
DüsseldorfDas Pinkeln ist eine einzige Quälerei. Der Penis schmerzt. So fühlt es sich an, wenn der Körper gegen Überarbeitung und zu viel Stress rebelliert. Tim Parks hat seine Leidensgeschichte detailgetreuer aufgeschrieben, als es dem Leser an vielen Stellen lieb ist. Denn er leidet mit dem 50-Jährigen. Erst nach rund der Hälfte seines Buches „Die Kunst stillzusitzen“ beginnt der angenehme Teil.
Tim Parks hat massive Unterleibsschmerzen, deren Ursache selbst die besten Ärzte lange Zeit nicht erklären können. Erst ein indischer Ayurveda-Arzt rät ihm, zunächst einmal das Chaos in seinem Kopf zu beseitigen. Am Ende landet Parks beim Stillsitzen – oder besser gesagt Stillliegen. Seine Rettung besteht darin, nicht zuletzt an den „wertvollsten“ Stunden des Tages flach zu liegen und auf die Sprache seiner Organe zu hören.
Ihm wird die Verkrampftheit seines Alltages bewusst. Alles in höchstem Tempo mit dem lächerlichen Wunsch nach Perfektion und größtmöglicher Effektivität. „Wir sind zu Hirnvampiren geworden, die sich selbst den Lebenssaft aussaugen“ ist so einer dieser Sätze, die es auf den Punkt bringen. Es ist spannend und lehrreich zugleich, Parks auf die Reise zur Entkrampfung zu folgen. Und es macht Hoffnung. Nach dreijährigem Kampf sind die Beschwerden verschwunden, die Knoten zerschlagen.
Bei Tim Parks hat sich die Überanstrengung auf seinen Körper schneller ausgewirkt als auf seinen Geist. Bei der Mehrheit der Betroffenen ist es anders herum. Die heutigen Welt ist schnell, fordernd, anstrengend. Dass Multitasking krank macht und dabei nicht einmal effektiv ist, weiß eigentlich jeder. Und dennoch wird es täglich verlangt. Rund vier Millionen Deutsche leiden unter behandlungsbedürftigen Depressionen. Die Zahl der Fehlzeiten hat sich in den vergangenen zwölf Jahren beinahe verdoppelt. Inzwischen werden 38 Prozent der Frühverentungen wegen seelischer Krankheiten bewilligt.
Ich würde ja sagen, gerade dann wirds Zeit, über Familie nachzudenken, damit man immer etwas hat, was einen daran erinnert, was wirklich wichtig ist.
Wer einen Beruf mit hohen intellektuellen Anforderungen und hohem Stressfaktor hat, sollte unbedingt auf eine Familie verzichten. Wenn neben dem Job noch familiäre Pflichten und Probleme auf einem Lasten, dann ist das oft nicht mehr zu bewältigen, inbes. wenn noch Kinder da sind.
Als selbst Betroffener hat mich der Leidensdruck gezwungen, mich mit dem Thema:
"Burnout bewältigen - Erfahrungen eines Betroffenen" intensiv auseinanderzusetzen.
Dazu für Interessierte auf nachstehendem Weblog eine kleine Zusammenfassung über Zugänge und Auswege zu dieser Erkrankung des Gehirnstoffwechsels:
campesino.twoday.net
3 Kommentare
Alle Kommentare lesen