Swisscom-Chef Jens Alder
Widerstand unter Volllast

Wie muss einem Manager zu Mute sein, dem sein wichtigster Aktionär Knüppel zwischen die Beine wirft? Einem Geschäftsmann, der eben mit seinen ausländischen Partner handelseinig geworden ist und jetzt nicht weiß, ob er das Geschäft abschließen darf? Einem Konzernlenker, der einen starken Verwaltungsrat braucht, anstatt einen, der auf Tauchstation geht?

HB ZÜRICH. Kein Zweifel: Jens Alder hatte gestern keinen schönen Tag. Der Chef der Schweizer Telekomgesellschaft Swisscom muss sich mit einem Ende vergangener Woche bekannt gewordenen Beschluss der Regierung in Bern herumschlagen: Die Swisscom, so verlangt der Bund als Mehrheitsaktionär, darf nicht im Ausland auf Einkaufstour gehen.

Goldman Sachs und Deutsche Bank senkten darauf gestern die Daumen und rieten zum Verkauf der abstürzenden Aktie. Eine schuldenfreie Bilanz und schrumpfende Gewinne im Heimatmarkt zwingen die Swisscom zur Expansion, meinen sie. Alder sieht das genauso. Zu allem Übel steht er ausgerechnet jetzt unmittelbar vor einem milliardenschweren Abschluss: Die irische Eircom hat sich als lohnendes Objekt erwiesen. Aber Alder darf nicht kaufen.

Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren. Doch der 48-Jährige ist keiner, der auf den Tisch haut. In der Menge fällt der drahtige Mann mit den kurz geschorenen Haaren allenfalls durch den Rucksack auf, den er lieber trägt als den Aktenkoffer.

Der Elektroingenieur weiß, was Widerstände sind. Er weiß, dass sie heiß werden, wenn sie unter Volllast stehen. Alder dürfte gestern rote Backen bekommen haben – bei ihm das einzige äußere Anzeichen für innere Hochspannung. Denn der Chef leistet Widerstand. Er wolle im Interesse aller Aktionäre handeln, hat er angekündigt, nicht nur des Mehrheitsaktionärs – das kommt einer Kampfansage an die Regierung gleich.

Seite 1:

Widerstand unter Volllast

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%