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Forschung und Entwicklung: Konzerne forschen gegen die Krise an

exklusiv Innovationen haben für die meisten deutschen Konzerne auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hohe Priorität. 2008, im Jahr eins der Krise, steigerten sie ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) um neun Prozent – deutlich stärker als im weltweiten Durchschnitt.

Mitarbeiter von Bayer Crop Science. Quelle: dpa
Mitarbeiter von Bayer Crop Science. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Innovationen haben für die meisten deutschen Konzerne auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hohe Priorität. 2008, im Jahr eins der Krise, steigerten sie ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) um neun Prozent – deutlich stärker als im weltweiten Durchschnitt, der bei einem Plus von 5,7 Prozent lag. Damit festigte Deutschland seine Position als Innovationsführer in Europa und international als Nummer drei hinter den USA und Japan.

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Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Strategieberatung Booz & Company, die an diesem Dienstag veröffentlicht wird. Seit fünf Jahren analysiert Booz die 1000 Unternehmen, die weltweit am meisten für F&E ausgeben. Berücksichtigt werden nur Firmen, die diese Budgets veröffentlichen. Zugleich befragte Booz 300 Top-Manager über ihre F&E-Strategien.

Laut der Studie betrugen die Ausgaben für F&E weltweit 1055 Mrd. Dollar. Davon stammt etwa die Hälfte mit 532 Mrd. Dollar von den Top- 1000-Unternehmen, weitere 38 Prozent aus dem öffentlichen Sektor.

49 deutsche Unternehmen spielen in der internationalen Liga der größten Innovatoren, im Vorjahr waren es noch 45. Davon finden sich vier deutsche Konzerne unter den Top 30: Siemens auf Rang 15, Volkswagen (17), Daimler (26) und BMW (28) (siehe Tabelle).

Weltweiter Spitzenreiter ist Toyota, dahinter folgen Nokia und Roche. Zwei Drittel der globalen F&E-Ausgaben konzentrieren sich auf drei Branchen: Computer/Elektronik, Gesundheit/Pharma sowie Automobil. Dabei ist die Innovationsintensität im Bereich Gesundheit und Pharma am höchsten. Der Anteil des Innovationsetats am Umsatz liegt dort im Schnitt bei zwölf Prozent, in der Chemie- und Energiebranche liegt er mit nur 0,9 Prozent am niedrigsten. Pharmaunternehmen sind weit mehr als andere auf permanente Innovationen angewiesen, allein schon weil der Innovationszyklus dort laut Booz etwa 100 Monate umfasst. Die Rezession wirkt sich denn auch je nach Branche sehr unterschiedlich auf die Forschungsstrategien aus.

Besonders stark getroffen wird die Automobilbranche. 60 Prozent der Autobauer sahen sich gezwungen, bereits 2008 ihre F&E-Budgets zu kürzen. Stefan Eikelmann, Deutschlandchef von Booz: „An der Automobilbranche sieht man, welch existenzbedrohende Konsequenzen Fehlentscheidungen im Innovationsmanagement haben können.“

Hohe Forschungsausgaben allein sind aber kein Garant für erfolgreiche Innovationen. Beispiel General Motors: Der US-Autobauer lag 2008 mit acht Mrd. Dollar auf Platz fünf. Die einbrechenden Umsätze, die den Konzern zwischenzeitlich unter Chapter 11 der US-Insolvenzordnung flüchten ließ, zeigen jedoch, dass GM am Kundenbedarf vorbei entwickelt hatte.

Selbst Toyota, weltweit die Nummer eins bei den F&E-Ausgaben, muss nach dem größten Verlust in der Firmengeschichte auf die Notbremse treten. Der Forschungsetat des laufenden Geschäftsjahres wurde um 9,3 Prozent auf 820 Mrd. Yen zusammen gestrichen.

Konkurrent Daimler dagegen, der ebenfalls unter schwacher Nachfrage litt, nimmt für neue Motoren und alternative Antriebstechniken richtig Geld in die Hand. Der Autobauer erhöht den F&E-Etat für den Zeitraum 2009 bis 2010 deutlich auf 10,1 Mrd. Euro. Auch Siemens-Forschungsvorstand Hermann Requardt betont: „Wir werden die F&E-Anstrengungen unvermindert fortsetzen. Denn die Innovationen von heute sind das Geschäft von morgen.“

Fakt ist: Trotz Krise fuhr lediglich ein Viertel aller 1 000 Top-Innovatoren die F&E-Ausgaben zurück. Zwei Drittel dagegen steigerten sie oder hielten sie zumindest stabil. Das soll nach der Booz-Umfrage auch im laufenden Jahr so bleiben. Eine Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) unter 1 500 Mittelständlern im Sommer bestätigt diesen Trend: 70 Prozent wollen nicht an der Forschung sparen.

„Die meisten Unternehmen halten so weit wie möglich die schützende Hand über F&E, weil sie wissen, wie spielentscheidend Innovationen sein werden“, sagt Günter Müller-Stewens, Professor für Strategisches Management an der Universität St. Gallen. „Übertriebene Einsparungen können schnell ganze Geschäftsbereiche in Existenznot bringen“, warnt Eikelmann. „Finanzschwache Konzerne, die am kapitalintensiven Wettlauf um Innovationen nicht mithalten können, befinden sich in einer prekären Lage.“

Manager haben in der Krise ein wachsames Auge auf ihre Forschungsstrategie. 70 Prozent der von Booz befragten Entscheider wollen ihre Ausgaben stärker an veränderten Kundenbedürfnissen ausrichten. Jeder zweite definiert seine Auswahlkriterien nun bedeutend strikter. Hinzu kommt ein größeres Risikobewusstsein. Berater Eikelmann: „Sind Projekte weniger erfolgversprechend, werden sie heute ein halbes Jahr früher gestoppt als zu normalen Zeiten.“

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