und danach schon einmal Pläne für den eventuellen Wiedereinstieg in den Beruf zu schmieden.

  • Beratung

    Staatliche Förderungen gibt es für Kinder zwar viele, die Details sind jedoch so vielschichtig, dass häufig eine Beratung bei den entsprechenden Stellen nötig ist, um als Laie den Durchblick zu behalten. Das gilt insbesondere für das in diesem Jahr neu geschaffene Erziehungsgeld.

  • Ausbildungsversicherung

    Zu langfristig, zu renditeschwach sind die typischen Argumente von Verbraucherschützern, wenn es um diese Versicherungsform geht. Dass Eltern und/oder Großeltern auch für den Sprössling in irgendeiner Form etwas ansparen wollen, ist jedoch naheliegend. Ein Sparvertrag oder Fondssparplan wäre ebenso ein Alternative. Für die Ausbildungsversicherung spricht dabei, dass sie auch über die Vertragslaufzeit weiter bedient wird, wenn die Vertragsinhaber wie Eltern oder Großeltern nicht mehr am Leben sind.

  • Haftpflicht

    Kinder unter sieben Jahren sind für den Gesetzgeber deliktunfähig. Im Straßenverkehr geht diese Grenze sogar bis zum Alter von zehn. Von juristischer Seite müssten Eltern für Schäden ihrer Kinder in diesem Alter nicht aufkommen. Moralisch fühlen sie sich aber in der Regel dazu verpflichtet, spielt sich doch vieles im persönlichen Umfeld ab. Experten empfehlen deswegen eine Deckungserweiterung der Familienhaftpflicht, um gegen solche Schäden gewappnet zu sein und gleichzeitig den Frieden mit Freunden, Bekannten und Verwandten zu wahren. Oft ist das sogar ohne zusätzliche Kosten möglich.


Diese Frage stellen sich Hunderttausende Eltern in Deutschland. Nicht einmal für jedes dritte Kind unter drei Jahren gibt es einen Platz in einer Kindertagesstätte. Von August an haben Eltern zwar einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Aber das öffentliche Angebot reicht trotzdem nicht aus. Laut Statistischem Bundesamt fehlten im November vergangenen Jahres noch 220000 Plätze und mindestens 14000 Erzieherinnen. Die Kommunen stellen sich auf Klagen ein.

Wenn Eltern nicht wissen, wohin mit ihren Kindern, sind sie auch im Job nicht so flexibel, wie die Arbeitgeber das gern hätten. Deshalb kümmern sich viele Unternehmen neuerdings selbst um den Nachwuchs. Laut einer Umfrage des Industrie- und Handelskammertags unterstützt bereits jedes zweite Unternehmen seine Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung oder will dies tun - 2007 war es nur ein Viertel.

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Ein Gutachterkreis kritisiert das milliardenschwere System schon jetzt als untauglich.

Einige Firmen zahlen nur Zuschüsse, jedes dritte Unternehmen mit mehr als zwanzig Beschäftigten bietet oder plant aber eine betriebliche Kinderbetreuung - in einer eigenen Kita oder mit Belegplätzen in örtlichen Einrichtungen.

Bei Unternehmen ab 1000 Mitarbeitern ist es mehr als die Hälfte. Wer fördert, wird selbst gefördert - vom Staat. Ende vergangenen Jahres legte die Bundesregierung das zweite Programm für Betriebskitas auf, auch aus Sorge vor einer Klagewelle wütender Eltern unmittelbar vor der Bundestagswahl im Herbst. Pro Kind gibt es 400 Euro im Monat.

Wann ist das Kind ein Kind?

  • Minderjährige

    Bei Minderjährigen haben die Eltern immer einen Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag. Egal, ob der Nachwuchs schon berufstätig ist oder nicht.

  • Volljährige unter 25

    Bei volljährigen Kindern, die aber das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, gibt es nur unter bestimmten Bedingungen Kindergeld, siehe nachfolgend.

  • Berufsausbildung

    Wenn der Nachwuchs eine erste Berufsausbildung macht oder studiert, haben die Eltern weiter Anspruch auf Kindergeld.

  • Übergangszeit

    Zwischen Abitur und Studienbeginn und allgemein zwischen dem Schulabschluss und dem Beginn der Ausbildung liegen oft einige freie Monate. Während einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten wird das Kindergeld weiter gezahlt.

  • Kein Ausbildungsplatz

    Wer seine Berufsausbildung nicht fortsetzen kann, da er keinen Ausbildungsplatz bekommen hat, wird in dieser Zeit mit Kindergeld unterstützt. Allerdings muss der Ausbildungswille da sein.

  • FSJ und FÖJ

    Wenn unter 25-Jährige ein freiwilliges soziales (FSJ) oder ökologisches (FÖJ) Jahr leisten, gibt es währenddessen Kindergeld. Das gilt aber nur bis zum 21. Lebensjahr.

  • Behinderung

    Wenn Sohn oder Tochter wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht selbst für ihren Unterhalt sorgen können, bekommen die Eltern Kindergeld.

Gewissermaßen unfreiwillig entsteht in Deutschland gerade eine neue Spielart der Sozialpartnerschaft. Unternehmen übernehmen zentrale Bildungsaufgaben, ähnlich wie beim dualen System der Lehrlingsausbildung, die weltweit als Vorbild gilt. Womöglich hängt beides sogar zusammen: Wer viel in die Qualifikation seiner Mitarbeiter investiert, ist besonders interessiert daran, dass Mütter nach der Geburt schnell ins Unternehmen zurückkehren.

Siemens unterstützt Mitarbeiter monatlich mit bis zu 500 Euro pro Kind, wenn sie früher aus der Elternzeit zurückkehren. Im vergangenen Jahr gingen 13000 Anträge auf einen Betreuungszuschuss ein, und insgesamt 11 Millionen Euro wurden ausgezahlt.

