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Management Forum: Industrie holt Kunden in ihr Forschungslabor

Innovation ist heutzutage keine Geheimsache mehr. Unternehmen entwickeln neue Produkte in Zukunft nicht mehr allein im stillen Kämmerchen, sondern im Gespräch mit Kunden oder Lieferanten. Eine echte Trendumkehr.

Thomas Edison in seinem Arbeitszimmer: die Zeit des einsamen Forschens ist vorbei. Quelle: Public Domain
Thomas Edison in seinem Arbeitszimmer: die Zeit des einsamen Forschens ist vorbei. Quelle: Public Domain

DÜSSELDORF. Für viele Unternehmen gehört der streng abgeschirmte Forschungs- und Entwicklungsbereich bald der Vergangenheit an. Neuer "Megatrend ist die Öffnung des Innovationsprozesses", sagt Oliver Gassmann von der Universität St. Gallen. In der Praxis heißt das: Die Entwickler der Industrie fragen die Kunden, was sie wollen, und ihre Geschäftspartner, was sie können. Erst dann wird ein neues Produkt kreiert.

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Offenen Innovationsnetzwerken gehört die Zukunft, die totale Abschottung ist nicht zeitgemäß. Zu diesem Ergebnis kommt das dritte Handelsblatt Management Forum, das in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Santiago und Ronny Fürst von der European Management School entsteht.

Innovations-Kultur

Das Thema Innovationen wird in Asien anders als in Amerika und Europa angegangen. Wichtig ist den westlichen Industrienationen laut Umfrage der "Aufbau einer innovationsfördernden Kultur". In den Unternehmen fehle es oft an Raum für Kreativität, sagten die befragten Fachleute.

Andere Studien kommen zwar zu dem Ergebnis, dass Innovation vor allem das Ergebnis gut strukturierter Forschungs- und Entwicklungsorganisationen sei. Im Handelsblatt-Forum vertreten die Wissenschaftler allerdings die Ansicht, dass es an Offenheit mangelt und deshalb erhebliche Potenziale nicht gehoben werden, das außerhalb der firmeneigenen Entwicklungsabteilung schlummert.

Asiaten sehen das Defizit weniger in der Unternehmenskultur, als in der Öffnung nach außen. Erfolgreicher seien solche Unternehmen, die Lieferanten, Konsumenten oder Wissenschaftler in die Entwicklung einbeziehen. Porsche gilt als gutes Beispiel dafür. Der Stuttgarter Sportwagenbauer betreibt einen Großteil seiner Grundlagenforschung mit Werksstudenten oder Diplomanden.

Als vorbildlich für die Kundeneinbindung sehen die Experten die Kaffee-Kette Starbucks, die über ihren Onlineauftritt gemeinsam mit den Konsumenten neue Getränkekompositionen sucht. Kunden schlagen dabei Mischungen vor, andere bewerten, rezensieren. Inzwischen sei es für viele Unternehmen üblich, neue Produkte im Web zu bewerten, sagt Santiago-Partner Christian Prinz zu Salm-Horstmar. Auch soziale Netzwerke wie Facebook werden dafür eingesetzt.

Wer das Netz nutzt, kann frühzeitig Kommentare und Produktanforderungen in den Entwicklungsprozess aufnehmen. "Im Grunde genommen," sagt der Wissenschaftler Fürst, "schleusen innovative Unternehmen den Kunden am Türsteher vorbei direkt in VIP-Lounge ihrer Forschungslabors."

Bleibt die Furcht, wichtige Informationen preiszugeben und damit Vorteile im Markt zu verspielen. Chinesische Manager beispielsweise haben damit keine Probleme, weil im fernen Osten die perfekte Kopie als höchste Kunst und nicht als verwerfliches Plagiat angesehen wird. "Wenn ich zu dem Ergebnis komme", sagt Professor Fürst, "dass ich mein geistiges Eigentum ohnehin nicht schützen kann, sollte ich die Vorteile offener Netzwerke sehen". Wer Informationen preisgibt, bekomme im Gegenzug neue Informationen.

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