Suez-Chef Gérard Mestrallet
Das letzte Gefecht

Suez-Chef Gérard Mestrallet kämpft um die Fusion mit dem Gasversorger GdF. Scheitert er, sind sein Lebenswerk und Suez gefährdet.

HB PARIS. Gérard Mestrallet ist so schnell nicht aus der Fassung zu bringen. Seit über einem Jahr hakt die geplante Fusion mit dem Gasriesen Gaz de France (GdF). Dennoch strahlt der grau melierte, schlanke Chef des französischen Versorgers Suez stets Zuversicht aus. Und er diktiert bei jedem öffentlichen Auftritt den Reportern beruhigende Sätze in die Blöcke: „Die Fusion mit GdF hat von allen vorstellbaren Varianten ohne Zweifel die stärkste Logik.“ Das sagte er zum Beispiel am 4. Mai auf der Hauptversammlung.

Doch jetzt scheint dem 58-Jährigen der Kragen zu platzen. Laut „Financial Times“ hat er Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy einen Brief geschrieben und ihm ein Ultimatum gestellt: Entweder gibt die Regierung bis Ende dieser Woche grünes Licht für die Fusion, oder Suez „muss andere Optionen ins Auge fassen“. Schnell hat Suez zwar eine Erklärung nachgeschoben: Die Verhandlungen mit der Staatsspitze verliefen stets in „gutem Klima“, und es habe niemals „irgendwelche Ultimaten“ gegeben.

Aber Mestrallet hat allen Grund, langsam die Geduld zu verlieren. Denn von allen Beteiligten ist er es, der bei dem von der Politik eingefädelten Deal am meisten zu gewinnen hat – oder eben zu verlieren. Gelingt die Fusion doch noch, steigt Mestrallet zum Chef eines der größten Energieversorger in Europa auf. Scheitert sie, womit derzeit die meisten Beobachter rechnen, droht Suez erneut zu einem Übernahmeziel zu werden.

Mestrallet müsste um seinen Job bangen. Und um sein Lebenswerk, denn er hat in über zehn Jahren an der Unternehmensspitze aus dem Gemischtwarenladen Compagnie de Suez einen weltweit agierenden Wasser- und Stromversorger geformt.

Rückblende: Am 25. Februar vergangenen Jahres stehen Mestrallet und GdF-Chef Jean-François Cirelli schweigend wie Schuljungen im Amtssitz des Premierministers. Vorne am Mikrofon posiert der damalige Regierungschef Dominique de Villepin. Er doziert, dass Frankreich durch den Zusammenschluss des Strom- und Wasserversorgers Suez mit dem staatlichen Gasriesen GdF entscheidend an Versorgungssicherheit gewinnen würde. Kurz zuvor hatte allerdings die italienische Enel erklärt, sie sei an einer Übernahme von Suez interessiert.

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