Suche nach Wohltätern: Chinas Reiche lassen Bill Gates abblitzen

Suche nach Wohltätern
Chinas Reiche lassen Bill Gates abblitzen

Bill Gates und Warren Buffett auf Wohltätigkeitsmission: Der Microsoft-Gründer und der Finanz-Guru haben bereits zahlreiche US-Milliardäre dazu überredet, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Nun sollen auch Superreiche aus China zur Kasse gebeten werden. Doch im Reich der Mitte hat man eine grundlegend andere Haltung zur Wohltätigkeit.
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PEKING. Chinas Superreiche zeigen Bill Gates und Warren Buffett bei deren Suche nach Wohltätern die kalte Schulter. Die US-Unternehmer haben fünfzig extrem wohlhabende Chinesen für den 29. September zu einem Dinner eingeladen, auf dem sie offenbar auch Werbung für ihr neues Projekt machen wollen: Gates und Buffett haben zahlreiche amerikanische Milliardäre dazu überredet, die Hälfte ihres Vermögens für einen guten Zweck zu spenden. Während bisher nur zwei der Chinesen zugesagt haben, hegen andere offenbar Vorbehalte gegen die Gutmenschen aus Amerika. "Einige wenige der Eingeladenen haben die Einladung abgelehnt, andere haben zunächst nachgefragt, ob sie zu Spenden genötigt werden", sagt Ray Yip vom Chinaprogramm der Stiftung von Bill and Melinda Gates.

In China steht die Absicherung der eigenen Familie im Vordergrund

Die Haltung der Reichen zur Wohltätigkeit unterscheidet sich zwischen den USA und China grundlegend. Während in Amerika hohe Spenden zum guten Ton gehören, zögern die Chinesen noch, sich von ihrem Geld zu trennen. "Reiche Leute in China interessieren sich mehr für das Wohlergehen ihrer Familie", sagt Jurist Jin Jinping von der Forschungsstelle für Vereinsrecht an der Universität Peking. Die Anhäufung großer Vermögen habe nur eine kurze Geschichte in China. Soziale Sicherungssysteme seien dagegen noch unterentwickelt.

Nach der Machtübernahme im Jahr 1949 haben die chinesischen Kommunisten alle Industriellen, Grundbesitzer und Investoren enteignet und sämtliche Karrierechancen außerhalb der Partei beseitigt. Bis zum Beginn von Wirtschaftsreformen 1978 waren daher alle Chinesen gleich arm. Seitdem ging die Schere jedoch schnell wieder auseinander. Der Gini-Koeffizient, ein Gradmesser für Einkommensunterschiede, hat für China gerade den Wert 0,4 erreicht - damit gibt es nur noch zehn Länder mit größeren Unterschieden. Das Reich der Mitte hat die meisten Milliardäre nach den USA, während das Durchschnittseinkommen noch bei 2500 Euro liegt - im Jahr.

Einer Studie der China Society of Economic Reform (CSER) zufolge liegen die Einkommen der reichsten zehn Prozent der Bevölkerung jetzt 65 mal über denen der unteren zehn Prozent. "Die Verteilung wird immer ungerechter", mahnt Wang Xiaolu vom CSER.

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