Strategie

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Spurensuche: Warum es Niedriglöhne gibt

Seit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen die Zuschussrente vorgestellt hat, steht das Thema Altersarmut auf der Agenda. Eine Ursache dafür sind zu niedrige Gehälter. Vier Unternehmer erklären, was sich ändern muss.

Arbeiten im Niedriglohnsektor: Für die Rente bleibt nichts übrig. Quelle: dpa
Arbeiten im Niedriglohnsektor: Für die Rente bleibt nichts übrig. Quelle: dpa

HamburgWer für Peter Kowol arbeitet, dem droht Altersarmut. Das ist auch Peter Kowol klar. „Natürlich ist das Lohnniveau an der untersten Grenze“, sagt er. „Für eine anständige Rente reicht das niemals.“ Knapp sechs Euro die Stunde verdienen seine Angestellten im Durchschnitt. Kowol sagt, er würde gern mehr bezahlen, aber: „Woher soll ich das Geld für höhere Löhne nehmen?“

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Der 65-Jährige aus Göttingen ist Taxiunternehmer. In seinem Gewerbe arbeiten fast 90 Prozent aller Beschäftigten für extrem wenig Geld. In keinem Wirtschaftszweig sind niedrige Löhne weiter verbreitet, hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Keine andere Branche entlässt mehr Beschäftigte in eine Rente, die nicht zum Leben reicht.

Tipps für die Gehaltsverhandlung

  • Argumente, die beim Chef wirken

    Gute Karten hat, wer nachweisen kann, dass er seit dem letzten Gehaltsgespräch mehr Verantwortung im Unternehmen übernommen, Fortbildungen besucht oder der Firma zusätzliche Einnahmen gebracht hat. Am besten, Sie legen vorher eine Leistungsmappe an. Schreiben Sie sich detailliert auf, was Sie geleistet haben und nehmen die Liste mit ins Gespräch beim Chef. So haben Sie alle Argumente vor sich auf dem Blatt Papier und können sich an dem Leitfaden entlang arbeiten. Und auch Ihr Chef hat etwas in der Hand, wenn er Ihre Ansprüche seinem eigenen Vorgesetzten darlegen muss.

  • Gute Vorbereitung

    Man bereitet sich über einen längeren Zeitraum vor. Man könnte auch sagen: Vor der Gehaltsverhandlung ist nach der Gehaltsverhandlung. Direkt nach einem Gespräch sollte man die persönliche Leistung wieder weiter ausbauen und das auch schriftlich festhalten. Nur rhetorisch lassen sich Gehaltsverhandlungen in der heutigen Zeit kaum mehr gewinnen. Sie brauchen ein solides Fundament an Leistungen.

  • Die richtige Taktik im Gespräch

    Gehen Sie vor, wie in der Werbung. Da wird auch erst gezeigt, wie gut das Waschmittel reinigt. Gezahlt wird später an der Kasse. Sagen Sie dem Chef im Vorfeld, dass Sie mit ihm über ihre Perspektiven in der Firma reden wollen. Führen Sie dann im Gespräch zunächst ihre Vorzüge auf, zeigen Sie, was Sie der Firma Gutes getan haben und wie Sie ihren Chef in seinen Zielen vorangebracht haben. Erst wenn Sie sich, also das Produkt, vorgestellt haben, sollten Sie auf das Gehalt zu sprechen kommen. Seien Sie aber sparsam mit den Worten „Gehalt“ oder „Gehaltsforderung“. Auf manchen Chef wirkt das wie ein rotes Tuch.

  • Gehälter mit Kollegen abstimmen?

    Was halten Sie davon, sich vorab mit anderen Kollegen abzustimmen? Karriere-Coach Martin Wehrle hat dazu eine klare Meinung: „Das halte ich für sehr schlecht. Firmen hassen es, wenn Mitarbeiter sich über Gehälter austauschen. In vielen Arbeitsverträgen steht auch, dass das Gehalt vertraulich zu behandeln ist. Wenn der Chef solche Gespräche mitbekommt, wittert er oft revolutionäre Umtriebe unter den Arbeitnehmern und er macht die Luken dicht.“

