Studie
Familienunternehmen halten an Chefs aus eigenen Reihen fest

Von Deutschlands 100 größten Familienunternehmen wird mehr als die Hälfte immer noch von Gründern oder Mitgliedern des Eignerclans geführt. Doch nicht nur Außenstehende tun sich schwer, ins oberste Management aufzusteigen.

HB HAMBURG. Nach einer Untersuchung stehen in dieser Gruppe 51 Gesellschafter an der Spitze von Vorstand oder Geschäftsführung, während bei 49 Firmen Fremdmanager die Leitung haben. Wie die Studie der Bonner Intes-Akademie für Familienunternehmen ergab, geht der Vorstandsvorsitz für die Familie in aller Regel verloren, sobald das Unternehmen sich der Börse öffnet und fremde Kapitalgeber an Bord kommen.

Bekannte Beispiele von eignergeführten Unternehmen sind Michael Otto (Otto Versand), Karl-Erivan Haub (Tengelmann), Heinrich Weiss (SMS) oder Hubert Burda und Heinrich Bauer bei den gleichnamigen Verlagen. Zu der Gruppe von Unternehmen, die von familienfremden Managern geführt werden, gehören beispielsweise Eckardt Cordes bei Haniel oder Gunter Thielen bei Bertelsmann.

Intes-Chef Peter May nennt als Beispiel für den Verlust der Firmenleitung nach der Öffnung für den Kapitalmarkt etwa BMW, wo die Familie Quandt zwar über eine ausreichende Anzahl an Aktien verfügen würde, um jede Personalentscheidung durchzusetzen, jedoch seit vielen Jahren familienfremde Manager an der Spitze des Autobauers stehen. Weitere Beispiele für börsennotierte Familienkonzerne mit Fremd-CEOs sind Porsche (Wendelin Wiedeking), Henkel (Ulrich Lehner), der DAX-Neuling Merck (Michael Römer) oder auch Springer (Matthias Döpfner) und Karstadt/Quelle (Thomas Middelhoff). Mit Erich Sixt und Stefan Dräger stehen lediglich zwei Gesellschafter größeren börsennotierten Familienunternehmen vor.

Ein zweiter Trend wird durch die INTES-Studie belegt: „Je größer die Unternehmen, desto wahrscheinlicher stehen familienfremde Manager an der Spitze“, erläutert May. Während bei den Top 50 Familienunternehmen in Deutschland 22 Familienmitglieder und 28 Familienfremde den Vorstandsvorsitz beziehungsweise den Vorsitz der Geschäftsführung innehaben, kehrt sich bei den Unternehmen von Platz 51 bis 100 dieses Verhältnis um. Hier zählt May 29 Geschäftsführende Gesellschafter und nur noch 21 Fremd-CEOs.

Gänzlich die Oberhand gewinnen Fremdmanager bei der Besetzung von Vorständen und Geschäftsführungen unterhalb des Chefs. Von den 423 Personen, die Vorstand und Geschäftsführung von Deutschlands größten 100 Familienunternehmen bilden, sind nur 72 aus einer Eigentümerfamilie. Das sind 17 Prozent. Die restlichen 351 Vorstände und Geschäftsführer (83 Prozent) sind angestellte Manager.

„Wenn ein Familienmitglied in die Geschäftsleitung des eigenen Unternehmens aufrückt, ist es auch üblich, dass diese Person dann den Vorsitz übernimmt. Wenn eine Unternehmerfamilie einen aus ihren Reihen kürt, soll der auch Chef sein“, erklärt May.

Auch bei Familienunternehmen tun sich Frauen schwer, ins oberste Management vorzudringen. Die INTES-Studie zählt lediglich sechs Frauen auf 423 Top-Management-Positionen. An der Studie arbeitet auch die WHU Otto Beisheim School of Management mit.

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