
DÜSSELDORF. Die meisten Familienunternehmen zahlen ihren Fremdgeschäftsführern inzwischen genauso hohe Gehälter wie Publikumskonzerne. 60 Prozent der Familienunternehmen bieten ihnen ebenso viel Geld und weitere 23 Prozent sogar mehr. Nur 17 Prozent zahlen weniger. „Vor zehn Jahren zahlten die meisten Familienunternehmen noch schlechter“, sagt Klaus Schweinsberg, Partner der Bonner Unternehmensberatung Intes, die auf Familienunternehmen spezialisiert ist. Aus seinem Hause stammt eine aktuelle Untersuchung zur Rolle von Fremdmanagern in Familienunternehmen, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Befragt wurden 207 Familienunternehmen mit 390 Mio. Euro Umsatz im Durchschnitt quer durch alle Branchen.
Fremdmanagement eher Ausnahme
Mit 51 Prozent der Familienunternehmen werden etwa die Hälfte gemeinsam von Clan-Mitgliedern und Fremdmanagern geführt; in 38 Prozent der Firmen regiert die Familie und in elf Prozent ein Fremdgeschäftsführer. Die Faustregel: Je größer das Unternehmen ist, umso eher wird es von Fremdmanagern gesteuert. Extrembeispiel ist Haniel: Dort darf kein Familienmitglied in die Geschäftsführung.
Die Intes-Studie zeigt, woran Fremdmanager scheitern: In 37 Prozent der Fälle sind es fachliche Defizite, die ihnen die Eigentümerfamilie vorwirft. Häufiger noch sind es die Konflikte zwischen Familie und Fremdmanager (43 Prozent) oder zwischen den Familienmitgliedern und dem Fremdmanager (elf Prozent), die Probleme machen. Viele Eigner beanstanden, dass die Fremdgeschäftsführer zu wenig Verständnis für die Familie, die Gesellschafter und die Besonderheiten des Familienunternehmens haben.
In neun Prozent der Fälle gibt es Probleme, weil der Fremdmanager sich anders verhält, als es die Familie von ihm erwartet. Schweinsberg: „Dann gehen die Eigentümer davon aus, dass der Fremdmanager ihre Mentalität kennt. Der hingegen läuft ins offene Messer, weil manches nie thematisiert wurde, was der Familie wichtig ist.“
Als Beispiel für ein solches Verhalten gilt etwa, wenn es den Fremdmanager allzu oft in die Presse drängt, die Familie aber besonderen Wert auf Verschwiegenheit legt. Oder wenn er nur in Luxushotels absteigt und den Chauffeur stundenlang warten lässt – obwohl die Familie selbst auf einen bescheidenen Auftritt achtet.