  • Todsünden im Gespräch

    Was sollte ich in der Verhandlung unbedingt vermeiden? Karriere-Coach Martin Wehrle sagt: „Eine Todsünde ist es, mehr Gehalt zu fordern und das mit dem Einkommen eines Kollegen zu begründen. Das ist keine Aussage über die eigene Leistung und weist - aus der Sicht des Chefs - auf eine Indiskretion hin. Das bringt den Chef gegen mich auf und ich will ihn ja für mich einnehmen. Auch der Hinweis auf gestiegene Benzinpreise und die Kosten für das Eigenheim verbieten sich. Der Chef denkt dann, dass man mit Geld privat nicht umgehen kann und die Firma jetzt dafür einspringen soll. Sie sollten den Vorgesetzten auch nicht plötzlich mit der Forderung überfallen, etwa im Treppenhaus oder wenn man beim Bier zusammensitzt. Für ein solches Gespräch muss man einen Termin vereinbaren.“

    Quelle: karriere.de

In diesen Tagen wird viel über Altersarmut diskutiert. Seit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ihre Pläne für eine Zuschussrente vorgestellt hat, streiten Koalitionspartner und Oppositionsparteien darüber, wie durch Änderungen im Rentensystem verhindert werden kann, dass Millionen ein Alter in Armut droht. Am vergangenen Sonntag haben die Spitzen der Regierungskoalition ihr Konzept beschlossen.

Aber ist der Ruhestand überhaupt der richtige Ansatzpunkt, um Armut zu bekämpfen? Müsste man nicht schon früher ansetzen - bei denen, die heute niedrige Löhne verdienen? Wer Altersarmut wirklich verhindern will, sollte sich die Situation im Taxigewerbe genauer anschauen - oder die Friseursalons. Denn die folgen in der traurigen Rangliste der Niedriglohnzahler an zweiter Stelle.

Die ZEIT hat Unternehmer aus dem Niedriglohnsektor gefragt, warum sie so schlecht bezahlen - und was sich ändern müsste, damit die Löhne in ihrer Branche steigen. Die Antworten zeigen: Kunden, Berufsberater, Unternehmer, der Staat - sie alle könnten etwas tun.

  • 12.11.2012, 07:41 UhrUnkreativeDummePolitiker

    Zitat "Den einen großen Hebel, den man bloß umlegen muss, um Billiglöhne und die drohende Altersarmut breiter Bevölkerungsschichten abzuschaffen, gibt es nicht."

    Das sehe ich komplett anders! Der Hebel heißt nämlich "bedingungsloses Grundeinkommen" (für die Menschen) und "Nichtbeschäftigungsgewinnabgabe" (für die sozialschmarotzenden Firmen, die nur Gewinn einfahren aber zuwenig Leute beschäftigen - dies kann auch auf den Import von Gütern aufgeschlagen werden).

  • 12.11.2012, 07:59 UhrMauermer

    Das bedingungslose Grundeinkommen wird niemals funktionieren, weil es sofort in die Löhne eingebaut würde. Zahlen dürften dann wieder einmal die anderen. Bitte nicht noch mehr Versuche mit Sozialismus, der ist mit Menschen nicht kompatibel. Dies haben mehrere Dutzend Versuche weltweit hinlänglich bewiesen!

    Nein, abgeschafft gehört das "Aufstocken", dann hieße es sofort, dass man von 7,00 Euro/Std. eben nicht leben kann. Wenn für 7,00 oder 7,50 Euro keiner mehr arbeitet, dann vielleicht für 10 oder 11. Die Kunden werden es akzeptieren müssen, es wird nämlich keine Alternative geben.

    Aber solange eine Preiserhöhung von 9 ct. beim Liter Milch als Preisschock bezeichnet wird, wird sich da nichts tun.

  • 12.11.2012, 08:01 Uhrpizzarro53

    Ich kenne einen Taxifahrer, der ist auf 11oo EUR brutto angemeldet, demzufolge zahlt er quasi keine Steuern, niedrigste Krankenkassenbeiträge und folglich niedrige Rentenbeiträge. Den Rest macht er schwarz, damit kommt er Monatlich auf netto 2500 bis 3000, wovon er sich die letzten 20 jahre eine schöne Lebensversicherung angespart hat, die besser rentiert als die staatliche Rente. Dazu komm tnoch, dass er als Geringverdiener diverse Zuschüsse bei der Zuzahlung zu Medikamente bekommt. Vermutlich ist er nicht der Einzige, der das so macht. Als Renter ist er dann im Gegensatz zu mir, der ich ihn quasi querfinanziert habe, besser gestellt als ich, denn ich konnte nicht so viel auf die Seite bringen. Natürilich werden viele ausgenutzt, vor allem im Hotel- und Gaststätten- sowie im Reinigungsbereich. Aber da wird sich nicht viel ändern und das ist politisch so gewollt.

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