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Es sieht nicht so aus, als könnten die Städte bis August genügend Kita-Plätze schaffen.

Bis 2015 will der Konzern außerdem sein Betreuungsangebot an 21 Standorten auf 2000 Plätze aufstocken. BASF erweitert seine Kinderbetreuung in Ludwigshafen gerade von 70 auf 250 Plätze, der Waschmittelriese Henkel auf 240, Daimler will bis Ende des Jahres 570 Plätze im Stuttgarter Raum anbieten, Volkswagen 1000 Plätze in eigenen Einrichtungen schaffen. Bayer lässt eine neue Kita für sechs Millionen Euro bauen. Und die Europäische Zentralbank hält 270 Betreuungsplätze in drei Kitas im Frankfurter Westend vor, die auch in den Ferien geöffnet haben, von 7 bis 20 Uhr.

Selbst im Osten, wo die Betreuungsnot längst nicht so groß ist, investieren die Unternehmen in den Nachwuchs. Jenoptik beispielsweise baute vor den Werkstoren in Jena eine Kindertagesstätte mit bilingualer Spracherziehung und Kindersauna. Wenige Kilometer entfernt steckte Carl Zeiss eine halbe Million Euro in eine Kindertagesstätte, die im Sommer eröffnen soll.

Steuerbonus und Zuschüsse Staatliche Finanzspritzen für Eltern

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Aus Sicht der Politik tut die Wirtschaft aber immer noch zu wenig. Wer über Fachkräftemangel klage, müsse auch etwas für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun, mahnt Familienministerin Kristina Schröder. Richtig daran ist, dass die Angebote der Unternehmen den Notstand in der Kinderbetreuung allenfalls lindern. Den Bedarf decken sie bei Weitem nicht. Nur etwa hinter jeder zehnten Tageseinrichtung für unter Dreijährige steckt ein privatwirtschaftlicher Träger.

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Doch im Vergleich zu anderen Ländern ist das unternehmerische Engagement bemerkenswert: In Schweden, Dänemark oder Frankreich, wo das Betreuungsangebot für kleine Kinder groß ist, ist der Staat zuständig. In den Vereinigten Staaten, wo viele Mütter besonders schnell nach der Geburt in den Beruf zurückkehren, übernehmen private, oft sehr teure Anbieter die Betreuung der Kleinkinder.

So rechnet sich der Wohnriester für eine kinderreiche Familie

  • Musterrechnung für viele Kinder

    Diese Rechnung gilt für ein junges Paar mit drei Kindern (Geburtstage: 2002, 2006, 2009). Obwohl das Darlehen deutlich kleiner ausfällt als in den vorigen Vergleichen, ist der Preisvorteil beinahe ebenso hoch. In diesem Fall geht der Ehemann in 29 Jahren in Rente, seine Frau in 27 Jahren. Die Rechnung gilt für ein Darlehen in Höhe von 175.000 €, der Kaufpreis lag bei 250.000 €, die Zinsbindung beträgt 20 Jahre. Beim Wohnförderkonto wird das Modell mit 30% Rabatt verwendet. Das Bruttoeinkommen wird um 50% reduziert und das Ergebnis mit diesem neuen Steuersatz errechnet.

  • Gemeinsames Einkommen: 108.000 €

    Der Vorteil der staatlichen Förderung beträgt bei der kinderreichen Familie mit niedrigerer Darlehenssumme 29.500 €. Neben den Zuschüssen schlägt auch der Steuervorteil zu Buche. Das Familieneinkommen teilt sich wie folgt auf: Der Mann verdient 60.000 €, die Frau 48.000 € brutto.

  • Gemeinsames Einkommen: 84.000 €

    Der Vorteil der staatlichen Förderung beträgt in diesem Falle 21.350 € Das Familieneinkommen teilt sich wie folgt auf: Der Mann verdient 48.000 €, die Frau 36.000 € brutto.

  • Gemeinsames Einkommen: 54.000 €

    Der Vorteil der staatlichen Förderung beträgt 16.700 €. Das Familieneinkommen teilt sich wie folgt auf: Der Mann verdient 30.000 €, die Frau 24.000 € brutto.

  • Gemeinsames Einkommen: 46.000 €

    Der Vorteil der staatlichen Förderung beträgt 19.800 €. Das Familieneinkommen teilt sich wie folgt auf: Der Mann verdient 28.000 €, die Frau 18.000 € brutto.

Hiesige Unternehmen setzen darauf, dass sich ihr Engagement auszahlt. Eine Studie der Prognos AG kommt zum Ergebnis, dass sich Investitionen in familienfreundliche Maßnahmen wirtschaftlich rechnen. Für Firmen sind sie eine Chance, die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern, die Bindung zum Unternehmen zu stärken, das Image zu verbessern.

Personalleiter berichten, dass Eltern, die ihre Kinder im Unternehmen gut betreut wissen, schneller aus der Babypause zurückkehren, seltener ausfallen und motivierter bei der Arbeit sind. Eine Untersuchung des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik der Universität Münster kommt gar zum Schluss, dass Mitarbeiter in familienfreundlichen Unternehmen mehr leisten.

Traumjobs Die beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands

Genug Zeit für ein Leben neben dem Job, innovative Aufgaben, flache Hierarchien und ein sicherer Arbeitsplatz: Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass die Ansprüche ihrer künftigen Arbeitnehmer an sie steigen.

Früher lockten die Firmen gute Leute mit Dienstwagen, Boni oder Aktienpaketen, inzwischen ist die Edel-Kita mit Wellness und Englischkurs, mit qualifizierten Erziehern und langen Öffnungszeiten ein wichtiges Argument im Vorstellungsgespräch.

