Strategie

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Rhetorik-Ranking: Hiesinger, der sachliche Elektroingenieur

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger hat die schwierige Hauptversammlungsrede besser als im vergangenen Jahr gemeistert. Er steigert sich bei der Verständlichkeit, hat aber noch Nachholbedarf bei Fremdwörtern.

Heinrich Hiesinger: Kürzere Wörter und Sätze sorgten diesmal für mehr Prägnanz. Quelle: dapd
Heinrich Hiesinger: Kürzere Wörter und Sätze sorgten diesmal für mehr Prägnanz. Quelle: dapd

BochumThyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger war der erste Vorstandsvorsitzende der diesjährigen Saison, der seinen Auftritt absolvierte. Schon auf seiner Hauptversammlungspremiere 2012 erlebte Hiesinger einen Sturm der Entrüstung. Wegen der Stahlwerke in Brasilien und den USA hatte der Essener Traditionskonzern Milliardenabschreibungen zu verbuchen.

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Auch dieses Jahr dürfte Hiesinger der Auftritt vor den rund 4000 Aktionären im Ruhr-Congress Bochum schlaflose Nächte bereitet haben, denn Umweltschützer hatten Demonstrationen angekündigt und die Skandale im Vorfeld, zuletzt wegen der Luxusreisen des Aufsichtsrates Bertin Eichler von der Gewerkschaft IG Metall auf Firmenkosten, verhießen nichts Gutes.

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Und tatsächlich hagelte es Buhrufe und Pfiffe in Bochum – wo empörte Anteilseigner unter anderem die Ablösung von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme verlangten. Trotz dieser geladenen Atmosphäre und der Konzernkrise hielt Hiesinger keine Ruck-Rede. Dafür hätte der Ductus seines Vortrags deutlich kürzer und knackiger sein müssen.

Der promovierte Elektroingenieur blieb sich treu und sprach nüchtern und sachlich. Zwar räumte er offen Fehler ein, aber Aufsichtsratschef Cromme gab er Rückendeckung. Immerhin aber nutzte Hiesinger seinen Spielraum und konnte sich so im Vergleich zu seiner Rede-Premiere im Vorjahr verbessern: In Sachen Verständlichkeit steigerte er sich von 4,0 auf 4,8 Punkte von insgesamt zehn.

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Kürzere Wörter und Sätze sorgten diesmal für mehr Prägnanz. Reichte es 2012 nur für den 14. Platz im Rhetorik-Ranking, hätte er sich am Freitag - bei unveränderten Bewertungen für die Konkurrenz - bereits unter die besten zehn Redner vorgearbeitet.

Wenn er dann noch schwierige Fachbegriffe wie „Restrukturierungsprogramm“ und Fremdwörter wie „Business Area Elevator Technology“ reduziert, „werden seine Botschaften von einem noch breiteren Publikum wahrgenommen“, sagt Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider über Hiesingers rhetorische Leistung auf der Hauptversammlung.

  • 30.01.2013, 11:57 UhrGeneigter_Leser

    Ich finde es immer gut, wenn Leute sich klar und verständlich ausdrücken und den eigenen Redebeitrag interessant gestalten. So liegt es auch nahe, Redner miteinander zu vergleichen, zu bewerten und anzuspornen, besser zu werden. Bei alledem sollte aber die Kirche im Dorf gelassen werden. Herrn Dr. Hiesinger dafür zu kritisieren, dass er "Fremdwörter wie „Business Area Elevator Technology“" verwendet, zeugt von Unkenntnis und oberflächlicher Recherche. "Business Area Elevator Technology" ist die Bezeichnung eines Geschäftsfeldes im ThyssenKrupp Konzern. Das diese Bezeichnung in englischer Sprache gewählt wurde, mag man schön finden oder nicht. Jedoch macht es Sinn, wenn man ThyssenKrupp richtigerweise als internationalen Konzern begreift. Herrn Dr. Hiesinger zu bitten, diese Bezeichnung nicht mehr zu verwenden, heißt ihn zu bitten, die Geschäftsbereiche nicht mehr beim Namen zu nennen. Ob das dem geneigten Zuhörer weiter bringt, mag ich bezweifeln.

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