Strategie

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Unternehmensberatung: „Ich leide wie ein Hund“

Sind sie eine Sekte? Benennen sie nur altbekannte Probleme? Lautet ihr Credo stets zuallererst: Jobs streichen? Martin Sonnenschein, Zentraleuropa-Chef von A.T. Kearney, über Klischees in der Unternehmensberatung.

AT-Kearney-Zentraleuropachef Martin Sonnenschein. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
AT-Kearney-Zentraleuropachef Martin Sonnenschein. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Unternehmensberatern haftet ein Klischee an: Sie kommen in ein Unternehmen und durchforsten alles. Als Ergebnisse präsentieren sie dann aber auch nur die Probleme, die ohnehin schon alle kennen. Und empfehlen Stellenstreichungen ...

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Martin Sonnenschein: ... bei unserer täglichen Beratung kommt es tatsächlich vor, dass die Geschäftsführung bereits die Probleme und die Lösung kennt. Es hapert aber oft an der Umsetzung. Kommt das Management nicht weiter, sind wir gefordert. Wir bieten die Unterstützung, um etwas in den Unternehmen zu bewegen. Wir stiften den Nutzen, der dringend gebraucht wird. Und das ist wichtig.

Sie wollen ihr Image gar nicht bekämpfen?

Weshalb sollte ich das bekämpfen? Wenn man es nüchtern betrachtet, dann trifft das nur auf einen sehr kleinen Teil unserer Arbeit zu. Unsere Aufgaben und Projekte sind viel weiter gefasst und sollten nicht auf diese These reduziert werden. Richtig ist aber, dass es zu den Aufgaben dazu gehört ...

... Unternehmen bei unangenehmen Schritten zu unterstützen?

Ja. Die Entwicklung der vergangenen Jahre geht dahin, dass Firmen immer seltener ein Erkenntnisproblem haben. Sie leiden vielmehr unter einem Umsetzungsproblem. Viele Führungskräfte stellen sich die Frage: Wie komme ich von der Erkenntnis zum Ergebnis? Genau dabei können wir ihnen helfen.

Welche Management-Fehler fatal für Firmen sein können

  • Fehler eins

    Frühwarnsignale, z.B. für Markt- oder technologische Veränderungen, werden nicht wahrgenommen oder sogar aktiv verdrängt.

  • Fehler zwei

    Regulatorische und politische Einflüsse auf die künftige Unternehmensentwicklung werden systematisch unterschätzt.

  • Fehler drei

    Markt- und Kundenveränderungen werden im Vorstand nicht (hinreichend) analysiert und diskutiert.

  • Fehler vier

    Geschäftsmodelle werden nicht kritisch reflektiert.

  • Fehler fünf

    Man hält zu lange an traditionellen (und bislang erfolgreichen) Vorgehensweisen fest.

  • Fehler sechs

    Es mangelt an Mut, gegen die herrschende Meinung zu argumentieren.

  • Fehler sieben

    Bei spürbaren Veränderungen wird zu zögerlich gehandelt, man ergeht sich in Aktionismus und Effekthascherei "auf der Bühne" ohne konkrete Maßnahmen.

  • Fehler acht

    Es fehlt eine klar und überzeugend kommunizierte Veränderungsvision und Strategie.

  • Quelle

    Umfrage unter Partnern von Roland Berger Strategy Partners. Zitiert in „Gute Führung“ von Burkhard Schwenker und Mario Müller-Dofel. Erschienen 2012 bei BrunoMedia Verlag.

Aber manchmal helfen Berater nicht weiter.

Ich leide wie ein Hund, wenn einer meiner Wettbewerber ein Projekt nicht gut abliefert. Das fällt negativ auf das Image der ganzen Profession zurück. Das ist alles andere als gut für unsere Branche.

Aber wenn die Konkurrenz versagt, kommt Ihnen das doch zugute?

Nein. Ich möchte selbst Kunden gewinnen und gute Projekte abliefern. Aber ich will auch mit möglichst viel Wettbewerb leben. Ein funktionierender Wettbewerb bringt den Kunden einen höheren Nutzen.

Unternehmensberater Ernst & Young wächst trotz Preiskampf

Im Kampf mit Konkurrenten wie KPMG und PwC sind die Preise gesunken.

Ihr Wunsch scheint sich zu erfüllen. Der Wettbewerb in der Branche wächst. Große Prüfungsgesellschaften steigen in die Beratung ein. Neue Anbieter drängen in Spezialsegmente. Wer wird sich behaupten?

Das ist schwer vorherzusagen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie diese neuen Spieler zurechtkommen. Wir sind bald 50 Jahre in Europa und Deutschland vertreten und bereits seit 1926 auf dem Markt. Da steht viel Tradition und Wissen dahinter.

  • 02.01.2013, 06:50 Uhrzapperphilip

    Es mag ja zeit-und teilweise zutreffen, daß das Problem nicht das Erkenntnisproblem der Firmen darstellt. Wir haben als Unternehmensberater trotzdem immer ein „Problem mit den Problemen „ .Vermutlich ist das Herrn Sonnenschein nicht bewußt, weil er seinerseits ein Erkenntnisproblem hat!

    Mit der Feststellung, daß der Auftraggeber kein Erekenntnisproblem habe, wird der Eindruck erweckt, daß alles seine „Richtigkeit“ habe – mitnichten! Denn das Erkenntnisproblem beschränkt sich ja nicht auf den Auftraggeber, sondern erstreckt sich auch auf den Auftragnehmer – nämlich zu erkennen ober mit dem was er ausführt eigentlich richtig handelt- und zwar nicht nur aus der Perspektive eines – häufig völlig überentlohnten- Unternehmensberaters ! Und daran mangelt es leider zu häufig bei den beauftragten Beratern und insofern kann ich Herrn Sonnenschein nachfühlen, daß er leidet wie ein Hund

  • 29.12.2012, 22:27 UhrDoktorDip

    Sehr gut auf den Punkt gebracht.

    Im Übrigen, was den Beratern an Inhalt fehlt, das machen sie mit dem Überstundenkult wett. Hocken da bis nach Mitternach an ihren Power Point-Präsentationen und meinen wunderwas sie da kreiieren. Eher zu belächeln.

  • 29.12.2012, 19:06 UhrSingdrossel

    Ich habe gerade die 8 Punkte gelesen,
    Welche Management-Fehler fatal für Firmen sein.

    DAS alleine würde doch schon reichen, wenn mancher Firmenbesitzer / Landesvater /... sie lesen UND beherzigen würde.
    Doch weder wird ein Ego-bezogener, sich allwissend glaubender Firmenchef/Politiker/... sie lesen,
    noch sich/das Unternehmen/... hinterfragen
    und die augenscheinlichen Änderungen /Verbesserungen / ...
    vornehmen.

    Zu allerletzt würde er seine Beschäftigten voll mit in den Prozess integrieren, denn die wissen meist als Erste, was/wo/wie so alles verbessert werden könnte im Unternehmen.

    Nein, lieber verdrängt er alles und bezahlt dann den UB.

    Komische Welt.

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