Laut einer Studie für das Bundesfamilienministerium spielt für 91 Prozent der befragten Eltern zwischen 25 und 39 Jahren die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine mindestens so wichtige Rolle wie das Gehalt. Drei Viertel würden für mehr Familienfreundlichkeit den Job wechseln. Und es sind längst nicht nur die Frauen, gerade jüngere Männer wollen Job und Familie besser ausbalancieren.

Familienpolitische Leistungen und ihre Folgen

  • 195 Milliarden pro Jahr

    Die Förderung von Familie und Ehe lässt sich der Staat viel kosten. Die Förderung setzt sich aus 160 Einzelmaßnahmen zusammen und kostet nach den aktuellsten Zahlen 195 Milliarden Euro pro Jahr.

  • Kindergeld

    Für das Kindergeld zahlt der Staat jährlich gut 33 Milliarden Euro aus - hinzu kommen weitere drei Milliarden Euro steuerliche Familienförderung.

  • Ehegattensplitting

    Der Einnahmeverlust des Staates durch das Ehegattensplitting beläuft sich auf jährlich gut 20 Milliarden Euro. Vom Splitting profitieren sowohl Paare mit und ohne Kinder. Ökonomen kritisieren, das Ehegattensplitting biete Müttern einen Anreiz, eher weniger oder gar nicht zu arbeiten. Tatsächlich ist die Erwerbstätigenquote der Frauen in Deutschland relativ niedrig, und die durchschnittliche Teilzeit umfasst weit weniger Stunden als in den meisten anderen Industrieländern.
    Unter den 34 OECD-Staaten ist Deutschland das Land, das am stärksten auf Steuervergünstigungen setzt: Hier entfällt rund ein Drittel aller Familienleistungen darauf - im OECD-Schnitt sind es nur zehn Prozent.

  • Monetäre Leistungen

    Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung kosten den Staat 11,5 Milliarden, das Bafög für Studenten 1,6 Milliarden.

  • Krankenversicherung

    Die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern und Jugendlichen bis 20 Jahren in der gesetzlichen Krankenversicherung kostet jährlich rund 15 Milliarden Euro. Die Summe wurde bisher vom Bund erstattet, weil es sich um „versicherungsfremde Leistungen“ handelt.
    Die beitragsfreie Mitversicherung nichterwerbstätiger Ehegatten kostet weitere elf Milliarden Euro.

  • Elterngeld

    2011 gab der Staat dafür 4,7 Milliarden Euro aus.

  • Kitas

    Die Kinder- und Jugendhilfe kostete Bund, Länder und Gemeinden zuletzt rund 29 Milliarden Euro, fast 18 Milliarden davon entfielen auf die Kindertagesbetreuung.

„Wir sind einfach viel entspannter, weil wir wissen, dass es unseren drei Kindern tagsüber gut geht und wir im Falle eines Falles auch schnell bei ihnen sein können“, sagt Henning Joswig, Projektleiter beim Essener Energiekonzern RWE. Morgens nimmt er die fünfjährige Paula und die zweijährigen Zwillinge Luis und Janne im Auto mit und begleitet sie ins Lumiland, manchmal singen die Kinder auf der Fahrt englische Lieder, die sie von den zweisprachigen Erziehern gelernt haben.

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Bevor die Kinder aufgenommen wurden, hetzten die Eltern nach der Arbeit oft durch die Stadt, um Paula von ihrer Kinderbetreuung abzuholen. Manchmal wartete sie dort allein auf einer Bank, fertig angezogen, die anderen Kinder waren schon weg.

Beruf und Büro

Im Lumiland werde bis zur letzten Minute gespielt, die Kinder hätten nie das Gefühl, unerwünscht zu sein, erzählt Joswig. Das liegt auch an der hohen Zahl der Erzieher, um zehn Kinder unter drei Jahren kümmern sich drei bis vier Pädagogen. „Natürlich erhöht das die Bindung an einen Arbeitgeber“, sagt Joswig.

Wie bei vielen Kitas großer Konzerne, die mit intensiver Betreuung, kurzen Schließzeiten und meist auch schönen Gebäuden locken, ist die Warteliste für das Lumiland lang. Im Sommer werden sieben der 105 Plätze frei, schon jetzt gibt es 150 Bewerber. Die Unternehmen leisten viel - aber, gemessen am Bedarf der Eltern, bei Weitem nicht genug.

Video Immer weniger Kinder in Deutschland.

Wer einen Platz in einer Konzernkita ergattert, dessen Kind spielt dann meist unter Bedingungen, von denen andere Eltern nur träumen können. Beim Textilkonzern Gerry Weber in Gütersloh sind die Kinder in einem stilvoll renovierten Bauernhaus und einer eigens umgebauten Abenteuer- und Kunstscheune untergebracht, es gibt eine Bobby-Car-Rennbahn und einen Streichelzoo mit Ponys, Kaninchen und Meerschweinchen.

In den Siemens-Kitas machen Kinder naturwissenschaftliche Experimente, adidas bietet ein Sportprogramm, beim Helios-Klinikum in Schwerin werden die Kleinen rund um die Uhr betreut. Der Springer-Konzern ließ eigens ein Penthouse auf dem Dach der Berliner Zentrale bauen. Die „Wolkenkinder“ krabbeln in der Chefetage.

Wie andere Länder Karriere und Familie harmonisieren

  • Frankreich: Junge Eltern haben ein Recht auf Teilzeit

    Frankreich ist in vielen Bereichen in den vergangenen Jahren zurückgefallen, in einer Rangliste ist das Land aber noch immer weit vorne: der Geburtenrate. Die französischen Frauen können Kind und Karriere vergleichsweise gut miteinander vereinbaren, sie gelten darin als Vorbild in Europa. Grund dafür sind nicht nur gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten, sondern auch eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten – auch für Führungskräfte. Eltern, nicht nur Mütter, haben zumindest in größeren Betrieben in den ersten drei Lebensjahren ihres Nachwuchses ein Recht auf Teilzeitbeschäftigung. Nicht die halbe Stelle hat sich durchgesetzt, sondern eine 80-Prozent-Lösung, die 4/5-Stellung. Denn Ganztagsschulen und Krippen erlauben mehr Arbeitszeit als eine halbe Stelle und bei 80 Prozent kann man noch einen verantwortungsvollen Posten ausfüllen.

