Studie
Deutsche Firmen schauen zu selten über den Tellerrand

Deutsche Unternehmen nutzen noch viel zu selten branchenfremde und externe Ideen bei der Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsideen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Departements Corporate Management and Economics der Zeppelin Universität Friedrichshafen, die auf der Handelsblatt-Veranstaltung "Open Innovation" vorgestellt wurde.
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FDRANKFURT. "80 Prozent der Unternehmen verlassen sich beim Thema Innovationen vorwiegend auf Partnerfirmen und Kunden", sagt Ellen Enkel, die Leiterin des Instituts Corporate Management and Economics der Zeppelin Universität Friedrichshafen.

Rund um den Globus beschäftigen sich die Unternehmen intensiv mit dem Thema "Open Innovation". Unter dem Begriff wird die Einbindung externer Forscherressourcen und Ideengeber verstanden. "Man kann natürlich auch bahnbrechende Innovationen allein machen, wie bei den Megaperls, die wir weitgehend alleine entwickelt haben. Aber solche Megaperls laufen uns nicht alle drei Jahre über den Weg. Also braucht man externe Innovationen", beschreibt Thomas Müller-Kirschbaum, Senior Vice President von Henkel, die Situation.

Nur 19 Prozent der Firmen binden branchenfremde Unternehmen bei der Suche nach neuen Ideen ein. Dabei kann ein solcher Blick über den Tellerrand sehr fruchtbar sein, wie etwa die Schmitz-Werke, ein Hersteller von Dekostoffen und Markisen, zeigen. Dort schauen die Entwickler regelmäßig, was sich in ganz anderen Industrien gerade tut, etwa in der Automobilbranche. Das Resultat sind zum Teil völlig neue Materialien, die in den Markisen zum Einsatz kommen. 40 Prozent der neuen Produktideen basieren bei dem westfälischen Mittelständler mittlerweile auf externen Ideen. Dieser Anteil solle weiter ausgebaut werden, sagt Günter Schöttles, technischer Leiter. Dafür bekam das Unternehmen am Donnerstag den erstmals verliehenen "Open Innovation Award".

"Man kann Dinge gar nicht mehr linear nach vorne denken, wie müssen in Szenarien denken. Das bedeutet Kommunikation mit anderen", sagt Eckhard Foltin von Bayer Material Science.

Diese Erfahrung machte auch der Konsumgüterriese Procter & Gamble, ebenfalls Gewinner des Innovation Award. Der Konzern entdeckte einen in der Baubranche seit Jahren eingesetzten Kunststoff, genannt Melamin. Eingesetzt etwa zur Isolation von Rohrleitungen besitzt die Substanz mit ihrer Oberfläche reinigende Eigenschaften. Procter nutzte das für den Mr. Clean Magic Eraser, einen Reiniger für Lacke und Beize.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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