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Vernetzte Welt: Firmen müssen ihr stilles Kämmerlein verlassen

Wenn Firmen noch mithalten wollen, brauchen sie Experten zufolge offene Systeme. Was die Ideensuche antreibt ist in sensiblen Bereichen wie Lieferketten allerdings eine heikle Angelegenheit. Apple ist das beste Beispiel.

Apple Store in New York: Nur auf Druck der Öffentlichkeit veröffentlichte das Unternehmen die Liste seiner Zulieferer. Quelle: Reuters
Apple Store in New York: Nur auf Druck der Öffentlichkeit veröffentlichte das Unternehmen die Liste seiner Zulieferer. Quelle: Reuters

FrankfurtWir kaufen Musik nicht mehr im Laden, wir laden sie aus dem Netz. Bücher, Kleidung, selbst Lebensmittel werden im Internet bestellt. Längst bewerten, nicht Verbraucherorganisationen, sondern die Verbraucher selbst Produkte und Dienstleistungen. Das Internet hat die Geschäftswelt revolutioniert. Doch die Revolution ist noch nicht zu Ende.

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Was derzeit auf die Firmen zukommt, hat es in sich. In der total vernetzten Welt werden die Aufgaben völlig neu verteilt, prognostiziert Charles J. Petrie, Professor der renommierten Stanford University in den USA. „Es wird möglich, mehr und mehr Aufgaben aus den Unternehmen auszulagern“, so Petrie. Der Wissenschaftler spricht am 24. Januar auf der Handelsblatt-Tagung „Strategisches IT-Management“ in München.

Was so harmlos klingt, ist ein radikaler Umbruch. Petries These: Nur wer bei seiner Lieferkette auf ein offenes und transparentes System setzt, hat künftig noch Chancen. Geschlossen sind Lieferketten, wenn etwa Zulieferer und Abnehmer eng und exklusiv zusammenarbeiten. In offenen Systemen bieten die Zulieferer ihre Produkte einer Vielzahl von Kunden an.

Nach Ansicht von Experten wie Petrie sind die offenen Systeme notwendig, weil es den Firmen nur so gelingt, ständig neue Ideen in den Markt zu bringen. Denn wenn Zulieferer ständig um zusätzliche Abnehmer kämpfen müssen, steigert das die Innovationskraft. Zudem ist es einfacher, die komplexer werdenden Liefersysteme zu managen. Hintergrund sind die immer schneller fließenden Informationen. Das setzt die Manager unter Druck. Im stillen Kämmerlein an der Strategie oder der nächsten Produktidee zu basteln, funktioniert nicht mehr. Die Konkurrenz ist im Zweifel schneller und besser.

Die neue Offenheit

  • Osram

    Die Lichttochter von Siemens hat vor einiger Zeit mit „Emotionalize your light“ im Netz dazu aufgerufen, neue Ideen für Leuchten vorzustellen. Die Resonanz war gewaltig.

  • Beiersdorf

    Der Nivea-Hersteller hat mit „Pearlfinder“ ein geschütztes Internet-Portal ins Leben gerufen, auf dem Partner Lösungsideen zu Aufgaben mitteilen können, die Beiersdorf dort publiziert.

  • Procter& Gamble

    Der Spezialreiniger Mr. Clean Magic Eraser ist eine Idee, die von außerhalb kam. Basis des Reinigers ist eine in der Baubranche eingesetzte Isolation, die durch gezielte Blicke über den Tellerrand entdeckt wurde.

Wer mithalten will, muss seine Umwelt fragen und einbinden, die Kunden, die Zulieferer, die Vertriebspartner. „Die ganz neue Art, wie wir durch neue Kommunikationssysteme wie etwa soziale Netze zusammenarbeiten und Wissen austauschen, wird die Unternehmen massiv verändern“, glaubt Paul Hermelin, Chef des weltweiten IT-Dienstleisters Capgemini.

Beim Thema Innovation geschieht das bereits. Unternehmen wie Osram, die Lichttochter von Siemens, oder auch der Chemiekonzern Bayer setzen bei der Entwicklung neuer Produkte stärker denn je auf „Input“ von außen, sogenannte Open Innovation. „Ein großer Teil der Innovationen findet außerhalb des eigenen Unternehmens statt. Deshalb ist es lebenswichtig, solche offenen Plattformen zu haben“, sagt Martin Härting, Europa-Marketing-Chef des Netzwerkspezialisten Akamai. „Innovation wird nicht durch isoliertes Denken getrieben, sondern davon, möglichst früh zu sehen, was im Markt geschieht“, bestätigt Jeanette Horan, Vice-President und IT-Chefin von IBM.

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