Streit ums Gehalt
Peter Fleischer: Der Klage-Banker von der KfW

Die Lehman-Panne kostete die KfW-Bank 320 Mio. Euro und den damaligen Risiko-Vorstand Peter Fleischer seinen Job. Der streitet jetzt vor Gericht um die Auszahlung seines bis ursprünglich 2013 laufenden Vertrags - rund 2,33 Mio. Euro. Fleischers Argument: Zum Pannen-Zeitpunkt sei er gar nicht mehr Risikovorstand gewesen.

FRANKFURT. Erst waren 320 Mio. Euro weg, jetzt will er rund 2,33 Mio. Euro: Ex-KfW-Vorstand Peter Fleischer klagt vor Gericht gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. Ende September hatte die KfW ihn fristlos gefeuert. Der Grund: Obwohl die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers pleite war, überwies ihr die KfW 320 Mio. Euro. Fleischer, bis Ende August - also bis kurz vor der Panne - Risikovorstand der Staatsbank, hatte dies genauso wenig verhindert, wie sein Nachfolger Detlef Leinberger oder Bereichsleiter Rainer Hartje. Alle drei verloren ihren Job. Mit Hartje einigte sich die KfW auf einen Aufhebungsvertrag, Leinberger und Fleischer dagegen klagten.

Seinen Vertrag, der noch bis Ende Juni 2013 läuft, will Fleischer ausbezahlt haben. Das wären laut KfW-Geschäftsbericht 466 000 Euro pro Jahr, zuzüglich Dienstwagen; insgesamt etwa 2,33 Mio. Euro. Am Donnerstag traf er sich mit seinem früheren Arbeitgeber vor Gericht. Schweigend, im dunkelblauen Zweireiher lauschte der Ex-Banker Richterin Blanka Haselmann vor der 26. Zivilkammer des Frankfurter Landgerichts. Regungslos hörte er sich an, wie es zu jenem Ereignis gekommen war, dass ihm in der Boulevardpresse den Titel "Dummbanker" einbringen sollte.

Am Donnerstag, den 11. September, stufte die KfW ihren Geschäftspartner Lehman Brothers intern auf "nicht mehr kreditwürdig" herab. Da waberten schon Gerüchte von einem nahenden Zusammenbruch des Bankhauses durch den Markt. Am Freitag strich die Finanzagentur des Bundes, die den Bundeshaushalt mit Anleihen refinanziert, die amerikanische Investmentbank aus der Liste ihrer Geschäftspartner. Am gleichen Tag soll auch die "sich zuspitzende Liquiditätskrise" bei Lehman Thema in der KfW gewesen sein. Am Montag um 7.45 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit war Lehman pleite. Dennoch überwies die KfW der Bank rund eine Stunde später, um 8.53 Uhr, 320 Mio. Euro für ein Swap-Geschäft, mit dem sie sich gegen Wechselkursrisiken absichern wollte. Erst um halb neun wollte sich das Risikomanagement zu einer Sondersitzung treffen - da war das Geld längst weg.

Die drei von der Risikokontrolle wurden beurlaubt, zwei Wochen später kam die fristlose Kündigung für die Vorstände. Doch die will der 51-jährige Fleischer nicht akzeptieren, seine Anwältin pocht auf Formfehler. Fleischer, sei zum Pannen-Zeitpunkt gar nicht mehr Risikovorstand gewesen, argumentiert sie. Und außerdem sei fraglich, ob die Kündigung wirksam gewesen sei. Dazu hätte die Mehrheit im KfW-Verwaltungsrat schriftlich zustimmen müssen. Das Kontrollgremium hatte sich am Sonntag, den 28. September, per Telefonkonferenz auf den Rauswurf der drei Manager geeinigt. Per Boten trudelten dann in den frühen Morgenstunden die schriftlichen Zustimmungen der Kontrolleure ein. Der damalige Wirtschaftsminister Michael Glos, Chef des Kontrollgremiums, unterzeichnete den Rauswurf. Das Dokument trage aber kein Datum, monierte die Juristin. Zudem bezweifelt sie, dass genügend schriftliche Zustimmungen der Verwaltungsräte vorgelegen hätten, die hätten immerhin aus der gesamten Republik herangeschafft werden müssen. "Bis 2.30 Uhr nachts sind die Dokumente vor Zeugen bei uns eingetroffen. Die einfache Mehrheit war erreicht", widerspricht dagegen ein KfW-Sprecher.

Auch die Bank will keinen Vergleich, sondern die Ex-Vorstände auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagen. Wie viel das genau sein wird, darüber will der Präsidialausschuss in den nächsten Wochen entscheiden. Fleischers Verfahren wird am 30. Juni fortgesetzt.

Längst beschäftigt der Fall den Staatsanwalt. Im Oktober durchsuchten Strafverfolger die Bank im Frankfurter Palmengarten. Sie ermitteln wegen Untreue - unter anderem auch gegen Fleischer.

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