
DÜSSELDORF. Europas Führungskräfte ringen um echte Innovationen, Amerikaner entdecken ihr Effizienzdefizit, und die Asiaten haben erkannt, dass ihre Strukturen den ambitionierten Wachstumsansprüchen in keiner Weise standhalten.
Das ist das Ergebnis des ersten Handelsblatt Management-Forums, einer Befragung von Professoren an zwölf führenden Business-Schulen in Amerika, Asien und Europa – darunter renommierte Hochschulen wie Yale und Columbia (USA), die IESE in Barcelona und die Universität St. Gallen, die China Europe International Business School in Shanghai und die Indian Business School in Hyderabad. Zu den Befragten zählen Experten wie Jagmohan Raju, David Sobermann und Dominique Hanssens. Die komplette Matrix mit allen Umfrageergebnissen ist im Internet bei Handelsblatt.com nachzulesen.
Mit der Unternehmensberatung Santiago Advisors und dem Mainzer Wissenschaftler Ronny Fürst (European Management School) hat das Handelsblatt die Wissenschaftler gefragt, was die aktuellen Themen für Führungskräfte in ihren Regionen sind und welche Topics die Agenda in Zukunft beherrschen werden. Diese Umfrage wird regelmäßig und mit teilweise wechselnden Fragen wiederholt.
Westliche Führungskräfte, lautet das Ergebnis der Umfrage zur Jahreswende, suchen Orientierung. Strategisches Management ist daher an den Business-Schulen in Europa und den Vereinigten Staaten Topthema. Das Interesse an Instrumenten zur Steigerung der betriebswirtschaftlichen Effizienz ist jedoch nur in den USA genauso weit ausgeprägt, in Europa und Asien spielt es eine untergeordnete Rolle.
„Die Umfrage zeigt auch, dass die einst herausragende Führungsrolle der amerikanischen Business Schools gebrochen ist“, stellt Fürst fest. Denn: Im fernen Osten stehen ganz andere Fragen auf der Tagesordnung. Aus Sicht asiatischer Wissenschaftler werden zwei Kernstrategien das nächste Jahrzehnt bestimmen: „Denke global, handle lokal“ und von der „Auftragsproduktion zur global führenden Technologie“. Für Cathy Chen von der Singapore Management University werden sich asiatische Unternehmen in Zukunft auf asiatische Kunden umstellen. Zielkunden kämen nicht mehr aus Europa oder Amerika. Chen: „Technische Innovationen und kundenorientiertes Marketing werden traditionellen Low-Cost-Geschäftsmodelle ersetzen.“