Studie zur Wirtschaftskriminalität
Deutsche Firmen agieren sorglos

Deutsche Firmen nehmen das Problem Wirtschaftskriminalität vor allem im Ausland nicht ernst genug. Deshalb werden sie viel häufiger als Firmen anderer Nationalitäten Opfer von Produktpiraten, Industriespionen, Betrügern und Korruption. Der Gesamtschaden, der den Firmen dadurch entsteht, geht in die Milliarden.

FRANKFURT. Deutsche Firmen nehmen das Problem Wirtschaftskriminalität vor allem im Ausland nicht ernst genug. Deshalb werden sie viel häufiger als Firmen anderer Nationalitäten Opfer von Produktpiraten, Industriespionen, Betrügern und Korruption. So lautet das Ergebnis der gestern veröffentlichten Studie "Wirtschaftskriminalität 2007" der Prüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC) und des Lehrstuhls für Strafrecht und Kriminologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Sie befragten weltweit rund 5 500 Unternehmen, jedes fünfte davon aus Deutschland. Die Firmen meldeten dabei alle von ihnen entdeckten Straftaten von 2005 an bis zum Frühjahr 2007. Jedes zweite deutsche Unternehmen war den Angaben zufolge in dem Zeitraum Opfer von Wirtschaftkriminalität. Die Studienautoren schätzen den Gesamtschaden auf jährlich sechs Milliarden Euro.

Am häufigsten gemeldet wurden Unterschlagung und Betrug sowie Produktpiraterie und Industriespionage, gefolgt von Korruption und Falschbilanzierung. Unterschlagen und betrogen wird laut Studie am häufigsten von Tätern aus Europa und Afrika. Die meisten Bilanzfälschungen verbuchte ebenfalls Afrika, gefolgt von Westeuropa und Asien.

Für deutsche Unternehmen ist das Kriminalitätsrisiko bei Geschäften in den E7-Staaten am größten. Zu dieser Gruppe gehören Brasilien, Russland, Indien und China sowie Mexiko, die Türkei und Indonesien. "Der finanzielle Schaden deutscher Unternehmen ist in diesen Schwellenländern beinahe dreimal so groß wie im globalen Durchschnitt", sagt PWC-Experte Steffen Salvenmoser. So entstehe Unternehmen weltweit in diesen Ländern ein durchschnittlicher Schaden von 1,6 Millionen Euro pro Jahr, bei deutschen Unternehmen seien es im selben Zeitraum rund 4,4 Mill. Euro gewesen.

Besonders betroffen seien Geschäfte in China. Hiesigen Unternehmen entstehe rund 3,6 Millionen Euro Schaden pro Jahr in ihren Niederlassungen, Joint Ventures und Fertigungsstätten im Reich der Mitte. Im weltweiten Durchschnitt sind es 1,3 Millionen Euro. Doch nur jedes dritte deutsche Unternehmen setzte sich in der Vergangenheit mit dem Thema auseinander - bei ausländischen Wettbewerbern war es die Hälfte der Firmen. "Deutsche Unternehmen agieren in den Emerging Markets weiterhin sorgloser als ausländische Wettbewerber", kritisiert Salvenmoser.

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