Sturz im Tanzsaal
Gäste müssen mit glattem Parkett rechnen

Gäste, die in einem Festsaal feiern und tanzen, nehmen ein glattes Parkett nicht nur hin, sondern erwarten eine solche Bodenbeschaffenheit sogar. Auf mögliche Gefahren, die von der Glätte ausgehen, stellen sie sich üblicherweise ein, so das OLG Naumburg in einem Urteil.

HB KÖLN. Wie das Internet-Portal "Anwalt-Suchservice" berichtet, hatte ein Ehepaar eine Feier besucht und zusammen einen Jive getanzt. Dabei rutschte die Frau aus, schlitterte gegen die an die Tanzfläche angrenzende Teppichbodenkante und stürzte zu Boden. Sie erlitt eine Fraktur des linken Armes. Später verklagte sie den Gastwirt, der den Tanzsaal zur Verfügung gestellt hatte, auf Schadensersatz. Er habe seine Verkehrssicherungspflicht verletzt, meinte sie. Das Parkett sei zu glatt gebohnert gewesen. Außerdem sei die an die Tanzfläche anschließende Teppichkante unbefestigt gewesen. Die Klage hatte keinen Erfolg (Urt. v. 08.03.2006 - 6 U 97/05).

Zwar müssten Wirte dafür sorgen, dass ihre Gäste sich in den Räumen bewegen könnten, ohne auf einem zu glatten Boden auszurutschen. Wer ein Fest besuche, auf dem getanzt werde, erwarte aber, dass der Boden hierfür glatt genug sei, so das Gericht. Auf die Gefahren, die von dem Tanzparkett ausgingen, stelle er sich üblicherweise ein, solange der Boden nicht so extrem glatt sei, dass er überhaupt nur mit äußerster Vorsicht betreten werden könne. Das sei hier aber nicht der Fall gewesen. Unter den gegebenen Umständen sei der Wirt nicht einmal dazu verpflichtet gewesen, seine Gäste vor dem glatten Parkett zu warnen, so das Gericht.

Auch dadurch, dass er den an die Tanzfläche angrenzenden Teppichboden nicht fest mit dem Untergrund verklebt hatte, habe der Gastwirt seine Pflichten nicht verletzt. Es sei schon zweifelhaft, ob ein festgeklebter Teppich die Sturzgefahr überhaupt vermindert hätte. Der Unfall habe sich aber auch unter so eigenartigen Umständen ereignet, dass der Gastwirt ihnen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht nicht habe vorbeugen müssen, so die Richter. Ein Ausrutschen, auf den Teppich Zuschlittern und Straucheln an der Teppichkante sei nicht vorauszusehen und eher fern liegend gewesen.

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