Studie zur Wirtschaftskriminalität
Der Täter kommt meist aus den eigenen Reihen

Wirtschaftskriminelle gibt es in fast jeder zweiten deutschen Firma und oft genug entpuppt sich der Täter als ranghoher Manager. "Jede vierte Straftat in einem Unternehmen weltweit - in Deutschland sogar fast jede dritte - wird von einem Mitarbeiter aus dem Top-Management begangen", heißt es in einer neuen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers (PWC) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Thema Wirtschaftskriminalität.

FRANKFURT. Für die Studie ließ PWC 3 634 Unternehmen weltweit in 34 Ländern befragen. Für den deutschen Teil der Studie wurden die Antworten von 400 Firmen ausgewertet. Ergebnis: 2003 und 2004 wurden rund 46 Prozent der heimischen Unternehmen Opfer von Wirtschaftskriminalität.

Ganz oben auf der Liste der Delikte steht Unterschlagung mit einem Anteil von 29 Prozent, gefolgt von Betrug (23 Prozent) und Industriespionage beziehungsweise Produktpiraterie (13 Prozent). Die Gesamtzahl der festgestellten Straftaten stieg gegenüber der letzten PWC-Umfrage aus den Jahren 2001 und 2002 um sieben Prozentpunkte an.

Die Straftaten von Managern haben besonders schwere Folgen für die betroffenen Firmen: "Je höher die Stellung des Täters im Unternehmen ist, desto höher sind auch die von ihm verursachten Schäden", betonte Kai Bussmann von der Martin-Luther-Universität. Dennoch kämen kriminelle Führungskräfte meist besser davon als andere Mitarbeiter. Wegen des befürchteten Imageschadens schreckten viele Unternehmen vor einer Anzeige zurück, erläuterte der Wissenschaftler. Die Ergebnisse der Studie fallen eindeutig aus: Stammt der Täter aus dem Top-Management folgte weltweit nur in 32 Prozent aller Fälle eine Anzeige, bei Angestellten lag die Quote bei 61 Prozent.

Insgesamt geht der Umfrage zufolge rund die Hälfte aller Wirtschaftsdelikte auf das Konto der eigenen Mitarbeiter. Bei den Tätern handelt es sich meist um erfahrene, männliche Mitarbeiter in Vertrauenspositionen. Nur jeder vierte Beschuldigte war weniger als zwei Jahre im Betrieb, und nur für sieben Prozent der Fälle waren Frauen verantwortlich. Allein die befragten deutschen Unternehmen haben 2003 und 2004 durch Wirtschaftskriminalität 622 Mill. Euro verloren. Dabei waren größere Unternehmen stärker betroffen als kleinere. Zu den materiellen Verlusten kommen bei über 40 Prozent der von Wirtschaftskriminalität betroffenen Firmen immaterielle Verluste wie Imageschäden, Schwächung der Mitarbeitermotivation und Störungen der Beziehung zu Geschäftspartnern.

Wirtschaftskriminalität gibt es quer durch alle Branchen, doch besonders anfällig sind der Studie zufolge Handel, Telekomunternehmen und Banken. "Dabei ist der durchschnittliche finanzielle Schaden je Delikt im deutschen Finanzsektor mit über 1,7 Millionen Euro fünf Mal so hoch wie in den übrigen Branchen". erläuterte Wissenschaftler Bussmann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%