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Start-Up-Boom: Das Rennen um den schnellen Profit

Junge Unternehmen kopieren wie wild ihre Geschäftsmodelle und hoffen auf schnelle Übernahme. Jetzt fusionieren zwei Musikdienste und stellen damit einen neuen Tempo-Rekord auf. Der Verdacht: Außer um das schnelle Geld geht es dabei um kaum etwas. Immer geht die beliebte Strategie jedoch nicht auf.

Die Zalando-Homepage: Plattformen wie das Schuhportal stehen unter dem Verdacht gegründet word zu sein, um Übernahmen zu provozieren. Quelle: Internet
Die Zalando-Homepage: Plattformen wie das Schuhportal stehen unter dem Verdacht gegründet word zu sein, um Übernahmen zu provozieren. Quelle: Internet

DÜSSELDORF. Der Mai 2010 war für Musikfreunde im Internet wie Weihnachten und Ostern zusammen: Gleich zwei neue Musikportale gingen in Deutschland an den Start. Beide versprachen kostenlose, werbefinanzierte Musiktitel nach Wunsch in bester Qualität. Beide brachten zugleich eine mobile Anwendung für smarte Handys. Und beide hatten erkennbar ein Vorbild: Spotify, die skandinavische Plattform, die genau dieses Modell erfolgreich anbietet und damit ordentlich Schlagzeilen gemacht hat.

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Jetzt gehen Steereo und Simfy, die beiden deutschen Konkurrenten, zusammen. Holtzbrinck Digital, der Investor hinter Steereo, lasse sein Portal demnächst in Simfy aufgehen, sagte Claas van Delden, Mitglied der Geschäftsführung der Verlagstochter, dem Handelsblatt. Dafür beteiligt sich der Investor an der Kapitalerhöhung von Simfy, an der derzeit unter anderem der Gründungsfinanzier Earlybird und der Risikokapitalarm des Verlags DuMont beteiligt sind.

Immer häufiger kommt es in Deutschland zu Rennen zwischen jungen Unternehmen im Netz um dieselben Kunden mit gleichen Geschäftsmodellen. Mit den Wirtschaftsaussichten steigen auch die Investitionen in Start-ups. Gerade erfolgreiche Modelle locken Nachahmer. Ungewöhnlich bei den Musik-Streaming-Seiten ist nur das Tempo.

Nur fünf Monate dauerte der Wettstreit der beiden Portale, bei dem Steereo schnell ins Hintertreffen geraten war. Verhandlungen mit Plattenfirmen und Rechteverwertern wie der Gema kosten Zeit, ausreichende technische Mittel kosten Geld. Deshalb wollen beide jetzt zusammen Deutschland und weitere europäische Länder von dem Modell überzeugen - bevor Konkurrenten wie Google Ähnliches anbieten.

In anderen Bereichen geht es langsamer voran. So kämpfen derzeit mehrere Prospekt-Portale um Kunden. Dabei können Firmen wie Mediamarkt und Tante Emma ihre Prospekte ins Internet stellen, Nutzer können also Angebote in ihrer Umgebung schnell über das Netz finden.

"Es ist ein Rennen um die Marktführerschaft. Positiv ist dabei, dass keiner den Markt allein beackern muss", sagt Urs Keller, Investor bei Meinprospekt. Gemeinsam machen die Wettbewerber das Angebot bekannt. So hat die Telekom-Beteiligung Kaufda ein ähnliches Preismodell. "Wir sind noch weit von einem existierenden Markt entfernt, geschweige denn von einem Verdrängungsmarkt", sagt Keller.

Verdacht: schneller Profit

Dabei geht es den Risikokapitalgebern meist nicht vordringlich darum, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu etablieren. Einer der ersten spektakulären Fälle im deutschen Internet war der Verkauf des Online-Auktionshauses Alando an Ebay 1999 - nur fünf Monate nach Gründung. Drei Brüder, die Samwers, wurden mit dem Deal Multimillionäre. Auch heute sind sie als Investoren unterwegs - und stets unter Verdacht, raschen Profit zu suchen.

