Strerath gegen Ogilvy
Scheidungskrieg zwischen Werber und Agentur

Der renommierte Werber Thomas Strerath liefert sich eine Auseinandersetzung mit seinem bisherigen Arbeitgeber, der Agentur Ogilvy. Dabei nutzt der internetaffine Berater auch das Freunde-Netzwerk Facebook.
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DüsseldorfEin Scheidungskrieg ist zwischen dem bereits freigestellten Deutschland-Chef der Werbeagentur Ogilvy, Thomas Strerath, und seinem früheren Arbeitgeber entbrannt. Am Montag veröffentlichte Strerath, der im Herbst 2014 gekündigt hatte und dessen Vertrag noch bis Ende August läuft, auf seiner Facebook-Seite das Schreiben seiner „schmuck- und fristlosen Kündigung". Der Werber zeigte sich empört über diesen „Versuch einer unehrenhaften Entlassung", wie er schreibt. Dass er seine Auseinandersetzung mit der Agentur, für die er zehn Jahre gearbeitet hat, öffentlich macht, irritierte allerdings einige seiner Facebook-Leser. Sie mahnten, ein solcher Schriftverkehr habe in den sozialen Netzwerken nichts verloren. Nach einigen Stunden löschte Strerath den Post samt aller Likes und Kommentare.

Die Agentur Ogilvy, die zum britischen Werbekonzern WPP gehört, begründete die fristlose Kündigung mit der „andauernden schweren Verletzung seiner Treuepflichten" und „Verstößen gegen seinen Dienstvertrag". Vordergründig geht es um die Frage, ob Strerath bereits in diesem Frühjahr unter der Flagge von Jung von Matt, jener Hamburger Agentur, bei der er im kommenden September als Vorstand und Partner einsteigt, gegenüber potenziellen Kunden aufgetreten ist. Tatsächlich, so heißt es unter Insidern, soll es jedoch um die Vergütung Streraths, die er noch von Ogilvy erhält, gehen. Die Fronten sind verhärtet. Zurzeit sind es vor allem die Anwälte beider Seiten, die miteinander reden.

Strerath gilt als ebenso umtriebiger wie auch streitlustiger Werbeexperte. So nutzt er die Zeit seiner zehnmonatigen Freistellung beispielsweise dazu, das intransparente System der Mediaagenturen – die Werbeplätze im Auftrag von Unternehmen buchen – zu attackieren. Als Brandbeschleuniger seiner Gastbeiträge und Statements nutzt er dabei gerne seine eigenen Social-Media-Kanäle, mit denen er eine nicht unerhebliche Reichweite hat. Auf Facebook etwa hat er mehr als 1500 Freunde, darunter zahlreiche Meinungsführer.

Strerath und WPP kämpfen nun mit harten Bandagen. Strerath, der seit einigen Jahren einen Sitz im Aufsichtsrat der börsennotierten Digitalagentur Syzygy hat, soll nun auch diesen abgeben. Zwei der drei Aufsichtsratsmitglieder sind Manager des WPP-Konzerns, der einen Anteil von 30 Prozent an der Digitalagentur hält. Strerath ist erbost über sein bevorstehendes Ausscheiden: „Dafür gibt es inhaltlich überhaupt keinen Grund.“ Ralf Hering, Chef der Unternehmensberatung Hering Schuppener, ebenfalls ein WPP-Unternehmen, soll Streraths Sitz übernehmen, heißt es.

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