Studie
Wenn Frauen die Männer ausgrenzen

Die meisten berufstätigen Mütter fühlen sich in der Kindererziehung von ihren Partnern alleine gelassen. 61 Prozent beanstanden, dass der Vater ihrer Kinder nicht ausreichend Zeit für die Betreuung aufbringt. Das ist das Ergebnis der Studie „Väter zwischen Karriere und Familie – die Sicht der Mütter“.

Die Studie wurde von der IGS Organisationsberatung, dem Managementportal MWonline und dem Softwareunternehmen Staffadvance von Mai bis Juli 2005 unter 377 Müttern durchgeführt und liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

Zudem: Obwohl drei Viertel der Befragten Akademikerinnen sind, stellen sie – anders als Vorzeigepolitikerin Ursula von der Leyen mit sieben Kindern – ihre eigenen Karrierepläne hinten an und halten stattdessen ihrem Mann auf seinem Karriereweg den Rücken frei. Zufrieden sind die Frauen im Job damit freilich nicht: So wünscht sich fast jede zweite Befragte, dass sich ihr Partner in der Familie stärker engagiert. Mehr noch: Fast jede dritte berichtet sogar, dass dieses Thema immer wieder für häuslichen Streit sorgt.

„Viele berufstätige Frauen beklagen, dass ihre Partner sich zu wenig in die Kindeserziehung einbringen“, unterstreicht auch IGS-Chef Marcus Schmitz in Köln. „Ihnen ist es ein Dorn im Auge, dass ihre Männer häufig mehr als vierzig Stunden pro Woche arbeiten und sich selbst am Wochenende nur wenig um die Kinder kümmern.“ Dies belegt auch die Studie: 72 Prozent der Männer sind über die tarifliche Arbeitszeit hinaus im Büro, am Wochenende verbringt nicht einmal jeder zweite mindestens zehn Stunden mit seinen Kindern.

Daran sind allerdings nicht allein die Männer schuld, denn Frauen fordern häufig gar nicht mehr Unterstützung ein. „Frauen machen die Fragen der Kinderbetreuung zu ihrem eigenen Thema“, urteilt Heidi Stock, die beim Stuttgarter Maschinenbauer Robert Bosch für Chancengleichheit zuständig ist. Sie hat den Überblick, da sie sich zudem im Netzwerk „Frauen in der Wirtschaft“ engagiert, in dem sie mit Unternehmen wie Allianz, Commerzbank und Volkswagen zusammenarbeitet. Ein Grund dafür ist die enge Bindung ans Kind durch die Schwangerschaft, meint Stock. „Viele Frauen denken aber auch, dass sie es am besten können.“ Im Klartext: Sie selbst grenzen die Männer aus. Stock: „Das ist ein gesellschaftliches Problem.“

Selbst emanzipierte Paare leben noch nach dem alten Rollenverständnis: Der Mann sorgt für das Einkommen, die Frau kümmert sich um den Nachwuchs, zumindest in den ersten Jahren. Erst langsam nimmt die Zahl der berufstätigen Frauen zu: Im Jahr 2000 waren es rund 14,7 Millionen, 2004 knapp 16 Millionen. Das sind 45 Prozent aller Erwerbstätigen.

Allerdings finden sich Frauen noch immer selten in Führungspositionen. Auch im internationalen Vergleich ist die Zahl noch eher Mittelmaß. Mit dem Pharmahersteller Schering und der Hypovereinsbank haben lediglich zwei Dax-Unternehmen eine Frau im Vorstand. Die meisten Frauen übernehmen Aufgaben, in denen sie wenig Verantwortung haben oder die mit einer Teilzeitstelle vereinbar sind. Denn nach Feierabend, am Wochenende oder bei Krankheit der Kinder sind es die Mütter, die die Kleinen betreuen.

Laut Studie ist der Grund simpel: Etliche Frauen sehen Männer als Ernährer an. „Männer sind zum Arbeiten da – und nicht für die Kinder“, antwortete eine der Befragten. Dass auch Männer arbeitslos oder durch ein Unglück berufsunfähig werden können, hat sich anscheinend noch nicht herumgesprochen. Auch die hohen Scheidungsquoten beeindrucken die Frauen wenig: Die Angst ihrer Partner vor dem Karriereknick ist für sie selbst ein Grund, Rückschritte auf der eigenen Karriereleiter hinzunehmen. Dies, obwohl Frauen noch nie so gut ausgebildet waren wie heute und jeder zweite Studienanfänger eine Frau ist.

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