Stuttgarter drohen mit Regressforderung für Rückrufe
Daimler prüft Klage gegen Mitsubishi

Gut einen Monat nach dem überraschenden Rückzug des Autobauers Daimler-Chrysler vom japanischen Partner Mitsubishi Motors (MMC) deutet sich ein neuer Konflikt zwischen den Herstellern an. Die Stuttgarter prüfen eine Klage auf Schadensersatz gegen MMC, bestätigte ein Daimler-Sprecher in Stuttgart.

hof/hz FRANKFURT. Anlass ist eine Serie von Rückrufaktionen bei der seit kurzem zu Daimler gehörenden ehemaligen Mitsubishi-LKW-Tochter Fuso. "Wir wurden von Daimler-Chrysler informiert, dass sie eine Entschädigungsforderung erwägen", bestätigte auch der japanische Automobilhersteller in Tokio. Ob Daimler Chrysler - die Ansprüche "im Interesse unserer Aktionäre", wie der Sprecher sagte, tatsächlich anmeldet, sei noch unklar. Er wollte auch keine Angaben darüber machen, ob die Stuttgarter nur die Erstattung der direkten Kosten der Rückrufe prüfen oder zusätzlich Entschädigung für den Imageschaden verlangen wollen. Daher könnten auch keine Aussagen zur Höhe gemacht werden.

Der Konzern hatte Ende April beschlossen, sich nicht an einer notwendigen Kapitalspritze für MMC zu beteiligen und damit seinen Rückzug bei MMC eingeläutet. Auf Projektebene werde man aber weiter zusammenarbeiten, hatten beide Seiten betont. Der bisherige Anteil von 37 Prozent wird sich nach der Kapitalerhöhung in Höhe von 3,44 Mrd. Euro auf etwas mehr als 20 Prozent verringern. Bei Fuso haben die Stuttgarter ihre Beteiligung erst im März dieses Jahres auf 65 Prozent aufgestockt. Die Ursachen für die Rückrufaktionen liegen weit vor dieser Zeit.

Mitsubishi wird derzeit in Japan von einem Rückrufskandal nach dem anderen erschüttert. MMC musste jüngst einräumen, zahlreiche Mängel in der Vergangenheit vertuscht zu haben. Unter dem gleichen Verdacht steht die ehemalige LKW-Tochter Fuso. Gestern räumte Fuso über 90 weitere Mängel an seinen Fahrzeugen ein. Erst vor knapp drei Wochen hatte der Autobauer den Rückruf von rund 180 000 Lastwagen und Bussen angeordnet.

Für Daimler kommt die Eskalation zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. So ruhen nach dem Mitte Mai bekannt gegeben Ausstieg bei der südkoreanischen Hyundai Motor die Hoffnungen im asiatischen LKW-Markt auf Fuso. Doch zeitgleich mit der Aufwertung von Fuso in der Asien-Strategie von Daimler werden nun bei der bisher profitablen Firma immer mehr Unregelmäßigkeiten aufgedeckt. Fuso droht damit ein massiver Imageschaden.

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