
spr/sme/shf/som/ebe/fo/DÜSSELDORF. Enron-Chef Jeffrey Skilling erliegt einem seltenen Anflug von Skepsis: "Wo sind all die Schulden hin?" fragt er. Ehe der Finanzvorstand antwortet, poltern drei Gestalten in schwarzen Anzügen und Saurierköpfen auf die Bühne. Sie fressen Dollar-Scheine. Hier sind sie also, die Schulden, die Enron verstecken wollte: Geld fressende Monster sind daraus geworden.
Der texanische Energiekonzern Enron ist wieder da, neun Jahre nach dem Zusammenbruch - allerdings nur am New Yorker Broadway, als Musical. Es soll als Mahnmal dienen, dass Investoren nie wieder auf einen solch gigantischen Bilanzschwindel hereinfallen sollen.
Enron war die erste Megapleite, die offenbarte, welche Folgen Bilanzmanipulation haben kann. Am 2. Dezember 2001 meldete der Konzern Konkurs an. Enron hatte sich über die Gründung anonymer Tochterfirmen verschuldet, ohne dies in der Bilanz zu nennen. Die wies stets Gewinne aus. In Wirklichkeit alles Lug und Trug. Mehr als 60 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf.
Für Politiker weltweit war der Bilanzskandal ein Startsignal, gegen die Gilde der Trickser und Täuscher in Ärmelschonern zu Felde zu ziehen. Sie verschärften die Vorschriften zur Unternehmensberichterstattung und drangen auf einheitliche Bilanzstandards, um Transparenz zu schaffen.
In Europa schufen sie ein Gremium, das International Accounting Standards Board (IASB). Das verabschiedet die International Financial Reporting Standards (IFRS), Bilanzregeln, die an den US-Standard angelehnt sind. Es war das Aus für nationale Sonderwege.
Die Welt hat jetzt vergleichbare Bilanzierungsstandards. Leider sind sie sehr kompliziert. Für findige Buchhalter hat das den Vorteil, dass sie zwischen all den Unübersichtlichkeiten viel verstecken können. Für Beobachter hat das den Nachteil, dass ein Unternehmen weniger transparent wird.