Suez-Chef Mestrallet
Der Diplomat

Die Auftritte von Gérard Mestrallet erregen in der Regel wenig Aufsehen. Am 28. Februar ist alles anders: Als der Chef des Versorgers Suez an diesem Dienstag im Pariser Westin Hotel zusammen mit Gaz-de-France-Chef Jean-François Cirelli das Podium betritt, um die Details der Fusion beider Unternehmen zu erklären, bricht ein Blitzlichtinferno los. Der Suez-Chef lächelt zufrieden in die Kameras und will kaum die Hand Cirellis loslassen.

PARIS. Mestrallet hat gut lachen: Denn mit der Fusion von Suez und Gaz de France (GdF) soll der weltweit zweitgrößte Versorger für Strom und Gas hinter der französischen EdF entstehen. Und Mestrallet soll die Nummer eins der neuen globalen Nummer zwei werden. Doch auch im Erfolg bleibt der 56-Jährige seinem Wesen treu: ruhig und sachlich, fast ein bisschen langweilig.

Brav bedankt er sich bei der Regierung, die die Fusion erst möglich gemacht hat. Schließlich gehört GdF dem Staat. Die politische Rückendeckung dürfte Suez zudem helfen, einem möglichen Übernahmeversuch durch Enel zu entgehen, mit dem sich der Verwaltungsrat der Italiener heute noch einmal beschäftigt.

Mestrallet will seine Fusion mit GdF indes nicht als Abwehrmaßnahme verstanden wissen. „Die industrielle Logik ist bestechend, und die Regierung hat die Bedeutung des Projekts verstanden“, doziert er.

Während der GdF-Chef wie ein aufgedrehtes Kind in der Presseveranstaltung immer mal wieder einen Scherz einstreut, exekutiert der Suez-Chef stoisch seine zahlenlastige Präsentation. Der grau melierte Mestrallet hat schließlich im Unter-schied zu Cirelli bereits des Öfteren auch die Schattenseiten im Leben eines Konzernchefs kennen gelernt.

Rückblende: Am 5. September 2002 stellt der Suez-Chef seinem Verwaltungsrat die Halbjahresergebnisse vor. Und die sehen alles andere als gut aus. Schlimmer noch: Albert Frère, Belgiens reichster Mann und Suez’ wichtigster Einzelaktionär, fragt sich, ob Mestrallet noch der richtige Mann an der Spitze ist. Denn bis Ende 2002 hat der Konzern-Chef durch seine weltweite Einkaufstour 27 Milliarden Euro Schulden angehäuft. Und erst Anfang des Jahres war Mestrallet mit dem Versuch gescheitert, den Industriegase-Riesen Air Liquide für eine Fusion zu gewinnen.

Doch der begeisterte Springreiter nimmt auch diese Hindernisse, legt seinen kritischen Aufsehern einen Restrukturierungsplan vor: Mestrallet verkauft die Wassertöchter Nalco und Nothumbrain und stößt auch den Kabelbetreiber Noos und den Anteil am TV-Sender M6 ab.

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