Studie unter Top-Kanzleien
Anwälte nutzen Marketingpotenzial

Die führenden Anwaltssozietäten in Deutschland drücken in Sachen Marketing kräftig aufs Tempo: Bis zu drei Prozent ihres Jahresumsatzes stecken sie mittlerweile in neue Produktentwicklungen, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. Dass Deutschland beim Anwaltsmarketing längst kein Entwicklungsland mehr ist, haben auch die ausländischen Kollegen erkannt.

GARMISCH. Vermehrt stellen die Sozietäten auch branchenfremde Marketingfachleute ein, die das Beratungsgeschäft mit bestehenden wie künftigen Mandanten weiter ankurbeln sollen. Das ist das Ergebnis einer Befragung der Firma Professional Marketing Network (PMN), Stuttgart, unter den Top-75-Anwaltskanzleien in Deutschland.

"Die großen Wirtschaftssozietäten in Deutschland zeigen sich im Vergleich mit Kanzleien anderer europäischer Nachbarländer sehr offen für den globalen Wandel und sind bereit, sich den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen", kommentiert Claudia Schieblon das Ergebnis der von ihr verfassten Studie, an welcher sich über 40 Prozent der Top-Kanzleien beteiligt haben. Nach der Fusionswelle der 90er-Jahre sind die Wirtschaftskanzleien hier zu Lande rasch zu mittelständischen Unternehmen angewachsen, die mit Hunderten von Berufsträgern Jahresumsätze von bis zu 322 Mill. Euro erzielen. Allein die Top-10-Kanzleien erwirtschafteten im abgelaufenen Jahr einen Gesamtumsatz von über 1,5 Mrd. Euro - Tendenz steigend.

Diese rasante Entwicklung ist zum einen auf den Einfluss der britischen und amerikanischen Anwälte zurückzuführen, von denen die deutschen Zielkanzleien in Sachen Marketing schnell gelernt haben. Zum anderen haben aber auch die verbliebenen rein deutschen Wirtschaftskanzleien die Chancen der Globalisierung früh erkannt und ihre Kernkompetenzen einschließlich des Kanzleimarketings darauf ausgerichtet.

Das wird auch auf Seiten der Mandanten wahrgenommen. "Der Anwaltsmarkt hat sich schon sehr verändert. Vor fünf, sechs Jahren haben die Kanzleien in Sachen Marketing so gut wie nichts gemacht. Aber die Konkurrenz ist inzwischen größer geworden - insbesondere am Standort Frankfurt, wo die Kanzleien um die guten Mandate kämpfen", beobachtet der Chefsyndikus der Deutschen Börse AG, Roger Müller. Sein Haus arbeitet je nach Rechtsgebiet und Land mit einem ganzen Panel von Anwälten zusammen. "Die Rechtsberatung ist ein People-Business: Der jeweilige Anwalt ist entscheidend, die Kanzlei zweitrangig", so Müller.

Entsprechend zählen laut PMN-Studie auch Vorträge, Fachartikel sowie Mandantenseminare zu den populären Marketingtools der Wirtschaftskanzleien. Zum wichtigsten Marketinginstrument haben die Sozietäten allerdings die Pressearbeit erkoren: 45 Prozent von ihnen sehen darin die Chance, Themen, Zitate oder gar Artikel in der Wirtschaftspresse zu lancieren.

Daneben liegt der Fokus der Wirtschaftsanwälte ganz auf der Entwicklung neuer Produkte mit bestehenden und künftigen Mandanten. Dieser als Client- und Business-Development bezeichnete Bereich wächst derzeit personell am stärksten. So beschäftigt zum Beispiel die Kanzlei Clifford Chance mittlerweile allein 13 Fachleute im Business-Development. Hier fokussiert man sich in erster Linie auf die Mandantenpflege. Partner Michael Weller, Frankfurt: "Es ist natürlich leichter, das Geschäft mit bestehenden Mandanten auszuweiten als sich um potenzielle Mandanten zu bemühen, die bereits seit Jahren die Konkurrenz beauftragen".

Seite 1:

Anwälte nutzen Marketingpotenzial

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%