    Vor allem Mütter nehmen das in Anspruch und halten sich den Mittwoch frei, weil an dem Tag die Kinder bis zur fünften Klasse keine Schule haben. Aber auch Männer entscheiden sich immer häufiger dafür. Viele Eltern gehen auch nach dem dritten Geburtstag des Kindes nicht auf eine volle Stelle zurück, sondern bleiben bei der 4/5-Lösung. Der Arbeitgeber ist meist einverstanden, weil in 80 Prozent der Zeit oft 100 Prozent der Arbeit erledigt wird. Text: Tanja Kuchenbecker

  • Österreich: Auf der Skipiste ins Internet

    Ob am Strand oder auf der Skipiste: Österreichische Führungskräfte müssen im Urlaub permanent erreichbar sein – das ist zumindest die Erwartung. Die Skiregion Amadé im Salzburger Land und in der Steiermark hat deshalb entlang der 860 Pistenkilometer für die beginnende Skisaison 250 WLAN-Stationen für den drahtlosen Zugang ins Internet aufgebaut. Im nächsten Jahr sollen 150 weitere dazukommen. Wer in diesem Winter in Schladming oder Saalbach-Hinterglemm unterwegs ist, kann künftig ohne großen Aufwand das iPad aus dem Rucksack ziehen und die Skirunde für den Arbeitgeber unterbrechen. 300000 Euro haben die Liftbetreiber in diesem Jahr dafür investiert, die Einwahl ist kostenlos.

    Von den Stationen werden besonders ausländische Gäste profitieren, weil sie den hohen Roaming-Gebühren der Mobilfunkbetreiber ausweichen können. „70 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland“, sagt Amadé-Geschäftsführer Christoph Reisinger. In den Alpen hatte es die drahtlosen Datenverbindungen bislang nur vereinzelt in einigen Orten gegeben. Deutsche Unternehmer sollten ihre Manager künftig also ins Salzburger Land und in die Steiermark zum Ski-Urlaub schicken, wenn sie den Einsatz für die Firma rund um die Uhr erwarten. Zumal ohne die Roaming-Gebühren auch das Spesenkonto entlastet wird. Text: Stefan Menzel

  • Schweiz: Effizienter durch Heimarbeit

    Der schweizerische Staat macht es Paaren nicht unbedingt leicht, wenn beide einem Vollzeitjob nachgehen. Dafür sorgt allein schon das Kuriosum der sogenannten „Heiratsstrafe“: Anders als in Deutschland gibt es kein Ehegattensplitting, durch die Aufaddierung von zwei Einkommen steigt ein verheiratetes Paar in der Steuerprogression. Dennoch weist die Schweiz laut OECD mit 72 Prozent eine höhere Erwerbsquote von Frauen auf als Deutschland mit 66 Prozent. Das liegt daran, dass 60 Prozent aller berufstätigen Frauen nur Teilzeit arbeiten. Vollzeitjobs sind schwierig mangels Kinderbetreuungsmöglichkeiten und lohnen sich oft nicht.

    Schweizer Unternehmen sind aber auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen – und tun daher einiges, damit Angestellte Familie und Beruf vereinbaren können. Vorbildcharakter hat der Rückversicherer Swiss Re: Bis in die zweite Führungsebene ist Teilzeit möglich, auch Organisationsformen wie Home-Office kämen regelmäßig zur Anwendung, sagt eine Sprecherin. Zum Teil könnten Mitarbeiter flexibel bei Projekten auf die Heimarbeit zurückgreifen, etwa wenn sie in Ruhe etwas ausarbeiten möchten. Dem Konzern geht es darum, dass seine Leute effektiv ihre Aufgaben erledigen – Anwesenheitswahn im Büro gilt eher als Warnsignal. Text: Holger Alich

  • Südkorea: Virtueller Supermarkt in der U-Bahn

    Immer mehr Menschen pendeln täglich zur Arbeit, und das über immer größere Distanzen. Ob Auto, Zug, U-Bahn oder Bus – im Schnitt ist jeder Pendler pro Strecke fast 25 Minuten unterwegs. Hinzu kommen die langen Arbeitszeiten. Viele Berufstätige schaffen es deshalb abends nicht mehr in den nächsten Supermarkt. Der britische Einzelhandelskonzern Tesco hat daraus eine Geschäftsidee entwickelt. In Südkorea, wo das Unternehmen unter dem Namen Homeplus bekannt ist, hat es im August den ersten virtuellen Supermarkt eröffnet. Eine Innovation, die seither in mehreren anderen Ländern kopiert wurde. Verkauft werden Lebensmittel, Drogerieartikel, Bücher, kleinere Elektrogeräte oder Spielzeug.

    „Shop on the Go“ nennt Tesco das Prinzip. In der U-Bahn-Station Seonreung in Seoul hat das Unternehmen große, hell erleuchtete Displaywände aufgehängt. Sie sehen aus wie Regale im Laden und zeigen die 500 beliebtesten Produkte – von Milch über Äpfel bis hin zu Tierfutter. Jedes Produkt besitzt einen Code, den der Kunde mit Hilfe einer entsprechenden App auf dem Smartphone einscannen muss. Erfolgt die Bestellung vor ein Uhr mittags, wird die Ware noch am selben Abend nach Hause geliefert. Der Einkauf lässt sich so in den paar Minuten, bis die U-Bahn kommt, schnell erledigen. Text: Kirsten Ludowig

  • Schweden: Beschäftigte bestimmen ihr Pensum selbst

    Lieber eine flexible Arbeitszeit als ein höheres Gehalt, das ist für die meisten schwedischen Arbeitnehmer völlig klar. 70 Prozent wünschen sich mehr Freiheit bei der Organisation ihrer Arbeitszeit, ergab eine Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Sifo Mitte November. Dafür würden sie auch auf Gehaltserhöhungen verzichten.

