Studie
Der Deutsche verschwendet keine Zeit

Wenn Arbeiten doppelt ausgeführt werden oder schlichtweg unnötig sind, dann resultiert dies in verschwendeter Arbeitszeit. Deutsche Unternehmen scheinen dabei im weltweiten Vergleich die Efiizienz gepachtet zu haben und landen im Ranking vor den USA, England und Frankreich. Aber wie lässt sich diese Verschwendung überhaupt eindämmen?

DÜSSELDORF. Deutsche Unternehmen arbeiten im internationalen Vergleich hocheffizient und haben ihre Produktivität im vorigen Jahr enorm gesteigert. Dies zeigt eine Untersuchung der britischen Beratungsgesellschaft Proudfoot und der Warwick University, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Danach werden in deutschen Firmen 2007 im Schnitt je Arbeitnehmer 26 Arbeitstage verschwendet, etwa durch Doppelarbeiten innerhalb der Firmenorganisation oder unnötige Verwaltungstätigkeiten. Im vorigen Jahr waren es noch 32,5 Tage. Denn: Durch die Konjunktur stieg die Stückzahl in der Fertigung. Zudem beginnen deutsche Manager, sich dem Problem der Zeitverschwendung im Unternehmen zu stellen.

Im internationalen Vergleich schneiden die Deutschen damit am besten ab und haben die USA überholt. Sie liegen mit 34 verlorenen Arbeitstagen auf Platz zwei des jährlich erstellten Produktivitätsrankings. Es folgen Großbritannien und Frankreich (siehe Tabelle).

Zur Messung der Produktivität und der verschwendeten Arbeitszeit ziehen Proudfoot und Warwick-Professor Nick Crafts mehrere Faktoren heran: offizielle Zahlen, Statistiken aus Beratungsprojekten weltweit sowie Ergebnisse einer Befragung von 500 Top-Managern.

In absoluten Zahlen drückt Proudfoot – sie gehört zur börsennotierten Management Consulting Group PLC mit insgesamt 2 500 Mitarbeitern – es so aus: Der Schaden für die deutsche Wirtschaft durch Verschwendung beträgt in diesem Jahr 135 Mrd. Euro. Die Zahl hat sich zwar um ein Fünftel verringert. Doch diese Summe entspreche immerhin 6,6 Prozent des Bruttosozialprodukts, gibt Peter Ascher, Deutschland-Chef von Proudfoot, zu bedenken.

Womit die Unternehmen so viel Arbeitszeit verschwenden? „Nicht absichtlich, wissentlich oder gar böswillig, sondern vielmehr durch unprofessionelles Management und schlechte Organisation“, erläutert Ascher. Weit verbreitet seien überflüssige Doppelarbeiten, wenn etwa in großen Firmen verschiedene Abteilungen an demselben Problem arbeiten, davon aber nicht wissen. Ausarbeitungen, die ungelesen in den Papierkorb wandern, sowie unnötige Verwaltungsarbeiten sind aus seiner Sicht ebenfalls typische Zeitverschwender. In der Produktion vergeuden schlecht gemanagte Firmen Zeit durch Leerlauf- und Wartezeiten, weil Schichtsysteme nicht funktionieren oder das falsche Material zur falschen Zeit in falscher Qualität geliefert wird. Und der Klassiker: Meetings sind Zeitkiller, wenn sie nicht straff geführt werden und Mitarbeiter daher länger als nötig herumsitzen.

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