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Interview: „Manager formt man nicht im Klassenzimmer“

Abgesehen von einer kurzen Tätigkeit bei der kanadischen Eisenbahn zu Beginn seiner beruflichen Karriere, hat Henry Mintzberg nach seinem Studium die Universität nie wieder verlassen. Im Interview spricht der Strategieprofessor und MBA-Kritiker über Schrott-Manager, die Oberflächlichkeit von Fallstudien und nutzlose Schwimmübungen auf dem Trockenen.

Henry Mintzberg (Foto von 2003) ist einer der profiliertesten MBA-Kritiker weltweit. Quelle: Speck Medien AG
Henry Mintzberg (Foto von 2003) ist einer der profiliertesten MBA-Kritiker weltweit. Quelle: Speck Medien AG

Herr Mintzberg, Sie haben vor ein paar Jahren einen Zettel in einen Banktresor in Montreal gelegt, auf dem sie verschiedene Ziele notiert hatten. Welche waren das?

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Das Hauptziel war, die Art und Weise, wie Management gelehrt wird, zu verändern. Aber ich glaube nicht, dass ich dieses Ziel schon erreicht habe.

Warum waren Sie noch nicht erfolgreich?

Einige Ansätze zur Veränderung gibt es zwar. Aber die amerikanischen Business Schools sind zu fett und zu erfolgreich. So lange es genug Menschen gibt, die zu ihnen kommen wollen, werden sie sich nicht ändern. In England ist die Situation anders: Hier sehe ich eine Menge Innovationen in der Managementausbildung.

Ihre Kritik richtet sich also nur an die amerikanischen Schulen?

Ja, aber auch an den Großteil der Schulen weltweit, die nur das amerikanische Modell kopieren.

Sie sagen, dass die aktuelle Krise von den Business Schools mitverursacht wurde. Warum?

Viele Manager geben heute einfach Finanzergebnisse vor. Sie führen ihre Unternehmen ohne zu wissen, was dort eigentlich passiert. Nicht alle Manager sind so, aber leider viel zu viele. Ich spreche jetzt über die USA. Amerikaner verstehen heute nichts mehr von Leadership oder Management. Sie sind alle kleine Finance-Experten, die die Firmen per Fernbedienung managen. Diese Tendenz wird durch die vielen MBA-Absolventen in den Führungsetagen noch verstärkt. In einem klassischen MBA-Programm werden junge Leute zu Führungskräften ausgebildet, ohne dass es eine Verbindung zur realen Unternehmenspraxis gibt. Einen Manager formt man nicht im Klassenraum. Leute die glauben, dass so etwas geht, sind als Manager Schrott.

Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptprobleme in den traditionellen MBA-Programmen?

Die klassischen MBA-Programme, die sich an junge Menschen richten, vermitteln den völlig falschen Eindruck, dass man Management im Klassenraum erlernen kann. Manager müssen sich in der Praxis bewähren. Management ist kein Ausbildungsberuf. Wer glaubt, er sei eine Führungskraft, nur weil er es geschafft hat, zwei Jahre still in einem Klassenraum zu sitzen, liegt falsch. Business Schools kreieren keine Führungspersönlickeiten. Ihre Absolventen glauben, jedes Problem lasse sich mit einer Fallstudie lösen. Wohin das führt, können Sie an George W. Bush, ...

... der einen Harvard-MBA hat, ...

... und dem Irakkrieg sehen. Er hat den Krieg wie eine Fallstudie behandelt. MBA-Absolventen glauben, Management heiße Anweisungen zu geben und auf die Zahlen zu schauen. Aber das Wesentliche, die Seele des Führens, haben sie nie gelernt.

Was ist die Seele des Führens?

Sie müssen sich auf die Praxis einlassen. Oder anders gesagt: Es gibt nicht den Universalmanager, der jede Führungsaufgabe überall übernehmen kann. In meinem neuen Buch schreibe ich über Menschen, die ein Flüchtlingslager leiten, ein Krankenhaus oder ein Orchester. Jeder dieser Job verlangt nach einem unterschiedlichen Werdegang. Eine Führungskraft muss die Branche verstehen, in der sie arbeitet.

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