    Dabei ist in kaum einem Land die Arbeitswelt bereits so flexibel wie in Schweden. Schon in den 60er-Jahren führte Schweden als eines der ersten Länder überhaupt flexible Zeiten ein. Die mächtigen Gewerkschaften hatten dafür zunächst gegen den Widerstand der Unternehmen gekämpft. Doch schnell erkannten die Arbeitgeber, dass sich die Produktivität dadurch spürbar erhöhte. Heute haben alle größeren Unternehmen und selbst die meisten Mittelständler flexible Arbeitszeiten. Überstunden landen auf einem Arbeitszeitkonto, auf das zurückgreifen kann, wer etwas erledigen muss. Fernarbeit aber ist noch eine Ausnahme. „Es gibt viele Verwaltungsaufgaben, die sich mobil nicht so einfach machen lassen“, heißt es beim Arbeitgeberverband.

    Gar kein Problem gibt es mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Da alle Eltern einen Anspruch auf einen Kita-Platz haben und das steuerfinanzierte System gut ausgebaut ist, müssen Arbeitnehmer kaum Abstriche beim Job machen. Text: Helmut Steuer

Vorreiter sind aber keineswegs immer Großunternehmen. Für Mittelständler wie den fränkischen Zulieferer Mekra Lang gehören Beruf und Familie schon lange zusammen.

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Susanne Lang, die Chefin der alleinerziehenden Zwillingsmutter Ilona Kiesenbauer, führt den Hersteller von Außenspiegeln für Lastwagen und Busse in dritter Generation. In Ergersheim, im Nichts zwischen Würzburg und Nürnberg, beschäftigt sie 900 Menschen.

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Lang erlebte berufstätige Mütter schon zu einer Zeit, als die noch eine Ausnahme waren. Ihre Großmutter brachte den Betrieb durch den Krieg, die Mutter führte ihre eigene Buchhandlung, bevor sie in die Firma ihres Mannes einstieg. Wie Familie und Beruf zu vereinbaren seien, darüber haben die Frauen im Hause Lang nicht gegrübelt. Sie haben es vorgemacht.

Die Idee mit der betrieblichen Kinderbetreuung kam Susanne Lang im Frühjahr 2005. An einem Brückentag blieben die Kindergärten in der Umgebung geschlossen. Die Kantinenleiterin kam auf Lang zu und sagte, dass sie an diesem Freitag kein Essen servieren könne, ihre ganze Mannschaft falle aus, weil die Frauen nicht wüssten, wohin mit den Kindern.

So gewinnen Unternehmen neue Mitarbeiter

  • Platz 7

    Wenn die Deutschen nach einem Job suchen, ist für sie der Ruf des Unternehmens als ausgezeichneter Arbeitgeber sehr wichtig. Besonders für Leistungsträger ist dieser Punkt von Bedeutung: Bei der Befragung nannten sie ihn als viertwichtigsten Aspekt. Nachwuchstalente hingegen halten den Ruf einer Firma für nicht so bedeutend: Bei ihnen schaffte es das Ansehen nur auf den zehnten Platz.

  • Platz 6

    Wer neue Mitarbeiter an Bord holen will, sollte ihnen auch Chancen einräumen, die Karriere voranzutreiben. Gerade für Nachwuchstalente zählt dies zu den wichtigsten Bedingungen: Sie wählten den Aspekt auf den zweiten Platz.

  • Platz 5

    Auch die Anbindung ihres Standorts sollten die Unternehmen berücksichtigen. Denn der Punkt „Bequem zu erreichender Arbeitsort“ holt den fünften Platz bei Beschäftigten und Leistungsträgern. Nachwuchstalenten macht eine lange Anreise dagegen offenbar wenig aus - der Punkt gehört bei ihnen nicht zu den zehn wichtigsten Punkten.

  • Platz 4

    Eine herausfordernde Arbeit wünschen sich viele Mitarbeiter. In der Rangliste kommt dieser Treiber auf den vierten Platz. Leistungsträger sehen ihn sogar als wichtigste Voraussetzung für ihren Job, bei den Nachwuchstalenten ist es die drittwichtigste.

  • Platz 3

    Mitarbeiter fordern zudem ein hohes Maß an Eigenständigkeit. Nur für Nachwuchstalente ist der Aspekt (noch) nicht ganz so wichtig: Während Beschäftigte und Leistungsträger den Punkt auf den dritten Platz wählten, schafft er es bei den Hoffnungsträgern lediglich auf den vierten.

  • Platz 2

    Geld gehört für die Deutschen zu einer ganz wichtigen Voraussetzung, wenn sie einen Job annehmen. Das Grundgehalt holt in der Rangliste daher Silber. Interessant dabei: Für Leistungsträger (Platz neun) und Nachwuchstalente (Platz fünf) spielt der Lohn nur eine untergeordnete Rolle.

  • Platz 1

    Und es siegt - die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Für die Beschäftigten in Deutschland ist ein sicherer Job das wichtigste - auch bei Nachwuchstalenten. Für Leistungsträger ist ein fester Arbeitsplatz zwar auch wichtig (Platz zwei), aber nicht am wichtigsten.

„Dann sollen sie die Kleinen eben mitbringen“, sagte Lang. Kurzerhand ließ sie einen Teil der Kantine abtrennen, durchforstete die Personalakten nach gelernten Kinderpflegerinnen, zog zwei Frauen vom Band ab und beorderte sie in die Notkrippe.

