Streit über Geschäftspolitik – Börse feiert Abgang mit kräftigen Kurszuwächsen
Hewlett-Packard entlässt Fiorina

Der US-Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) hat am Mittwoch überraschend seine Chefin Carly Fiorina entlassen. Zum Interims-Nachfolger berief der weltweit zweitgrößte Computerproduzent Finanzvorstand Robert Wayman.

tmo PALO ALTO/NEW YORK. Offiziell wird der Abgang Fiorinas mit unterschiedlichen Vorstellungen über die Geschäftspolitik begründet. Das Verhältnis zwischen Fiorina und ihrem Aufsichtsgremium (Board of Directors) war gespannt, da die Managerin einige Kompetenzen abgeben sollte.

Der Zeitpunkt der Trennung – nur wenige Tage vor Bekanntgabe von Quartalszahlen – kommt dennoch unerwartet. „Ich bedauere, dass es zwischen dem Direktorium und mir Differenzen darüber gibt, wie HPs Strategie umgesetzt wird, ich akzeptiere seine Entscheidung“, erklärte Fiorina. Die Managerin, die seit 1999 bei HP ist, galt als eine der einflussreichsten und erfolgreichsten Frauen in der US-Geschäftswelt.

Der Kurs der im Dow-Jones-Index enthaltenen HP-Aktie schoss nach Bekanntwerden von Fiorinas Abgang nach oben und lag zu Handelsschluss knapp sieben Prozent höher als am Vortag. Offenbar spielen dabei seit Jahren schwelende Spekulationen über eine Aufspaltung des Konzerns eine Rolle. Steven Milutinovich von Merrill Lynch glaubt, dass der Wert der einzelnen Konzernteile von HP weit über dem aktuellen Börsenwert des Gesamtkonzerns liegt. Mehrere Analysten fordern, HP solle seine einzelnen Geschäftsbereiche stärker trennen und womöglich die äußerst erfolgreiche Druckersparte als eigenständiges Unternehmen an die Börse führen.

Der Aufsichtsrat stellte sich gestern jedoch demonstrativ hinter die bisherige Strategie von HP, als geeintes Unternehmen aufzutreten. Allerdings ließ der kommissarische Vorstandschef Wayman ein Hintertürchen offen: „Das Management und der Aufsichtsrat halten die derzeitige Strategie für richtig, aber wir erwarten natürlich vom künftigen CEO, dass er das Geschäftsmodell neu analysiert, ohne dass wir das Ergebnis jetzt schon vorgeben“, sagte er. Die Suche nach dem Nachfolger werde intern und außerhalb des Unternehmens sofort aufgenommen. Er solle eine bessere Umsetzung der Unternehmensstrategie erreichen. Das Ziel seien höhere Gewinne.

HP ist der weltgrößte Druckeranbieter. Dieser Bereich bringt nach wie vor den Löwenanteil der HP-Gewinne. Die Gesellschaft, die Platz elf in der Rangliste der größten US-Unternehmen einnimmt, ist auch ein großer Computerdienstleistungsanbieter und offeriert Software und Speicherprodukte. IBM ist neben Dell der HP-Hauptkonkurrent. Im vierten Quartal des zurückliegenden Geschäftsjahres hatte HP seinen Nettogewinn um mehr als ein Viertel auf gut eine Mrd. Dollar gesteigert und einen Rekordumsatz von 21,4 Mrd. Dollar erzielt.

Investoren hatten jedoch zuletzt mehr Konstanz bei den Ergebnissen angemahnt, nachdem HP zuvor mit abwechselnd starken und dann wieder überraschend schwachen Quartalszahlen bei den Anlegern an Vertrauen verloren hatte. Die Zahlen für das erste Quartal des aktuellen Geschäftsjahres kündigte das Unternehmen für den kommenden Mittwoch an.

Fiorina kam im Juli 1999 nach 20 Jahren beim Telefonkonzern AT&T und beim größten US-Telekomausrüster Lucent zu HP. Sie war die erste Frau, die einen der 30 im Dow-Jones-Index enthaltenen amerikanischen Großkonzerne geführt hat. Sie hatte 2002 die von den Gründerfamilien des Unternehmens hart bekämpfte Übernahme des Personalcomputer-Konzerns Compaq durchgesetzt. Inzwischen hat Dell jedoch Hewlett-Packard als globaler PC-Spitzenreiter überholt, und die PC-Gewinne lassen noch immer stark zu wünschen übrig.

Bereits seit Monaten sank der Stern der einst gefeierten Managerin. In dieser Woche titelte das US-Wirtschaftsmagazin Fortune: „Warum Carly ihre große Wette verliert“.

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