
DÜSSELDORF. Es gibt viele Geschichten über verlorene Pakete und bummelige Briefträger, Behördenmuff und verschnarchte Schalterbeamte. Und es gibt nicht viele Unternehmen, die seit gut 500 Jahren nahezu unverändert dasselbe Produkt anbieten. Die Post ist in mancherlei Hinsicht das deutsche Traditionsunternehmen par excellence.
Doch das ist ein Vorurteil aus alten Zeiten, als die Post noch eine Behörde war. Heute zählt der Logistikkonzern wohl zu den fortschrittlichsten Großkonzernen der Welt. Fortschritt gab es nicht nur bei der Technik, sondern auch beim Personal. Das Unternehmen ist einer der größten Arbeitgeber von Frauen. Der Anteil weiblicher Beschäftigter liegt weltweit bei 37 Prozent. In den vergangenen drei Jahren ist der Frauenanteil in der ersten und zweiten Führungsebene gestiegen. Aktuell liegt er bei 16 Prozent. An dieser Entwicklung will die Post festhalten. Die Anzahl der Frauen in Führungspositionen will Post-Chef Frank Appel erhöhen. Dabei setzt er selbst Zeichen: In seinem Vorstandsbereich sind knapp ein Drittel der direkt berichtenden Führungskräfte weiblich.
„Obwohl meine Führungsmannschaft im Vorstand jetzt erst einmal komplett ist, wird Im Laufe der Zeit sicher auch eine Frau dazugehören“, sagte er dem Handelsblatt. Zu den Kandidatinnen im eigenen Unternehmen zählen wohl: Melanie Kreis, 39, Leiterin des konzernweiten Controllings der Deutschen Post DHL. Und Petra Kiwitt, 40, Leiterin des DHL Innovationsmanagements.Sie gehören zur zweiten Führungsebene des Konzerns.
Das wird Familienministerin Kristina Schröder (CDU) freuen. Sie hatte Unternehmen im Handelsblatt mit einer gesetzlichen Frauenquote gedroht, sollten sie nicht freiwillig den Anteil von Frauen auf Chefsesseln erhöhen.
Auch wenn Appel den Einzug der Frauen in Führungspositionen begrüßt, hält er eine verbindliche Quote nicht für erforderlich. „Die Frauen werden ihren Siegeszug in den Unternehmen von ganz alleine antreten“, meint er.
Appels Strategie machte gestern Schule. Bis auf wenige Ausnahmen, etwa die Telekom, ist die Reaktion der Unternehmen auf die Initiative der Ministerin eindeutig: Frauen künftig im Vorstand: ja. Quote: nein. Eins scheint damit klar: Schröder hat mit ihrem Vorstoß mehr Bewegung in die Frauen-Frage gebracht als alle Studien, Expertenkommissionen und Politiker-Sonntagsreden der vergangenen Jahre.
Das gilt vor allem für die Konzerne – denn bei vielen mittelständischen Firmen steht das Thema Gleichberechtigung schon länger oben auf der Agenda.
Das Hamburger Unternehmen Bellybutton etwa gilt als Vorzeigebetrieb in Sachen Familienfreundlichkeit. Es gibt fünf Partnerinnen, eine Geschäftsführerin, 30 Mitarbeiterinnen und nur einen Mann, der im Außendienst arbeitet. Das kleine Unternehmen für Umstandsmode ist aber auch ein gutes Beispiel dafür, dass alle Quoten, Reden und sonstige Bemühungen nur fruchten, wenn eines stimmt: die Infrastruktur.
Guter Artikel. Was mir jedoch sauer aufstösst: Offenbar wird hier "Frau" mit "Familie" praktisch gleichgestellt. Es scheint so, als herrsche hier die Ansicht, dass 1. Alle Frauen bloss Familie/Kinder im Kopf hätten und/oder 2. dass nur Frauen sich um Familie/Kinder kümmern sollten...genau solche Ansichten lassen ungerechte Löhne/Arbeitslage/Rollen/Klischees/Aufgaben nicht verschwinden lassen...schade!
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