Das war nur der Anfang. Lang stellte Erzieherinnen ein und eine Kinderkrankenschwester, kaufte Kinderbetten, Hochstühle, Holzspielzeug. Ihr Chefeinkäufer musste sich erstmals mit Windelpreisen befassen.

Die Chefin hat selbst zwei Kinder, die Tochter ist sieben, der Sohn sechzehn Monate alt. Wenn die Mutter arbeitet, schläft der Kleine im Stockwerk oberhalb der Fertigungshalle. Wo früher die Kollegen aus dem Einkauf saßen, ist jetzt die Krippe untergebracht. Als der Platz nicht mehr ausreichte, war klar, dass der Einkauf würde umziehen müssen, nicht die Kinder.

Unicef „Bilder des Jahres 2012“ Das Leid der Kinder

  • Unicef „Bilder des Jahres 2012“: Das Leid der Kinder
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Zieht man die Vorhänge im Schlafraum zurück, sieht man Arbeiter im Blaumann unten durch die Kunststofffertigung wuseln. Bis hier oben dringt das Surren der Spritzmaschinen. „Das Gebrumme wiegt die Kinder in den Schlaf“, sagt Susanne Lang und rollt dabei das „r“ so sanft, wie es nur die Franken können.

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Wer das Gelände von Mekra Lang betritt, stößt überall auf Kinderspuren. Vor der Stempelmaschine für die Fabrikarbeiter reihen sich die Kinderwagen, am Eingang kleben Micky-Mäuse. Jedes Jahr an Fasching ziehen verkleidete Kinder durch das Betriebsgelände, mit Musik, Konfetti und Gummibärchen.

So binden Unternehmen ihre Mitarbeiter

  • Platz 6

    Stress auf der Arbeit nervt. Deshalb wünschen sich viele Mitarbeiter die Möglichkeit, arbeitsbezogenen Stress zu begrenzen. Gerade Leistungsträger eines Unternehmens finden dies wichtig (Platz vier). Nachwuchstalente hingegen sind offenbar noch stressresistenter - für sie gehört die Möglichkeit nicht zu den zehn Punkten, die sie an ein Unternehmen bindet.

  • Platz 5

    Die Deutschen wollen auch eine gute Atmosphäre im Büro. Das Arbeitsumfeld gehört im Ranking Mitarbeiterbindung zu den Top Fünf. Bei Nachwuchstalenten kommt es sogar auf den vierten Platz.

  • Platz 4

    Mitarbeiter wollen auf ihr Unternehmen Vertrauen können. Daher zählt für sie Vertrauen in das Top-Management (Platz vier). Für Nachwuchskräfte ist dieser Punkt tendenziell wichtiger (Platz drei). Bei Leistungsträgern kommt das Vertrauen gar an erster Stelle.

  • Platz 3

    Wie bei der Mitarbeitergewinnung ist auch bei der Bindung die Sicherheit des Arbeitsplatzes von Bedeutung. Dazu zählen laut Towers Watson zum Beispiel eine verkürzte Probezeit bei einigen Stellen oder Alternativen zum Stellenabbau. Leistungsträger und Nachwuchstalente interessieren diese Punkte dagegen nur wenig: Bei ihnen kommt Sicherheit nur auf den sechsten Platz bzw. nicht in die Top Ten.

  • Platz 2

    Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern zudem Chancen bieten, ihre Karriere voranzutreiben. Für Beschäftigte und Leistungsträger zählen Aufstiegsmöglichkeiten zu den zweitwichtigsten Aspekten in einem Job. Bei den Nachwuchskräften kommen die Karrierechancen sogar auf den ersten Platz.

  • Platz 1

    Wer seine Mitarbeiter binden will, sollte vor allem eins: sie anständig bezahlen. Denn das Grundgehalt schafft es bei den meisten Deutschen auf Platz eins bei der Mitarbeiterbindung. Nachwuchskräfte und Leistungsträger finden den Lohn zwar auch wichtig (Platz zwei und drei), halten es aber nicht für das Hauptargument, einem Unternehmen treu zu bleiben.

    Quelle: Towers Watson, Global Workforce Studie 2012

Mit zehn Kindern fing es an, heute werden 89 Kinder zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren im Frieda-Lang-Haus betreut. Neben der Krippe gibt es einen Kindergarten, eine Nachmittagsbetreuung für Schulkinder und seit Sommer 2010 auch eine private Grundschule mit Bioessen und Montessori-Pädagogik. Die Einrichtungen schließen nur über Weihnachten. Die Plätze sind so begehrt, dass auch Nicht-Firmenangehörige ihre Kinder zu Mekra Lang bringen, manche fahren 30 Kilometer weit.

Susanne Lang hätte gern noch mehr getan für die Familien - eine Million Euro wollte sie investieren, um das Frieda-Lang-Haus auf 120 Plätze aufzustocken. Doch an die Zuschüsse, mit denen der Staat den Bau von Kindertagesstätten unterstützt, kam Lang nicht heran.

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Die benachbarten Gemeinden, die das Staatsgeld hätten beantragen müssen, stellten sich quer. Lang glaubt, dass sie keine Einrichtung in einer anderen Gemeinde fördern wollten, weil sie ja selbst Kindertagesstätten betreiben. Dass deren starre Öffnungszeiten und lange Betriebsferien für berufstätige Eltern ungenügend sind, zählte dabei nicht. Und ohne die Unterstützung der Kommunen gab es auch kein Geld vom Land.

„Die Förderkriterien sind absurd“, sagt Lang und meint jene Vorschriften, die darüber entscheiden, was bezuschusst wird und was nicht. Zum Beispiel der Speisesaal. In der geplanten Einrichtung sollten neben Kindergartenkindern auch Schulkinder versorgt werden - in einer gemeinsamen Kantine.

