Suzlon-Chef Tulsi Tanti
Er verwandelt Luft in Milliarden

Er ist ein Paradebeispiel für die Explosion unternehmerischer Energie, die Indien derzeit erlebt: Wagemutige Gründer wie Tulsi Tanti, Chef von Suzlon Energy, nutzen die niedrigen Kosten und schnell wachsenden Märkte ihres Landes zur aggressiven Globalisierung ihrer Geschäfte.

NEU DELHI. Mit ihren blutjungen Firmen machen sie alles Erdenkliche zu Geld, nicht nur Software. Im Übernahmepoker um den deutschen Windkraftanlagenbauer Repower hat Suzlon sein Übernahmeangebot gestern erneut erhöht und ist damit größter Konkurrent der französischen Areva. Der derzeitige Bieterkampf ist bisher sein größtes Wagnis. Gelingt ihm der Coup, hätte Tanti seine Firma endgültig als globale Größe verankert.

Tanti wurde mit Luft Milliardär – und das über Nacht. Vor zwei Jahren war er selbst in der Heimat noch unbekannt, wie Suzlon. Dann ging Asiens größter Windturbinenhersteller an die Börse und nutzte die Einnahmen für eine Einkaufstour rund um den Globus. Inzwischen ist die zwölf Jahre alte Firma zur Nummer fünf am Weltmarkt aufgestiegen und setzt eine Mrd. Dollar um. Forbes kürte Tanti unlängst zum achtreichsten Inder. Geschätztes Vermögen: Sechs Mrd. Dollar.

Mit dem 49-Jährigen ist ein Außenseiter in die boomende Windkraftbranche eingebrochen, die lange fest in europäischer Hand schien. Suzlon hält rund die Hälfte am indischen Markt für Windenergie, dem fünftgrößten der Welt. Doch Tanti will mehr. Seine globalen Ambitionen unterstrich er vor einem Jahr mit dem Kauf des belgischen Getriebeherstellers Hansen für 465 Mill. Euro. „Indische Firmen tauchen auf der Weltbühne auf, weil sie effizient sind und Risiken wagen“, sagt Tanti.

Sein Aufstieg zu Indiens Wind-König verlief lange holprig, und er nahm einen langen Umweg. Angefangen hatte der Mann aus der Kleinstadt Rajkot in Gujarat vor 25 Jahren mit einer Spinnerei für Polyester-Garn. Bedrängt von größeren Rivalen wie Reliance und der extrem teuren Stromversorgung in Indien kämpfte die Firma ständig ums Überleben. 1994 nahm Tanti die Energieversorgung dann in die eigene Hand und stellte zwei Windturbinen auf. Bald dämmerte ihm, dass Wind sattere Profite versprach als Polyester. Zusammen mit seinen drei Brüdern kratzte er 600 000 Dollar als Startkapital zusammen, und bald florierten die Geschäfte.

Trotz ihres neuen Reichtums bleiben die Tantis einer Tradition indischer Kleinunternehmer treu: Die drei Brüder und ihre Familien leben noch immer zusammen, inzwischen nicht länger in Rajkot, sondern in Pune bei Bombay.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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