Strategie

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Unternehmen jagen Zechpreller: Immer mehr Deutsche kaufen, ohne zu bezahlen

Zechprellerei wird zum Volkssport – doch Unternehmen schlagen zurück. Um offene Rechnungen im Wert von 50 Milliarden Euro einzutreiben, machen Detektive und Geldeintreiber Jagd auf die Übeltäter.

Versandhändler sind ein beliebtes Ziel für Betrüger. Quelle: dpa
Versandhändler sind ein beliebtes Ziel für Betrüger. Quelle: dpa

So jung, und schon ein Opfer von Betrügern! Paul Schwarzenholz und Björn Kolbmüller sind mit ihrem Online-Shop Flaconi gerade frisch ans Netz gegangen. Bestellung Nummer drei kommt direkt aus der Nachbarschaft, nicht weit von der Torstraße in Berlin, wo ihre Firma sitzt. Aus Euphorie über den gelungenen Start beschließen die Gründer, die Ware ihrem Kunden persönlich zu überbringen. Doch die Freude währt nicht lange. Die Bestellerin sei nicht zu Hause, murrt ein junger Mann die Boten an, nimmt das Paket mit dem Damenparfüm von Chloé aber in Empfang. Auf die 80 Euro warten die Flaconi-Inhaber Schwarzenholz und Kolbmüller bis heute.

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Was nach Pech aussah, erwies sich für die Jungunternehmer als Gefahr, die sie fast die Existenz kostete. "Im ersten Monat hatten wir eine Betrugsquote bei den Bestellungen von 30 Prozent", sagt Flaconi-Geschäftsführer Schwarzenholz. "Wäre es so weitergegangen, hätten wir den Shop gleich wieder dichtmachen können."

Das Startup-Duo von der Spree zählt zum wachsenden Kreis, der um sein wohlverdientes Geld fürchten muss. Ob Gründer oder Traditionsunternehmen, Handwerker oder Konzerne, Deutschlands Unternehmen werden immer häufiger Opfer halb- oder vollprofessioneller Betrüger, die, wo immer möglich, die Zeche prellen. Versandhändler wie Amazon, Otto oder Zalando, aber auch Telekommunikationskonzerne oder die Deutsche Bahn müssen immer dickere Brandmauern hochziehen, um der Plage Herr zu werden.

Die häufigsten Tricks von Zechprellern

  • Versandhandel

    Abzocker nutzen den Kauf auf Rechnung, um auf den Namen solventer Nachbarn teure Markenklamotten, Sonnenbrillen oder Parfüms zu bestellen. Später fangen sie das Paket direkt beim Boten ab. Sie geben auch fremde Bankverbindungen an, stornieren Lieferungen, ohne die Ware zurückzuschicken, oder spekulieren schlicht darauf, dass dem Internet-Shopbetreiber die Mittel fehlen, seine Forderungen einzutreiben.

  • Telekommunikation

    Um subventionierte Smartphones abzugreifen, schließen Betrüger mit fremdem Ausweis Verträge ab oder wechseln die Anbieter, ohne Rechnungen zu bezahlen.

  • Verkehr

    Schlepper nehmen Mitfahrer zum Schnäppchenpreis auf Monatskarten bei Bahnreisen mit. Autofahrer brausen nach dem Tanken immer öfter davon, ohne zu bezahlen.

So beklagten kürzlich Tankstellenpächter in der Spritklau-Hochburg Nordrhein-Westfalen, in der ersten Hälfte dieses Jahres seien 7,5 Prozent mehr Kunden als im Vorjahreszeitraum davongebraust, ohne zu zahlen. Laut reden will über das Problem kaum ein Unternehmer. "Das Thema ist heiß, doch mit Blick auf die Wettbewerber diskutieren wir darüber nicht öffentlich", sagt der Manager eines großen deutschen Versandhändlers.

Zwei Prozent der Rechnungen bleiben offen

Einkaufen oder bestellen, ohne zu zahlen, scheint der neue Lieblingssport der Deutschen gleich nach Fußball und Steuerhinterziehung zu sein. Die Außenstände, die Unternehmen an professionelle Geldeintreiber abgetreten haben, summieren sich inzwischen auf 50 Milliarden Euro. Die Zahl hat der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen, in dem sich die hiesigen Geldeintreiber organisieren, unlängst zum ersten Mal ermittelt. "Wir waren selbst erstaunt über die Dimension", sagt Verbandspräsident Wolfgang Spitz.

Vorsicht Falle Die fiesesten Tricks der Abzocker

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Zwar leiden deutsche Unternehmen weit weniger unter Zahlungsausfällen als ihre europäischen Konkurrenten. Doch auch hierzulande wächst das Problem. So bleiben in diesem Jahr voraussichtlich mehr als zwei Prozent der Rechnungen für immer offen, nach 1,8 Prozent 2011. Das ergab eine Umfrage bei 400 Finanzmanagern kleiner und mittlerer deutscher Unternehmen durch die Inkassofirma EOS. Der Geldeintreiber gehört zum Hamburger Handelsriesen Otto-Group mit seinen zig Versandhandelsmarken wie Quelle, Baur, Manufactum und natürlich Otto sowie der Logistiktochter Hermes, die die Waren zu den Kunden schafft.

  • 15.10.2012, 10:40 UhrAnonym5

    Solange der Zechpreller von Juristen geschützt wird, wird die Situation sich für den Verkäufer nicht ändern.
    Für mich stellt das eine Straftat da.

  • 11.10.2012, 17:11 UhrSaskia

    Das was Sie schrieben ist ja richtig. Trotzdem ist und bleibt es unrecht etwas zu kaufen und nicht dafür zu zahlen.
    Wenn sich alle so verhalten, verbessert das die allgemeine Situation auch nicht.

  • 11.10.2012, 15:24 UhrC.M.

    Das ist nur die geschätzte Dunkelziffer. Die Zahlungsmoral ist desolat auch im Handwerk. Es wird einfach nicht bezahlt.
    Nur die Menschen die sich so verhalten, bedenken nicht, dass sie durch dieses Verhalten jede Menge Arbeitsplätze vernichten. Da die Firmen letztendlich Leute entlassen müssen oder ihren Betrieb schließen müssen.

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