Stuart Rose
Aufruhr im Club

Stuart Rose hat Marks & Spencer, eine britische Institution, aus der tiefen Krise gerettet. Nun fordert er die uneingeschränkte Macht in der Kaufhauskette. Aber selbst sonst eher dezent agierende Großaktionäre spielen nicht mit und protestieren öffentlich.

LONDON. Sir Stuart Rose ist ein Manager, wie ihn die Londoner City schätzt: Schlank, eleganter Anzug und das Haar korrekt gescheitelt. Er verkörpert Integrität und Understatement.

Der 59-Jährige hat die britische Institution Marks & Spencer, wo der Mittelstand Pullis und Fertiggerichte kauft, vor einer feindlichen Übernahme und aus einer schweren Krise gerettet. Das hat ihm auch in einer breiteren Öffentlichkeit beinahe Kultstatus verschafft.

Ausgerechnet Sir Stuart, frisch zum Ritter geschlagen, ein Mann mit Manieren, der gerne in feinen Lokalen im Londoner Westend speist und in der Freizeit mit dem eigenen Flugzeug abhebt, setzt nun sein Ansehen in der Londoner City aufs Spiel und bricht die Regeln des Gentleman-Clubs. Im Gegensatz zu etablierten Londoner Corporate-Governance-Grundsätzen will er sich zum Executive Chairman aufschwingen, also Vorstandschef und Aufsichtsratschef in einer Person sein. In den USA mag das üblich sein – in Großbritannien ist das ein Affront.

Am 10. März kam die Nachricht: Marks & Spencer gab kurz und bündig bekannt, dass Chairman Lord Burns zum 1. Juni abtritt und Rose seine Aufgaben mit übernimmt.

Das konnten die großen Investmentfonds nicht stillschweigend akzeptieren. Erst protestierten sie hinter verschlossenen Türen. Doch Rose und das Board zeigten sich unnachgiebig. Der Konflikt schaukelte sich hoch. Sogar zurückhaltende Institutionen wie Legal & General Investment Management empörten sich öffentlich.

So einen Aufstand gegen einen prominenten Unternehmenslenker gab es aus Corporate-Governance-Gründen seit Jahren nicht. Wie Ritter auf einem mittelalterlichen Turnier preschten die Gegner mit erhobenen Lanzen aufeinander zu.

Bis Donnerstagabend. Da veröffentlichte der scheidende Chairman Lord Burns einen fünfseitigen Brief an die Aktionäre, in dem er die Hintergründe der Entscheidung erläuterte. „Comply or explain“ – befolgen oder erklären – lautet, wie auch in Deutschland, der Grundsatz des Corporate-Governance-Kodex. Wer sich nicht an die Richtlinien hält, muss erläutern, warum er abweicht. Das hatte Marks & Spencer fast vier Wochen lang nicht für nötig gehalten.

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