Darum engagieren sich Mitarbeiter in ihrem Unternehmen

  • Platz 5

    Damit sich die Mitarbeiter in einer Firma nachhaltig engagieren, muss das Unternehmensimage stimmen. Nur, wer vertreten kann, was er verkauft, wird seinen Arbeitgeber unterstützen - Platz 5.

  • Platz 4

    Einen Einfluss hat auch der direkte Vorgesetzte. Wenn er mit gutem Beispiel voran geht oder die Mitarbeiter motivieren kann, steigert dies ihr Engagement.

  • Platz 3

    Wichtig ist den Arbeitnehmern auch, dass sie verstehen, wofür sie sich engagieren. Ziel- und Strategieverständnis sind daher für die Mitarbeiter von großer Bedeutung bei ihrem Engagement.

  • Platz 2

    Nachhaltiges Engagement funktioniert nur, wenn die Beschäftigten auch die Kraft dafür aufbringen können. Stress, Work-Life-Balance & Arbeitsbelastung müssen ein Unternehmen daher stets berücksichtigen.

  • Platz 1

    Die Unternehmensleitung hat einen entscheidenden Einfluss auf das Engagement ihrer Mitarbeiter: Für die Beschäftigten ist das Top-Management der wichtigste Einfluss. Derzeit engagieren sich fast 30 Prozent der Deutschen nachhaltig. Soll heißen: Sie setzen sich überdurchschnittlich viel für ihr Unternehmen ein.

Wenn aber beide Gruppen dort essen, gibt es kein staatliches Geld, weil das nur für Kindertagesstätten vorgesehen ist. Das Gleiche gilt für die Toiletten und die Heizung. Lang wird wütend, wenn sie das erzählt: „Wir sind dabei, unser höchstes Gut, unsere Kinder, aufs Spiel zu setzen!“

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Die Ausbaupläne hat die Unternehmerin erst mal auf Eis gelegt. Bei Mekra Lang kann man sehen, dass der Krippenausbau in Deutschland nicht nur am Geld, sondern auch an der Politik scheitern kann.

„Es wäre schon eine Menge gewonnen, wenn wir einheitliche Standards für die Kinderbetreuung hätten“, sagt Ilse Wehrmann. Die Unternehmensberaterin hat aus dem Interesse der Unternehmen an eigener Kinderbetreuung ein Geschäftsmodell gemacht. Wehrmann ist eine graue Eminenz der deutschen Familienpolitik.

Recht und Steuern Was die Verbraucher 2013 erwartet

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31 Jahre lang war sie Geschäftsführerin der evangelischen Kindergärten in Bremen, später Bundesvorsitzende der evangelischen Kindertagesstätten. Dort stieg sie aus, als das Geld für die Kinderbetreuung immer knapper wurde und auch bei Kindern, die Förderung besonders nötig gehabt hätten, gespart werden musste.

Nach einem Burn-out im Jahr 2007 verabschiedete sich Wehrmann aus ihrem alten Leben, ging mit einem Stipendium auf Reisen und staunte, was Kindern im Vorschulalter in anderen Ländern beigebracht wurde: Sprachen, Technik, Natur - schon die Kleinen lernten von hoch qualifizierten Pädagogen spielerisch, was in Deutschland erst in der Schule gelehrt wird. „Was wir in den ersten sechs Jahren verpassen, ist schwer aufzuholen“, sagt Wehrmann.

Wehrmann schrieb mit 57 eine Doktorarbeit über frühkindliche Förderung und wurde von Daimler-Chef Dieter Zetsche eingeladen, für seinen Konzern eine Betriebskita aufzubauen. Nach ihren Vorstellungen. Es folgten andere Großunternehmen wie RWE, die Telekom und Volkswagen. Bei allen war das Projekt Kita Chefsache.

Welche Mitarbeiter geliebt und welche gehasst werden

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    Besserwisser haben zwei Fehler: Erstens sind sie anderer Meinung als der Chef. Und zweitens sagen sie das auch noch öffentlich. Sie kratzen an der Autorität des Chefs und brauchen sich nicht wundern, wenn dieser sie zum Abschluss freigibt.

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    Wenn ein Mitarbeiter alles hat, was eine Führungsposition braucht und sich zur Opposition aufbauen, muss sich der Chef Gedanken machen. Erstrecht wenn sie natürliche Autorität, Ehrgeiz und Fachwissen mitbringen. Es kann oft nur einen geben - und der Chef sitzt am längeren Hebel.

  • Der Miesmacher

    Wenn Mitarbeiter Pessimismus verbreiten und schlechte Laune und nur Probleme sehen, wo andere Herausforderungen vermuten - dann sind sie Miesmacher und ebenfalls im Visier des Chefs. Wer die Seifenblasen der Motivation zerbläst, muss mit Mobbing-Attacken rechnen.

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    Wer tief im Brunnen der Frustration festsitzt und in Sitzungen apathisch aufs Ende wartet - der zieht auch gern die Wut des Chefs auf sich. Die Schlafmütze zeichnet sich dadurch aus, dass sie bei anfallender Arbeit selten zuständig ist und mit den dicken Däumchen der Routine auf die Frühverrentung wartet.

  • Das Alpha-Tier

    Gefördert werden vom Chef dagegen Mitarbeiter-Typen wie das Alpha-Tier: Er ist ein geborener Führer wie der Rivale, allerdings fordert er den Vorgesetzten nicht zum Kampf auf. So schafft er es, vom Chef als Stellvertreter akzeptiert zu werden - auch ohne offizielle Ernennung. Das Team akzeptiert ihn als Leitwolf.

  • Der Oberexperte

    Der Oberexperte ist quasi der Staatssekretär des Chefs, der, der die fachlichen Mängel ausgleicht. Er bereitet die Entscheidungen im Hintergrund vor und stärkt nach außen den Rücken.

