Streiks in Frankfurt
Bosse kämpfen vereint gegen Kleinstgewerkschaften

In Frankfurt wird gestreikt - und die Manager von Fraport, Lufthansa und anderen Firmen tun sich für eine neue Tarifpolitik zusammen. Sie sehen sich einem unangenehmen Gegner gegenüber: den Spartengewerkschaften.
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Berlin, FrankfurtWer in diesen Tagen Stefan Lauer auf das Thema Tarifverhandlungen anspricht, merkt, wie geladen der Personalvorstand von Lufthansa ist. „Nicht nur Lufthansa muss Nachahmer fürchten, die ganze Republik sollte sie fürchten“, sagt er beim Blick auf das Vorfeld des Frankfurter Flughafens.

Seit Sonntagabend streiken dort erneut rund 200 Vorfeldmitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport. 140 Flüge musste Europas größte Fluggesellschaft gestern absagen. Und heute kam es noch schlimmer: Weil Fraport das Vorfeld mit Ersatzpersonal ausstattet, verpufft der Streik. Deshalb kündigten nun sogar die Fluglotsen den Solidaritätsstreik an - ab Mittwoch 5 Uhr.

Die Folgen dürften erheblich sein. Doch auch das Eis, auf dem sich die Gewerkschaft bewegt, würde dünner. Denn nach gängiger Rechtssprechung darf ein Solidaritätsstreik nicht heftigere Folgen haben als der Hauptstreik. Das wäre hier der Fall.

Die Betroffenen drohten gleich am Dienstagmorgen mit juristischen Maßnahmen: Fraport und die Lufthansa wollen den geplanten Streik der Fluglotsen am Frankfurter Flughafen vor Gericht stoppen. Fraport und die Airline würden juristische Schritte in Form einer einstweiligen Verfügung gegen die Arbeitsniederlegung einleiten, teilte der Betreiber des Frankfurter Flughafens am Dienstag mit. Die Fluglotsen wollen ihre Arbeit am Mittwoch von fünf Uhr bis elf Uhr niederlegen.

Dabei trifft der Streik schon jetzt Unternehmen, die gar nicht bestreikt werden: Lufthansa etwa hat bereits einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an Umsatz verloren. Und doch begehrt die Airline nicht gegen Fraport auf. Immerhin ist es ein Erlösausfall, der sich in der Zukunft indirekt auszahlen könnte - falls der aktuelle Konflikt eine bisher schwankende Politik überzeugt, dem Treiben der neuen Spartengewerkschaften gesetzliche Grenzen zu setzen.

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Bosse kämpfen vereint gegen Kleinstgewerkschaften

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Wachsende Zahl von Kleingewerkschaften

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Tarifpolitische Rosinenpickerei

Kommentare zu " Streiks in Frankfurt: Bosse kämpfen vereint gegen Kleinstgewerkschaften"

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  • @ekleim
    Für einen Dummbeutel sind 80.000 € Jahresgehalt zu viel.Handelt es sich jedoch um zwei Dummbeutel, dann wäre es angemessen.

  • Komisch in Sachen Mindestlohn wird immer auf die Tarifautonomie verwiesen. Jetzt soll die Tarifautonomie doch beschränkt werden. Wird Zeit, dass sich die Firmen daran gewöhnen vernünftige Arbeitsbedingungen zu schaffen und ordentliche Gehälter zu zahlen, dann braucht auch keiner streiken. 80 Jahresgehalt wie hier angprangert ist wohl maßlos im Vergleich zu Millionen die Manager sogar im Falle des Scheiterns als Abpfindung erhalten. In anderen Ländern funktioniert das auch, nur bei uns sollen immer alle kurz gehalten werden.

  • Innvoative Protestformen!

    "mehrere kilometer Lichterkette für mehr Nachtflüge!"

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