Sven Guckelberger
Der schwäbische Ausputzer

Sven Guckelbergers Arbeit ist nicht unbedingt das, was viele als Traumjob beschreiben würden. Ganz offenherzig gibt er zu, dass seine Arbeit einen gewissen Masochismus erfordert. Der 44-Jährige ist Experte für faule Kredite. Nun wechselt er von der Deutschen Bank zu Close Brothers.

FRANKFURT. Sven Guckelbergers Arbeit ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig. Etwa damals, während der Asienkrise, als der Experte für faule Kredite sich mitunter tagelang mit Schuldnern, anderen Gläubigern und Anwälten einschloss, um für die Deutsche Bank zu retten, was für sie als Gläubiger noch zu retten war. „Da braucht man Nerven wie Drahtseile“, sagt Guckelberger mit deutlich schwäbischem Unterton und einem leichten Grinsen. „Aber es macht auch Spaß, vorausgesetzt man bringt einen gewissen Masochismus mit.“

Der 44-Jährige hat ihn ganz offenbar und will ihn künftig nach 18 Jahren bei der Deutschen Bank als Geschäftsführer bei der Investment-Boutique Close Brothers einbringen. Die Zeit für den Wechsel ist ideal: Immer mehr Konzerne und Mittelständler laufen wegen der Krise Gefahr, bei ihren Banken in Ungnade zu fallen. Beratungsexpertise wird dort dringender denn je benötigt.

„Ich weiß in solchen Situation recht genau, was die Probleme, Fragen und Forderungen der Banken sind“, beschreibt der Vater zweier Kinder seine Fähigkeiten. Künftig wird er auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzen.

Dass Guckelberger dabei das Klischee vom arroganten Deutsch-Banker nicht erfüllt, dürfte ihm bei den Kunden zugute kommen. Nicht nur der schwäbische Klang seiner Sprache hilft da. Sondern auch die offene, unkomplizierte Art und die Lachfalten des in der Schweiz geborenen Experten für sogenannte Work-outs. Zumal mancher über Jahrzehnte erfolgreiche Mittelständler plötzlich nicht nur bilanzielle und strategische Probleme mit sich schleppt, sondern im Krisenfall auch persönlich getroffen ist. „Man benötigt in diesen Fällen oft sehr viel Gefühl, um am Ende doch unmissverständlich klarzustellen, dass nun ein anderer Wind weht“, sagt Guckelberger.

Banker wollte der ursprünglich gar nicht werden. Nach dem BWL-Studium in Hohenheim plant er in Richtung Marketing – landet am Ende aber doch als Trainee bei der Deutschen Bank in Stuttgart. Dort kommt er schnell mit dem Thema faule Kredite in Kontakt.

Es zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch Guckelbergers Karriere, die – schwäbisch hin oder her – sehr international verläuft. 1998 geht er für drei Jahre nach Jakarta und Singapur. Zuletzt war er gut fünf Jahre in London und verantwortete am Ende das gesamte Work-out-Portfolio in Westeuropa.

Bei Close Brothers bewegt sich Guckelberger künftig in kleineren Strukturen. In Deutschland und der Schweiz arbeiten gerade einmal 45 Mitarbeiter, rund ein Dutzend davon im Bereich Restrukturierung. Angesichts der Krise könnte sich das aber ändern. „Wir werden weiter aufstocken“, kündigt Guckelberger an.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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