Sun Microsystems
Angst und Schrecken in Menlo Park

Unruge beim Computer-Giganten Sun Microsystems: Andreas von Bechtolsheims Abgang heizt die Gerüchteküche an. Die Stimmung in Menlo Park, dem Stammsitz des Konzerns, ist gereizt.

MENLO PARK. Dunkle Wolken ziehen über das Tüftler-Paradies: Kaum berichtet die „New York Times“, Andreas von Bechtolsheim, genannt Andy, werde den Computer-Giganten Sun Microsystems verlassen, schon donnert der Groll aus dem Silicon Valley Richtung New York: „Absolut unpräzis!“ In der Branche der Mikro-Bastler gilt der Vorwurf mangelnder Präzision als grob tödlich – in Verkennung der windigen Wirklichkeit im US-Blätterwald. Doch ganz so falsch, wie es das aufgebrachte Dementi suggeriert, liegt das Blatt nicht.

Der geniale Mitbegründer von Sun Microsystems, im Silicon Valley mit 53 Jahren als „Veteran“ gehandelt, wird in Zukunft die meiste Zeit seiner Firma Arista widmen – und „in Zukunft nicht mehr als einen Tag die Woche für Sun weiterarbeiten“. Es sei aber schade, dass sich die Leute „auf den Abgang konzentrieren, statt auf die aufregendere Geschichte, mein neues Projekt Cloud Networking“. Darauf, auf das Horten und Verbreiten gigantischer Internetdaten und Mega-Websites auf zentralen Servern, setzt er nun einen Schwerpunkt.

Doch der Aufruhr in Menlo Park, am Sitz von Sun, verwundert nicht. Das einstige Start-up, das etliche Milliarden an Gewinnen abwarf, hat drei Viertel seines Börsenwertes eingebüßt, und ein Verlust von „Big Brain“ Andy, der als hochmögendster Systemdesigner der Branche gilt, droht die Aktien in den Abgrund zu jagen. Angst und Schrecken auch bei Investoren und Aktionären.

Denn Bechtolsheim, 1,92 groß, blond, hellblaue Augen und auch vom Akzent nicht als Deutscher zu verkennen, ist nicht irgendein Gründer und Erfinder. Von „Forbes“ in den Olymp seiner „Midas-Liste“ erhoben, in der nur Multimilliardäre Einlass finden, ist er auch einer der gewieftesten Venture-Capitalists. Als Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin statt Konto und Logo nur die Idee der Suchmaschine hatten, hat Bechtolsheim schon den ersten von zwei 100 000-Dollar-Schecks an die Ex-Kommilitonen ausgestellt. Das war vor zehn Jahren, seither gilt er als „Techie“ mit Spürnase.

Seine Traumkarriere am Pazifischen Ozean war in der Kindheit nicht angelegt. Zwar hat der Sohn eines Volksschullehrers aus Nonnenhorn schon mit sechs Jahren „nichts anderes gewollt, als Dinge zusammenzubauen“, doch war die Löterei am heimischen Rekorder einem „genetischen Unfall“ zu verdanken, wie er unkt: Keiner in seiner Familie hatte von Technik auch nur einen Schimmer.

Womöglich hat die einsame Schrauberei ihm das Lebensthema geschenkt: „Man muss Komplexität und Überfluss vermeiden.“ Folglich lautet seine persönliche Mission in der neuen Welt: „Keep it simple!“ Damit passt er seit 30 Jahren schon ideal in eine Unternehmerlandschaft, in der Umwege tabu sind und das Kapital üppiger und gradliniger als sonst auf der Welt zu Tal fließt.

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