Streit um Strategiewechsel: Kuhnt verlässt den RWE-Aufsichtsrat

Streit um Strategiewechsel
Kuhnt verlässt den RWE-Aufsichtsrat

Am 13. April endet die Ära Dietmar Kuhnt bei RWE endgültig. Mit dem Ablauf der Hauptversammlung des Essener Energieversorgers scheidet der 69-Jährige aus dem Kontrollgremium aus.

HB DÜSSELDORF. Wie der Konzern gestern im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung mitteilte, wird der frühere Konzernchef, der als einer der schärfsten Kritiker seines Nachfolgers Harry Roels gilt, nicht mehr als Vertreter der Kapitalseite im Aufsichtsrat vorgeschlagen. Am Donnerstag vor Ostern stehen Neuwahlen an. Sein Nachfolger wird Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard D. Schulz.

In Konzernkreisen heißt es, Kuhnt trete auf eigenen Wunsch als Aufsichtsrat zurück. Mit diesem Schritt ziehe er die Konsequenzen aus einer in seinen Augen falschen strategischen Ausrichtung des zweitgrößten deutschen Energieversorgers. Der promovierte Jurist Kuhnt, der von 1993 bis 2003 an der Spitze des Konzerns stand, hatte den Einstieg in das Wassergeschäft und die Internationalisierung forciert.

Mit dem Wechsel in das fremde Metier wollte er die negativen Folgen der Liberalisierung der Strommärkte abmildern und sich ein neues Geschäftsfeld mit sicheren Renditen erobern. Rund 30 Milliarden Euro ließ sich Kuhnt Übernahmen wie die des Wasserversorgers American Water Works in den USA, von Thames Water in Großbritannien und des Gas-Geschäfts in Tschechien kosten.

Seine Vision: RWE sollte ein international agierender Versorger werden, der seine Kunden mit Strom, Gas und Wasser versorgt und sich noch um Abfallentsorgung kümmert.

Doch die Multi-Versorgungs-Strategie ist niemals aufgegangen. Nicht nur, dass Kuhnt seinem Nachfolger Harry Roels einen Schuldenberg von 25 Milliarden Euro hinterließ. Vor allem das Wassergeschäft erwies sich als schwere Erblast. Es verschlingt 40 Prozent der Investitionen, steuert aber nur ein Viertel zum Konzerngewinn bei. Roels verordnete einen Kurswechsel: Er verkaufte die Entsorgungssparte und will sich bis Ende 2007 vom Wassergeschäft trennen.

Roels dürfte es ganz gelegen kommen, dass er bald einen seiner größten Widersacher loswird. Zweimal hatte Kuhnt versucht, wieder an Einfluss zu gewinnen. Als sein Ausscheiden als RWE-Chef besiegelt war, wollte er im Frühjahr 2003 den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Friedel Neuber aus dem Amt drängen. Nach dessen Tod im Oktober 2004 brachte er sich erneut als Nachfolger ins Gespräch – vergeblich.

Kuhnts größtes Verdienst um RWE ist, dass er im Jahr 2000 die kommunalen Aktionäre dazu bewegen konnte, auf ihr Mehrfachstimmrecht zu verzichten. Damit machte er die RWE-Aktie international hoffähig.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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