Schnell wächst gerade ihr Schuhhändler Zalando: mit vielen Neueinstellungen, einem Umzug in größere Räume, Fernsehwerbung. Der Name Zalando ist eine Provokation: Dem Namen ihres längst in Ebay aufgegangenen Erfolgs Alando haben die Samwers einfach ein "Z" vorangestellt - wie in Zappos, dem Namen des US-Vorbilds, ein Schuhportal, das 2009 für eine Bewertung von 1,2 Mrd. Dollar an Amazon verkauft wurde.

Zur Strategie wolle man sich derzeit nicht äußern, teilt Zalando mit. Entsprechend ätzt die Szene: "Zalando ist ,Zappos Nummer zwei? und will an Amazon verkauft werden", meint Keller. Inzwischen ist mit Tengelmann ein solider Einzelhändler mit zehn Prozent eingestiegen. "Es ist auf vielen Feldern gut möglich, dass mehrere überleben", sagt Alexander Hüsing, Chefredakteur des Online-Magazins "Deutsche Startups". "Es gibt ja auch in der realen Welt mehr als ein Schuhgeschäft."

Die Chancen für die Konkurrenz hängen im Netz stark vom Geschäftsmodell ab. Häufig sind die Fixkosten entscheidend - wie bei den Musikplattformen. Mehr Kunden verursachen kaum Mehrkosten, entsprechend zählt die Größe für die Profitabilität. Andere Bereiche neigen zudem zu Monopolen in ihrer Nische, weil mit der Zahl der vorhandenen Nutzer die Attraktivität des Angebots für neue Nutzer steigt - etwa bei Partnerbörsen wie eDarling und Parship sowie bei Bewertungsportalen.

Bald kommen Windel-Seiten

Ein spektakuläres Rennen um einen lukrativen Markt kennt bereits einen großen Gewinner. Bei Seiten, die Rabatt-Angebote für Städte bringen, hat US-Vorbild Groupon die Samwer-Gründung Citydeal für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in Anteilen übernommen. Auf gut 300 Mitarbeiter allein in Deutschland hatten die Gründer Citydeal innerhalb von sechs Monaten aufgeblasen.

"Eine wichtige Bedingung für den Erfolg war, ein Modell, das in den USA seit 2008 erfolgreich war, sehr schnell auf Europa anzupassen", sagt Geschäftsführer Daniel Glasner. Nach der Fusion mussten einige Mitarbeiter gehen. Denn: "Ein Start-up in der Wachstumsphase braucht andere Personen als eines nach dem Verkauf. Der neue Besitzer wird erstmal aufräumen", sagt Hüsing.

Manchmal jedoch gehen alle leer aus: Vom Boom der Sportportale vor drei Jahren ist nichts übrig geblieben. Doch das nächste Trend-Thema zeichnet sich ab: Diapers.com ist mit Windelversand in den USA extrem erfolgreich. Windeln.de gibt es bereits.

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  • 19.10.2010, 15:37 UhrAnonymer Benutzer: Petrus

    "Weihnachten und Ostern" für Musikfreunde ist wohl eher das hier:
    www.20freiMP3.de

    Da bekommt man in der Tat kostenlose Musik als MP3 - ohne Werbung und ohne Haken!!! Das wäre mal ne Nachricht wert, zumal das Geschäftsmodell kien Copycat sondern ne echte innovation ist. bei Simfy kann man nur internetradio hören - bekommt aber de facto NiX. ich will aber meine MP3s brennen, kopieren, behalten!

  • 18.10.2010, 17:58 UhrAnonymer Benutzer: Steve

    @Hanno, es waren nur ein Samwer-bruder auf der WHU, der andere WHU´ler war Max Finger. beide sind vorher für ihre Diplomarbeit durch die USA getourt und haben sich die erfolgreichsten Startups angeschaut. Und dann ebay kopiert. Warum nicht?

    Und zu Windeln.de kann man noch sagen, daß sie über den Verkauf von Windeln technologisches Neuland betreten haben. So neu, daß der HTGF deren Technologie förderungswürdig eingestuft hat. ich wußte nicht, daß Sch... innovativ ist und skaliert ;)

  • 17.10.2010, 16:11 UhrAnonymer Benutzer: Hanno Nym

    Als Anmerkung: Fast alle aufgeführten US-Copycats werden von Alumnis der WHU gegründet(zwei Samwer brüder inklusive).

    Ein Schelm, wer böses dabei denkt. ;D

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