Strategie

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Fredmund Malik: „Der Gewinn hat als Steuerungsgröße ausgedient“

Fredmund Malik ist einer der erfolgreichsten Management-Berater. Seine Bücher sind Bestseller und seine Seminare ausgebucht. Malik über die Veränderungen, die der Wirtschaft bevorstehen und was das für Manager bedeutet.

Der Wirtschaftsprofessor und Unternehmensberater Fredmund Malik. Quelle: picture-alliance/ ZB
Der Wirtschaftsprofessor und Unternehmensberater Fredmund Malik. Quelle: picture-alliance/ ZB

Herr Malik, uns steht eine große Revolution ins Haus. Sie nennen sie die "Transformation 21". Was haben wir zu erwarten?

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Wir stehen mitten in einer der geschichtlich größten Umwandlungen von Wirtschaft und Gesellschaft, an deren Ende eine neue Demokratie stehen wird. Es ist der Übergang von einer Alten Welt zu einer Neuen Welt. Das geht nicht reibungslos. Die Krise sind die Geburtswehen der Neuen Welt. Im Zuge dieser Transformation wird sich weltweit fast alles ändern, was Menschen tun, wie sie es tun und warum sie es tun, und auch ihr Verständnis wer sie sind. Es entstehen neue Gesellschaftsstrukturen, neue Machtverhältnisse, ein neues Wirtschaften und neue Arbeits- und Lebensformen.

Mit welchen Folgen?

Das Finanzsystem in seiner heutigen Form wird verschwinden. So gut wie alle öffentlichen Systeme werden grundlegend um- und neugebaut werden müssen, seien es Bildungs- und Gesundheitswesen, die Sozialsysteme oder Verwaltung und Regierung. Besonders tiefgreifend müssen sich unsere Verfahren des Problemlösens, Entscheidens und Umsetzens auf allen Gesellschaftsebenen verändern, weil diese so wichtigen Systeme durch die heutige Komplexität am meisten gefordert und überfordert sind. Die herkömmlichen Methoden haben ihre Problemlösungskraft weitgehend verloren. Wir müssen die Demokratie neu erfinden. Die Lösungen für all das gibt es bereits, aber sie sind den meisten Entscheidern noch nicht bekannt.

Aber solche Phasen gab es doch schon. Wiederholt sich Wirtschaftsgeschichte?

Solche Transformationen sind bisher etwa alle 200 Jahre vorkommen. In der jüngeren Geschichte eine erste im 13. Jahrhundert als etwa die Gotik und die moderne Stadt entstanden. Dann zwischen 1455 und 1517 mit der Erfindung des Buchdruckes, der Entdeckung Amerikas und der Renaissance; und schließlich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der beginnenden Industrialisierung, der amerikanischen Verfassung, den Kriegen Napoleons und schließlich dem Zusammenbrechen des Feudalismus. Jeweils ist eine neue Zivilisation entstanden. Immer wieder ist es dabei auch zu tiefgreifenden Wirtschaftskrisen und-zusammenbrüchen gekommen.

Gibt es Parallelen zur heutigen Situation?

Die Bedingungen dafür sind erfüllt, dass sich eine Depression wie in den 1930er-Jahren wiederholt, aber es muss diesmal keineswegs so sein. Denn erstmals gibt es neue Lösungen für das Umgehen mit solchen Problemen. Wie es wirklich kommt, hängt daher diesmal weit weniger von der Wirtschaftspolitik ab, sondern von einem neuen Funktionieren der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organisationsformen, also für ein neues Funktionieren unter den heutigen Bedingungen größter Komplexität und der Dynamik global vernetzter Systeme. Was früher eine Revolution durch Maschinen war, ist diesmal eine Revolution durch Organisation.

  • 09.10.2012, 11:46 Uhrdrschaeffera

    Wenn schon das Wort Komplexität in einem Buchtitel vorkommt, dann weiß man eh schon, aus welcher Ecke es kommt. Die entsprechenden Denkmodelle sind auch bestechend, vor allem, weil sie einfach sind. Besser noch als Malik konnte eigentlich Luhmann in dieser Denkwelt formulieren.
    Dennoch fängt man in der Praxis damit herzlich wenig an. Und wer Malik ein bisschen verfolgt hat über seine Newsletter mom (Malik on Management), der weiß auch, dass er bis vor ein paar Jahren den bald bevorstehenden totalen Crash vorhergesagt hat. Eingetreten ist dieser aber nicht. Jetzt formuliert er also vorsichtiger, wenn er sagt, die Voraussetzungen für eine Depression seien gegeben, es müsse aber nicht dazu kommen... Aha...

  • 09.10.2012, 11:18 UhrTheseus

    Man kann auch einfache Dinge kompliziert verkaufen! Das klingt jedenfalls besser und fördernd scheinbar die Buchumsätze. Bad News are good News. Kein Mensch kann die Wirtschaft für die nächsten Monate genau vorhersagen, geschweige können Ökonomen sie genau berechnen. 2015-2016 soll die große Krise kommen!? Wenn Herr Malik so schlau ist und die bereits bestehende Finanzkrise vorhergesehen hat, warum hat er es dann noch nötig Bücher zu verkaufen? Er hätte doch nur auf fallende Bankaktien setzen müssen. Fazit: Schwarzmaler wie er, sollten kein Gehör finden. Die Realität sieht ganz anders aus. Aber leider verkaufen sich schlechte Nachrichten besser als Gute. So läuft das Geschäft in den Medien.

  • 20.01.2011, 12:13 UhrA. Hirner

    Nun ja, allen Wadl-beißeren zu trotz... Zwei Punkte stehen für mich außer Frage, welche auch bei genaueren Hinhören mit Teilaspekten von Hrn. Malik behandelt wurden.
    Erstens kann mir kein vernünftiger Mensch erklären, dass die Demokratie in der derzeitigen Form maximal effektiv ist. Das heißt nicht, das sie es nie war, sondern dass reformiert gehört. Dazu bieten sich meiner Meinung nach ganz neue Methoden der interaktion an. Recherchieren Sie doch einmal nach "liquid democracy" und "nextpractice" und öffnen Sie ihren Horizont. Ein Fortschritt in Kooperation und kollektiver intelligenz funktioniert nur mit der Objektivierung und Optimierung zwischenmenschlicher und zwischensachlicher Kommunikation. Hier ist der größte Flaschenhals der neuen Zeit.
    Zweitens, wo bleibt in dieser Diskussion erwähnt, dass dringend neue Werkzeuge zur institutionalisierung der nachhaltigen Unternehmensführung implementiert werden müssen. Eigentümergeführte Unternehmen machen das intuitiv, AGs (noch) nicht. ich bin froh wenn hier jemand etwas zum Großen Ganzen beitragen kann und das auch tut. Gute Konzerne wappnen sich bereits (siehe z.b. Fr. barbara Kux' Arbeit bei Siemens, die ganzen Sustainabilty indizes).
    Guten Tag

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