Suche nach Marktlücken – Zwei Anwältinnen entdeckten die Privatpatienten als Mandanten
Feindbild: Private Krankenversicherer

Christiane Pfeiffer und Julia Distelkamp machen sich seit dem Sommer zum Anwalt das Patienten. Das Feindbild sind die Krankenversicherer. Die beiden Juristinnen entdeckten eine Nische, die niemandem vorher aufgefallen war –die Arzt- und Krankenhausrechnungen von Privatpatienten. Streitpotenzial: Steigend. Als Service für Privatpatienten kontrollieren sie Erstattungsanträge oder Arztrechnungen und prüfen Zahlungseingänge.

HB DÜSSELDORF. Die Probleme, die beim Abrechnungsverkehr mit privaten Versicherern und Beihilfestellen auftreten können, fielen den Juristinnen auf, als sie jahrelang Vormundschaften übernahmen und dabei auch die Abrechnungen der Betreuten handelten: Private Krankenversicherer verweigern manchmal die Erstattung. Vor allem bei komplizierten Behandlungen, bei mehrjährigen Therapien oder langen Krankenhausaufenthalten stehen die Patienten oft hilflos vor seitenlangen Zahlenkolonnen.

Manche Kürzungen und Ausschlüsse bei Erstattungen lernen Patienten erst im Kleingedruckten kennen. Zu den Basisleistungen von Pfeiffer und Distelkamp gehört es, Erstattungsanträge zu stellen, alle Rechnungen und Bewilligungen zu überprüfen – und zur Not auch die Ansprüche vor Gericht durchzusetzen.

„Die Patienten delegieren die Abrechnung an uns wie die Steuererklärung an den Steuerberater“, sagt Pfeiffer. „Auch viele Angehörige wollen sich nicht um den Schriftverkehr mit der Versicherung kümmern, wenn die Eltern in die Pflege kommen.“

Dass nun auch ein kommerzieller Dienstleister überprüft, ob die Erstattungen korrekt sind, ist für privaten Versicherer neu – und nicht unbedingt eine gute Nachricht. Angesichts immer knapperer Gesundheitsbudgets drehen auch die Privaten kräftig an der Kostenschraube. Zudem ist Transparenz nicht die Stärke der Branche. Wichtige Vertragsänderungen wie die Beschneidung der freien Medikamentenauswahl teilte etwa die Axa Anfang des Jahres in einem schnell zu überlesenden Absatz mit, der in einem mehrseitigen Werbetext vergraben war.

Derartige „Leistungskürzungen hinter dem Semikolon“, so Pfeiffer, „sind in der Branche weit verbreitet. Wir haben den Überblick, was erstattet werden müsste. Wir übersetzen das Versicherungsdeutsch in eine Sprache, die jeder versteht.“

Mit dem Mandanten überlegen sie, ob es wirtschaftlich Sinn macht, gegen bestimmte Dinge gerichtlich vorzugehen. „Wir treten als Abrechnungsdienst auf. Die Versicherungen bekommen nicht gleich Post vom Anwalt, wenn wir anderer Ansicht sind. Und wir raten niemanden, wegen 100 Euro die Gerichte zu bemühen“, betont Pfeiffer. „Es geht um Grundsätzliches, etwa wenn Vitaminpräparate als Teil von langjährigen Therapien nicht mehr erstattet werden sollen.“ Und in der Regel seien die Privaten meist zur Einigung bereit.

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