  • Die graue Eminenz

    Manchmal gibt es Urgesteine in einer Anteilung, die allerdings immer noch hellwach dabei sind und voller Tatkraft stecken. Der "alte Hase" steht dabei nicht im Verdacht, ehrgeizig auf den Chefsessel zu schielen.

  • Der Vorzeigestar

    Das Talent, der Vorzeigestar, dessen Heldentaten die gesamte Firma aufschauen lassen. Der Chef ist stolz auf sein bestes Pferd im Stall, zumindest wenn es keinen Grund zum Zweifel an der Treue gibt.

  • Der treue Paladin

    Der verlängerte Arm des Chefs - vor allem für kleinere Aufgaben. Kein schlechtes Wort über den Chef kommt über seine Lippen, aber für höhere Aufgaben eignet er sich auch nicht.

Heute findet Wehrmann, dass die öffentlichen Träger bei der Kinderbetreuung von der Wirtschaft lernen könnten. Sie fordert mehr akademisch gebildete Erzieher in den Kitas und eine bessere Qualitätskontrolle. Oft bekommt sie zu hören, dass die Aktivität der Unternehmen ein Zweiklassensystem in der Kinderbetreuung schaffe, mit betrieblichen Luxusangeboten auf der einen und armen staatlichen Kitas auf der anderen Seite. Ganz falsch ist das nicht, aber Wehrmann hält dem entgegen, dass ihre Konzernkitas „Leuchttürme“ seien, die auch für die öffentliche Hand Maßstäbe setzten.

Zudem hat sich Wehrmann bei Unternehmen dafür eingesetzt, dass deren Kitas auch Kinder aus der Umgebung aufnehmen, die nicht aus Mitarbeiterfamilien kommen. Die meisten Konzerne tun dies auch. RWE zum Beispiel hat sein Lumiland in Essen bewusst in einem armen Stadtteil angesiedelt. Jeder fünfte Platz ist für ein Kind aus der Nachbarschaft reserviert, viele sind Migrantenkinder.

Wie bunt die Mischung ist, sieht man auch an den Puppen in einem der Spielzimmer. Einige haben dunkle Haut. Sie sollen aussehen wie die Kinder, die mit ihnen spielen.

 

Charme und Scham Welche Büroregeln in anderen Ländern gelten

USA

Ein „Playboy“-Kalender an der Wand eines US-Büros? Völlig unmöglich. Anzügliche sexuelle Bemerkungen, sexistische Witze, offensives Flirten oder auch explizite Fotos sind am Arbeitsplatz verboten. Festgeschrieben sind die Regeln in der "Sexual Harassment Policy", die jedes Unternehmen den Mitarbeitern vorschreibt. Basis ist das gesetzliche Diskriminierungsverbot. Es umfasst nicht nur das Verbot sexueller Belästigung, sondern auch Diskriminierung wegen Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung.

Wer dagegen verstößt, kann gekündigt oder verklagt werden. Jeder ist aufgefordert, sich sofort bei der Unternehmensführung zu melden, sobald er oder sie sich sexuell diskriminiert fühlt oder von einem Vorfall erfährt. „Sexuelle Belästigung ist ein Delikt, das in den USA sehr ernst genommen wird“, sagt David Detjen, Partner bei der Kanzlei Alston & Bird in New York. Verhalte sich ein Kollege gegenüber einer Kollegin sexistisch, wiesen ihn andere zurecht. „Die Leute haben kapiert: Ein Nein ist ein Nein.“

Bild: ap

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Quelle: Zeit Online
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  • 13.02.2013, 10:21 Uhrhermann.12

    Der mangelnde Effekt liegt darin begründet, das Sozialmassnahmen von Anfang an nur Alibi sind, um Sozialstrukturen als Machtbasen zu finanzieren. Es geht primär um Arbeitsplätze und Posten, erst zu allerletzt um den propagierten Zweck. Besonders Grüne und SPD sind von solchen Strukturen abhängig, aber auch ein Teil der Konservativen.
    Nach Zweckerfüllung oder Wirtschaftlichkeit fragt da niemand und wenn doch, wie bei der Sozialhilfe geschehen, dann nur um innerhalb der Sozialbürokratie die Gelder umzuverteilen.

    H.

  • 10.02.2013, 16:46 Uhrarbeitende_Mutter

    Es zwingt Sie noch niemand, solch einen Platz in Anspruch zu nehmen. In meiner Firma gibt es auch eine betriebseigene Kita, und ich bin froh und dankbar dafür. So kann ich halbtags arbeiten und bin nur zwei Etagen von meinem Kind entfernt.
    Wenn Sie eine Frau haben, die damit zufrieden ist, ein Leben lang zu Hause zu sein und für Sie da zu sein, ist es doch schön für Sie. Ich finde es großartig, dass sich Arbeitgeber auch sozial engagieren. Und - nein, mein Kind wird dort keiner Gehirnwäsche unterzogen. Es wird ganz einfach nur gut betreut.

  • 10.02.2013, 16:05 UhrSteuerzahler

    Zunächst - nein, ich bin KEIN Ex-Parteifunktionär der DDR. Davon war ich Lichtjahre entfernt. Ich bin ganz einfach als Arbeiterkind geboren, habe mich qualifiziert, studiert und übe seit nunmehr 30 Jahren einen hochqualifizierten Beruf aus. Und ob Sie es glauben oder nicht - ja, ich habe immer gut verdient. Zwar kenne ich keine normalen Arbeitszeiten und habe selten weniger als 45 Stundenwochen gearbeitet, aber ich mag meinen Beruf. Und noch etwas - ja, ich bin durch Arbeit reich geworden. Es geht mir gut in diesem Land. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie sich jemand eine kommunistische Diktatur zurückwünschen kann. Aus meiner Erfahrung sind das immer nur diejenigen, die sehr wenig von Eigenverantwortung halten. Sie dürfen mich nun weiter schmähen, weil ich aus eigener Kraft etwas geschafft habe.

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