
DüsseldorfSeine Karriere hatte 1967 ganz bodenständig begonnen: als Briefzusteller bei der Bundespost in Schwäbisch Gmünd. Über verschiedene Ämter in der Gewerkschaft arbeitete sich Walter Scheurle nach oben. Im Jahr 2000 stieg er zum Personalvorstand der Deutschen Post auf – ein gewerkschaftlich geprägter Arbeitsdirektor vom alten Schlag.
Seinen Posten im Bonner Post-Tower übernimmt im Mai Angela Titzrath. Der Unterschied zwischen beiden könnte augenfälliger kaum sein: Titzrath ist studiert, international und im operativen Geschäft erfahren – und sie ist eine Frau. Damit repräsentiert sie den neuen Typus Personalvorstand.
Die Wirtschaftswissenschaftlerin machte 20 Jahre beim Autobauer Daimler Karriere. Dort bekleidete sie Managementposten in Kanada, Spanien, Italien und den USA. Mehrere Jahre leitete sie die weltweite Führungskräfteentwicklung bei Daimler. Zuletzt war sie in der Geschäftsführung der Daimler-Tochter Evo Bus tätig.

Titzrath ist kein Einzelfall. Anders als früher haben die meisten neuen Personalvorstände breite Managementerfahrung außerhalb des Personalbereichs. So auch Harald Krüger, seit 2008 Vorstand für Personal- und Sozialwesen beim Autobauer BMW: Er war unter anderem Projektingenieur in den USA, Abteilungsleiter strategische Produktplanung, Werksleiter der Motorenproduktion in Großbritannien und leitete die technische Integration.
Demgegenüber haben immer weniger Arbeitsdirektoren gewerkschaftlichen Hintergrund wie Horst Neumann von Volkswagen oder Ralph Labonte bei Thyssen-Krupp. Das ist ein Ergebnis einer Analyse der Dax-30-Konzerne durch die Personalberatung Heidrick & Struggles.
Fachkräftemangel - kann ich nicht mehr hören!
Wenn, dann nur für Vollprofis mit mindestens 5 Jahren Erfahrung, für Berufseinsteiger eine einzige Katastrophe. Trainee-Stellen für die sich jeweils 500 Leute bewerben - tolle Aussichten!
Zwar ein Schritt in die richtige Richtung, dennoch würde ich Frauen gerne in Linienfunktionen sehen. Personal erfüllt oft nur die Frauenquote und ist ein Ressort, dass in den meisten Konzernen nichts bewegen darf. Personal wird traditionell als ausführendes Organ (Gehalt, Sozialleistungen, Rekrutierung, Training und Betriebsrat) gesehen; eine als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie respektierte Personalstrategie gibt es häufig nicht. Insofern können auch weibliche Personalvorstände nichts falsch machen.
Durch die Frauenquote kommen immer mehr Frauen in den Vorstand einer AG. Welchen Posten bekommen sie? Na klar, den bei dem sie am wenigsten kaputt machen können: Personalleiter. Dort können sie schön über Personalstrategie, Psychologie und nutzlose Weiterbildungsseminare schwafeln; besondere Qualifikation braucht man dazu nicht. Das Kalkül: Zumindest bleiben sie von der Technik fern! Die Konsequenz: Für männliche Talente im Personalbereich gibt es keine Aufstiegsmöglichkeiten mehr. Quotenfrauen werden immer mehr zum Hassobjekt in den Betrieben. Die Verlierer: Die Frauen, die wirklich etwas können. Wie sagte Bert Brecht so schön: "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint." Tolle Aussichten.
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