Studie
Mittelstand bietet Frauen bessere Chancen

Frauen, die Karriere machen wollen, sollten Konzerne meiden. Stattdessen sollten sie lieber bei Mittelständlern anheuern, denn da sitzen in den Chefetagen immerhin 17 Prozent Frauen. Nichtsdestotrotz gehört Deutschland im internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern (Platz 32 von 36 Ländern), belegt eine weltweite Studie der Wirtschaftsprüfer-Organisation Grant Thornton, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

DÜSSELDORF. Die besten Plätze innerhalb Europas belegen Russland mit 42 Prozent, Polen mit 32 Prozent sowie Finnland und Griechenland mit jeweils 23 Prozent. International sind die Philippinen der Spitzenreiter mit 47 Prozent weiblichen Führungskräften, gefolgt von Thailand mit 38 Prozent und China mit 31 Prozent. Der Schnitt liegt weltweit bei 24 Prozent.

Fazit: "Die Vorreiterrolle hat Deutschland nicht - aber trotzdem hat der Mittelstand innerhalb Deutschlands eine Vorreiterrolle", urteilt Christian Kirnberger, Geschäftsführer bei Grand Thornton. In ihrem Auftrag wurden 7 200 nichtbörsennotierte Unternehmen in 34 Ländern befragt. Genauer: eigentümergeführte Unternehmen und Unternehmen, die sich im Eigentum von Familien befinden.

Ergebnis der Umfrage ist: Nur 39 Prozent der befragten Unternehmen aus dem Mittelstand können keine einzige Frau in einer Entscheiderposition vorweisen. Innerhalb Deutschlands sind es im Osten nur 28 Prozent, die keine weiblichen Führungskräfte haben. Im Süden sind es dagegen 49 Prozent mit frauenfreien Chefetagen.

Wie es kommt, dass Frauen in Deutschland im Mittelstand bessere Chancen haben, in Entscheiderpositionen aufzusteigen, als bei Konzernen? Kirnberger glaubt, dass es an den ausgefeilten Karriereplanungen der Personalabteilungen in den Konzernen liegt, die Frauenkarrieren verhindern: "Alle drei Jahre versetzt werden innerhalb des Unternehmens, viele Standortwechsel und auch noch Auslandsaufenthalte - diese Denkmuster der Konzernpersonalchefs sind einfach nicht zu vereinbaren mit den Lebensentwürfen der meisten Frauen." Denn solche Karrierepläne sind für Frauen schwerer zu verwirklichen als für Männer, so Kirnberger.

Jedenfalls, wenn sie einen Mann oder gar Kinder haben. Welcher Ehemann kann von heute auf morgen nach Tokio mit umziehen und drei Jahre später wieder nach Kapstadt? Mit Kindern wird es noch viel schwieriger, wenn diese alle drei Jahre in ein anderes Land mitkommen und ihre angestammte Umgebung wieder verlassen sollen - kaum dass sie sich eingelebt haben und mit der fremden Sprache klarkommen.

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