Studie
Teutonische Demokraten

Jedes Land hat seinen Manager-Typ: Die Briten haben leistungsorientierte, die Franzosen autokratische und die Deutschen demokratische Firmenlenker. Das ergab eine europaweite Befragung unter 201 Managern.

MEERBUSCH. Nationale Stereotype: Von vielen gepflegt, doch häufig als überkommene Vorurteile abgetan. Die US-Personalberatung Development Dimensions International DDI mit dem deutschen Sitz in Meerbusch bei Düsseldorf hat dazu die Kurzbefragung „Leaders on Leadership“ durchgeführt. Das überraschende Ergebnis: Das Führungsverhalten deutscher, englischer und französischer Top-Manager unterscheidet sich tatsächlich gravierend. Dabei kann jedem Land ein bestimmter Typus zugeordnet werden: der leistungsorientierte Brite, der autokratische Franzose und der deutsche Demokrat.

In einem Punkt jedoch herrscht paneuropäische Einigkeit unter den befragten Top-Managern: Sie sehen sich nicht als mächtige Alleinherrscher in ihren Unternehmen, sondern vielmehr als Verantwortungsträger, denen der Erfolg ihres Teams wichtiger ist als persönliche Triumphe. „Ich würde es eher Verantwortung als Macht nennen“, präzisiert ein Befragter aus Großbritannien. So begegnen die Unternehmenslenker den wachsenden Herausforderungen in ihrem Beruf durch vermehrte Teamarbeit und schätzen es, eine leistungsstarke Mannschaft hinter sich zu wissen. Dies bestätigt die Aussage eines britischen Managers: „Unsere Aufgabe ist es, das Beste aus dem Team herauszuholen. Es ist der befriedigendste Aspekt unserer Tätigkeit, ein Team zu bilden und es sich so entwickeln zu sehen, dass wir in der Lage sind, die gesetzten Ziele zu erreichen.“

Dennoch gibt es deutliche Unterschiede im Führungsverhalten zwischen deutschen, britischen und französischen Unternehmenslenkern. Britische Top-Manager sind entspannte Manager. Sie genießen die Verantwortung, die sie für ihr Unternehmen und ihr Team tragen und sehen sie eher als Privileg denn als Bürde an. Sie schätzen an ihrer Rolle besonders die Möglichkeit, ihre Mitarbeiter zu führen und zu fördern. „Es ist ein großer Spaß, Mitarbeiter zu führen, zu sehen, wie sie wachsen und all die Dinge machen, die man selber nicht leisten kann. Teamwork ist enorm wichtig; vor allem muss man verstehen, dass man viele Mitarbeiter mit verschiedensten Talenten benötigt, um gute Leistungen erbringen zu können“, erläutert ein Befragter.

Die britischen Industriekapitäne schätzen es dementsprechend auch, ihre Entscheidungen hinterfragt zu sehen – 96 Prozent von ihnen gaben dies an, während es in Deutschland nur 52 Prozent waren und in Frankreich sogar nur 29 Prozent der Befragten diese Ansicht vertraten. Ehrliches Feedback ist britischen Managern wichtig. So schätzen sie es, wenn sie ihre eigenen Leistungen gespiegelt bekommen und sind auch der Meinung, dass sie im Laufe ihrer Karriere gelernt haben, ihre Mitarbeiter besser beurteilen zu können.

Nahezu 90 Prozent der britischen Manager fühlen sich sicher im Urteil über ihre Kollegen, aber nur 64 Prozent in Deutschland und nur knapp 49 Prozent in Frankreich. So sind die Briten auch deutlich kritischer mit der Leistung ihrer Teams: Knapp die Hälfte gab an, dass sie bezweifeln, dass ihr aktuelles Team über das nötige Talent verfüge. Die Deutschen und Franzosen sind hier mit 70 beziehungsweise 80 Prozent Zufriedenheit sehr viel zuversichtlicher.

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